Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 758 St. Martini 1619

Beschreibung

Epitaph des Wolf Christoph von Rauchhaupt. Sandstein. Das Epitaph hängt an der nördlichen Außenwand. Im Mittelteil in einer Rundbogennische die Darstellung des Verstorbenen mit zum Gebet gefalteten Händen im Flachrelief. Er trägt eine Rüstung und hat ein Schwert umgegürtet, Helm und Handschuhe liegen rechts unten auf dem Boden. Oben links und rechts des Kopfes verläuft im Bogen eine gemalte dreizeilige Inschrift, die durch Überkrustungen mit Schmutz nur noch schwer erkennbar ist. Die Nische wird von zwei Säulen eingerahmt. Auf dem von den Säulen getragenen Fries darüber sowie links und rechts der Säulen und auf dem Fries unterhalb des Mittelteils sind insgesamt 32 Vollwappen angeordnet. Oberhalb des Mittelteils ein Relief der Auferstehung, links und rechts davon Fortitudo mit einer Säule und Sapientia mit einem Buch. Den oberen Abschluß des Epitaphs bildet eine leere Kartusche, den unteren Abschluß eine von Maskenköpfen eingerahmte, ebenfalls leere Kartusche.

Maße: H.: ca. 500 cm; B.: 244 cm; Bu.: ca. 6 cm.

Schriftart(en): Fraktur mit Kapitalis.

Sabine Wehking [1/4]

  1. Gehe hin Mein volck in eine kammer und schleuß die Thur nach / dir zu Verbürge dich ein klein // augenblick bis der zorn / vorüber gehe. // ESAI · 26 1)

Wappen:
Rauchhaupt2)Borstel3)
Posen4)Wirren5)
Münchhausen6)Gerate7)
Pflug8)Nido9)
aus dem Winkel10)Wulffen11)
Spannagel12)Hoffel13)
Ammendorff14)?15)
Pfull16)?15)
aus dem Winkel10)Anger17)
Hopfgarten18)Huttebrock19)
Leipziger20)Alvensleben21)
Witzleben22)Eldernde23)
Löser24)Bülow25)
Werther26)Bothmer27)
Ilten?28)Hauß29)
Ende30)Gehren31)

Kommentar

Wolf Christoph von Rauchhaupt, Fähnrich im Dienst des Herzogs Friedrich Ulrich, wurde am 3. August 1615 vor dem Hohen Tor tödlich verwundet, als es zu einer Auseinandersetzung zwischen herzoglichen und städtischen Truppen kam. Der Zwischenfall ereignete sich im Zuge des Versuchs Herzog Friedrich Ulrichs, die Stadt einzunehmen.32)

Im Juli 1619 bestätigte der Rat der Stadt den Empfang von 100 Talern, für die Volradt von Rauchhaupt und Hieronymus von Wusenhofen die Erlaubnis erteilt wurde, dem Verstorbenen ein Epitaph zu setzen.33)

Anmerkungen

  1. Jes. 26,20.
  2. Wappen Rauchhaupt (Balken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 12, S. 69 u. Tafel 54.
  3. Wappen Borstel (Schrägbalken mit drei Borstenpinseln belegt). Vgl. ebd., Bd. 6, Abt. 11, S. 9 u. Tafel 4.
  4. Wappen Posen (gespalten, rechts ?, links ein Haken). Identifizierung der nicht bei Siebmacher oder Spießen nachgewiesenen Wappen nach der Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 3, p. 290.
  5. Wappen Wirren (Schrägbalken mit drei Blättern? belegt).
  6. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2,1, S. 274 u. Tafel 325.
  7. Wappen Gerate (Gitter).
  8. Wappen Pflug (viergeteilt: 1. u. 4. Pflugschar). Nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 3, p. 290. Der Wappenschild fehlt heute. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 11, S. 44 u. Tafel 25, dort: viergeteilt: 1. u. 4. schrägrechtsliegende Pflugschar, 2. u. 3. schrägrechts gelegter Ast, aus dem oben zwei, unten ein gezacktes Blatt hervorsprießen.
  9. Wappen Nido (viergeteilt).
  10. Wappen aus dem Winkel (drei Pflugscharen pfahlweise). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 12, S. 91 u. Tafel 72.
  11. Wappen Wulffen (viergeteilt: 1. u. 4. zwei unten verbundene Hörner?, 2. u. 3. zurückblickender Wolf?).
  12. Wappen Spannagel (gespalten, rechts eine, links zwei Rosen).
  13. Wappen Hoffel (drei Hundeköpfe 2:1).
  14. Wappen Ammendorff (Büste eines bärtigen Mannes mit Mütze mit ausgeschnittenem Stulp). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 11, S. 3 u. Tafel 1.
  15. Wappen ? (schräggestellte Spange). Nach der Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 3, p. 290, handelt es sich um das Wappen der Familie von Estorff, die jedoch eine schräggestellte Lilie im Wappen führt. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 6 u. Tafel 7.
  16. Wappen Pfull (geteilt, unten ein Fisch).
  17. Wappen Anger (geteilt, davor eine Rose).
  18. Wappen Hopfgarten (zwei ins Andreaskreuz gestellte Streitgabeln). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 1, S. 13 u. Tafel 14.
  19. Wappen Huttebrock (an Baum steigender Steinbock).
  20. Wappen Leipziger (aufspringender Fuchs, der als Schwanz einen Busch und Hahnenfedern hat). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 232 u. Tafel 282.
  21. Wappen Alvensleben (zwei Balken, der obere mit zwei, der untere mit einer Rose belegt). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 7, S. 1 u. Tafel 1.
  22. Wappen Witzleben (dreimal geteilter Sturzsparren). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 2, S. 455 u. Tafel 494.
  23. Wappen Eldernde (Haus mit drei Giebeln).
  24. Wappen Löser (Reh). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 244 u. Tafel 295.
  25. Wappen Bülow (Kugeln 4:4:3:2:1). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 11, Teil 2, S. 15 u. Tafel 14.
  26. Wappen Werther (viergeteilt: 1. u. 4. steigender Löwe, 2. u. 3. schräger Zweig mit drei Blättern). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 11, S. 66 u. Tafel 38.
  27. Wappen Bothmer (Boot). Vgl. ebd., Bd. 2, Abt. 9, S. 4 u. Tafel 4.
  28. Wappen Ilten? (geteilt, oben quergeteilt, unten drei Pfähle).
  29. Wappen Hauß (schräggestellter ausgerissener gestümmelter Baumstamm). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 66; Bd. 2, Tafel 160.
  30. Wappen Ende (springender Wolf). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 3, S. 9 u. Tafel 8.
  31. Wappen Gehren (zwei einander zugewendete Sicheln).
  32. Vgl. Spieß, Geschichte, S. 175.
  33. Vgl. Meier, Kunsthandwerk, S. 86.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 3, p. 290 (unvollständig überliefert).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 758 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0075802.