Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 626 In der Techt 1 1594

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Bemalte Holzbalkendecke im Erdgeschoss. Die in Braun, Rot und Blau bemalte Decke trägt in der Mitte in einem querrechteckigen Feld ein von Ranken umgebenes Medaillon mit einer Rose darin, auf dem Rand des Medaillons verläuft eine Inschrift in schwarzen Buchstaben auf braunem Grund, die unsachgemäß übermalt und daher dermaßen entstellt wurde, dass der ursprüngliche Sinn des Textes nur noch unvollständig zu rekonstruieren ist.1) Die hier edierte Inschrift kann daher auch lediglich der Vorschlag einer möglichen Lesung sein.

Maße: Bu.: 5 cm (Kapitalis), 4 cm (Minuskel).

Schriftart(en): Kapitalis und Minuskel.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Sabine Wehking) [1/1]

  1. ANNO 1594 Jch bin ein Rosz von viel bladen[... ......] · des · [.....] Schaden [..........] · [das?] · klagen · schelten der [gehe?] zua) vns kom · hie selten

Versmaß: Wohl vier Verse in deutschem Reimvers.

Kommentar

Der dreifache Blattkranz der Rose umgibt ein heute leeres rundes Innenfeld; es gibt aber keinerlei Anzeichen dafür, dass hier einmal ein Wappenschild mit einem Kreuz ausgeführt war und die Rose die Lutherrose darstellen sollte. Die Suche nach den der Inschrift zugrundeliegenden Versen war ergebnislos.

Textkritischer Apparat

  1. Das über der Zeile ergänzte hause dürfte eine unsachgemäße jüngere Zutat sein.

Anmerkungen

  1. Ich danke den Restauratoren Inga Blohm und Markus Tillwick (Lüneburg) für den Einsatz ihrer UV-Lampe bei der Suche nach der ursprünglichen Fassung, die leider ergebnislos blieb. Dem Besitzer des Hauses, Herrn Bruno Grunert gilt mein Dank für seine freundliche Unterstützung.
Addenda & Corrigenda (Stand: 21. September 2020):

Dank einer inhaltlich ähnlichen Inschrift in einer Deckenmalerei des Klosters Möllenbeck (vgl. DI 104, Lk. Schaumburg, Nr. 319, 1587), kann der zerstörte Text zwar nicht wörtlich, aber doch teilweise ergänzt und vor allem gedeutet werden. Es handelt sich in beiden Fällen um eine sogenannte Schweigerose, die besonders in Räumen unter der Decke angebracht wurde, in denen wichtige Dinge verhandelt wurden, die nicht nach außen dringen sollten, z. B. in Kapitelsälen der Klöster oder an Beichtstühlen.2) Der lateinische Begriff sub rosa, dem auch Umberto Ecos Roman ‚Im Namen der Rose‘ seinen Titel verdankt, soll ausdrücken, dass alles, was unter der Rose besprochen wird, unter dem Siegel der Verschwiegenheit erörtert werden soll und nicht nach draußen getragen werden darf. Indiskrete Menschen sollen dem letzten Vers der Inschrift zufolge daher gleich zu Hause bleiben. Mit der Möllenbecker Inschrift stimmt die Inschrift der Lüneburger Schweigerose nur in dieser Zeile wörtlich überein, die danach der bleibe zu hause vnd kom · hie selten gelautet hat.

Anmerkungen

  1. 2.DWB, Bd. 14, Nr. 8 unter dem Stichwort ‚Rose‘, Sp. 1179f.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 626 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0062601.