Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 315† St. Johannis 1536

Beschreibung

Epitaph des Gregor Tilitz. Die Ausführung der Inschrift auf einem Epitaph ist bei Sagittarius bezeugt, der unter Hinweis auf die Versgrabschrift bei Lossius nur vermerkt: sepultus est in templo S. Johannis, ubi ejus Epitaphium superat – a Lossio allatum.1)

Inschrift nach Lossius, Lunaeburga.2)

  1. AD LECTOREMHac etiam parua Lector cognosce tabellaCarus qui cunctis uixit in vrbe uirumQui sua defunctus populi Patrumque doloreHoc posuit templi leniter ossa soloHic fuit eximius Tilitz Gregorius vrbisGrammatei summi munera summa gerensHunc dedit insignem magna uirtute colendumVrbs cerui montis nomine dicta uirumDoctrina Legum lingua bonus utilis vrbiConsilijs fidus consilijsque ualensInclyta cum premitur magnis vrbs clara periclisEt spes iam Patribus nulla salutis adestPraesidio Domini solo seruatur et auctaFloret consilijs statque manetque bonisVir fuit insignis docta pietate fidequeMoribus in vitae fulsit in ore decusHic placide exspirans Tilitzius vrbis amatorLunae sic sanctas extulit ore precesInclyta diuino nunc Lunaeburga ualebisPraesidio florens consilijsque diuHanc tu consilijs neptes serosque nepotesQui tua sancta colent dogmata Christe regeHaec ubi fecisset Tilitz pia uota precandoExhalans animam coelica regna petit

Übersetzung:

An den Leser: Auf dieser freilich kleinen Tafel lerne du, Leser, einen Mann kennen, der allen in dieser Stadt lieb war und der nach seinem Tod, vom Volk und vom Rat betrauert, im Boden dieser Kirche sanft seine Gebeine niederlegte. Das war der hervorragende Gregor Tilitz, der das höchste Amt des obersten Stadtschreibers bekleidet hat. Diesen ausgezeichneten Mann, der wegen seiner großen Tüchtigkeit zu verehren ist, brachte die Stadt hervor, die nach dem Hirschberg benannt ist. Er, der sich durch Kenntnis der Rechte und durch seine Sprache hervortat, war unserer Stadt nützlich, in seinen Entscheidungen verlässlich und stark in seinem Rat, als die berühmte und glanzvolle Stadt von schweren Gefahren bedrückt wurde und bei den Räten keine Hoffnung auf Rettung mehr bestand. Allein durch den Schutz des Herrn wurde sie errettet, sie wuchs und blühte und war und bleibt in gut beratener Verfassung. Tilitz war ein Mann, der sich durch gelehrte Frömmigkeit und durch Verlässlichkeit auszeichnete, in dessen Lebensweise und in dessen äußerer Erscheinung der Glanz von Würde lag. Als Tilitz, dieser Freund seiner Stadt Lüneburg, sanft entschlief, sprach er folgendes heilige Gebet: „Leb nun unter dem Schutz Gottes wohl, berühmtes Lüneburg, und blühe lange durch glückliche Entscheidungen. Lenke du, Christus, mit deinem Rat diese Stadt und die künftigen Enkelinnen und Enkel, die deine heiligen Lehren ehren werden.“ Nachdem Tilitz diese frommen Wünsche im Gebet ausgesprochen hatte, hauchte er seine Seele aus und strebte zum himmlischen Reich empor.

Versmaß: Elegische Distichen.

Kommentar

Ieorius Theliß aus Hirschberg (heute Jelenia Góra, Niederschlesien/Polen) immatrikulierte sich im Wintersemester 1496 an der Universität Leipzig.3) Als Georius Thilitz ist er im Wintersemester 1502 ebenfalls in die Leipziger Matrikel eingetragen, als er den Titel eines Baccalaureus erwarb.4) Seit 1531 stand Tilitz im Dienst der Stadt Lüneburg, am 4. Juli 1531 wurde er als Ratsschreiber vereidigt, im Januar 1533 legte er den Diensteid als Protonotar der Stadt ab.5) Gregor Tilitz verfasste eine Denkschrift zu den Vorgängen im Zusammenhang der von Urbanus Rhegius veranlassten Disputation über die Durchführung der Reformation am 24. September 1532.6) Die von Lucas Lossius (zu dessen Biographie vgl. Nr. 541) verfasste Versgrabschrift enthält wie die Grabschrift für den Propst Johannes Koller (Nr. 318) ein Gebet, in dem der Sterbende in wörtlicher Rede eine Fürbitte für die Stadt und deren Bürger ausspricht. Die schweren Gefahren, in denen Tilitz der Stadt nach Lossius so entscheidend beigestanden hat, können sich nur auf die Durchführung der Reformation beziehen. Allerdings ist nicht überliefert, dass Tilitz in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle gespielt hätte; hierbei dürfte es sich eher um eine poetische Übertreibung im Rahmen des allgemeinen Totenlobs gehandelt haben.

Anmerkungen

  1. Sagittarius, Historia, Ex. Göttingen, p. 287.
  2. Die literarische Version in Lossius, Epitaphia, mit kleinen Abweichungen, das letzte Distichon fehlt dort.
  3. Matrikel Leipzig, Bd. 1, S. 415.
  4. Matrikel Lepizig, Bd. 2, S. 392.
  5. StA Lüneburg, UA b: 1531 Juli 4; UA b: 1533 Januar 13.
  6. Überliefert in einer Sammelhandschrift der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Aug. 2°, Cod. Guelf. 28.10., fol. 274–290: Handelunge zwischen einem erb. Rath, Doctore Vrbano Rhegio vnd der Bürgerschaft der Stat Lunaeborch wegen der ordination religionis vnd Disputation mit den Papisten darselbest. Anno 1532.

Nachweise

  1. Lossius, Lunaeburga, S. 38.
  2. Lossius, Epitaphia, [p. 10f.] mit Abweichungen.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 315† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0031508.