Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 534† Kleine Burg 8 1571, 1590, 1666

Beschreibung

Inschriften auf einem Schwellbalken und einem Türsturz zweier Hinterhäuser.1) Die Inschrift A befand sich auf einem Schwellbalken des ersten Obergeschosses an einem Hofgebäude. Sie war jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend durch den Anbau eines im rechten Winkel anschließenden Nebengebäudes verdeckt. Die in der Inschriftensammlung Mack wiedergegebene vollständige Lesung der Inschrift geht offensichtlich auf eine Autopsie nach der Freilegung des Balkens beim Abriß des Hauses im Jahr 1955 zurück; über den Verbleib des Schwellbalkens ist nichts bekannt. Die Inschrift B stand auf dem Türsturz des rechten Hofgebäudes. An nicht näher bezeichnetem Ort befand sich die Jahreszahl C.

Inschrift A nach der Inschriftensammlung Mack, B nach Photographie, C nach der Sammlung Sack.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    ANNO DOMINI 1571 22 FEBRVAR : HENRICVS MOLLER ME SIBI ET POSTERIS FE(CIT)

  2. B

    A(NN)O CHRI(STI) 1590 HMOLLER

  3. C

    1666

Übersetzung:

Im Jahr 1571 am 22. Februar hat Heinrich Möller mich für sich und die Nachkommen errichtet. (A)

Kommentar

Der aus Braunschweig stammende Heinrich Möller immatrikulierte sich 1554 an der Universität Leipzig.2) Er erwarb einen Magistertitel und war an der Universität Wittenberg als Professor tätig.3) Seit dem Jahr 1553 war er Kanoniker des Braunschweiger Domstifts; in dieser Funktion dürfte ihm die Domkurie Kleine Burg 8 zugeteilt worden sein. Laut Döll resignierte Möller, der als Kanoniker das Amt des Baumeisters bekleidete, im Jahr 1569.4) Wenn diese Angaben und die Jahreszahl in der Inschrift stimmen, kann man wohl davon ausgehen, daß Möller das Haus Kleine Burg 8 auch nach seiner Resignation noch bewohnte. Heinrich Möller starb am 16. April 1592; sein Epitaph befindet sich am Dom (vgl. Nr. 647).

Anmerkungen

  1. Nro. St. Blasii 11.
  2. Matrikel Leipzig, Bd. 1, S. 700b.
  3. Anhand der Matrikel Wittenberg läßt sich dies nicht nachweisen. Die Angabe beruht auf urkundlichen Quellen; vgl. Döll, Kollegiatstifte, S. 317.
  4. Ebd., S. 203 u. 317.

Nachweise

  1. Inschriftensammlung Mack.
  2. Photographien: NLD Hannover, BS 7092 u. 13121 (Ende von A). Städtisches Museum, Topographische Sammlung (B).
  3. Sammlung Sack, Nr. 90, Teil 2, p. 39b (C).
  4. Steinacker, Häuserkatalog (Ende von A, B).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 534† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0053404.