Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 1 Hannover, Museum August Kestner Mitte 10. Jh.

Beschreibung

Elfenbeintafel aus einem Reliquiar in Form eines Kastens.1) Das Reliquiar gehört zum ursprünglichen Bestand der Goldenen Tafel in St. Michaelis und stand unten im vierten Fach von links.2) Die Elfenbeintafel ist heute aus dem sie umgebenden Kasten entfernt. Sie bildete ursprünglich den linken Flügel eines Diptychons. Die Außenseite vergoldet, die Innenseite mit Spuren von Vergoldung und roter Farbe. Auf der Außenseite in flachem Relief ein mit Rosetten und Nodi verziertes vergoldetes Kreuz. Um den Schnittpunkt der Kreuzarme angeordnet die eingeschnittenen Buchstaben der Inschrift A. Den Rahmen bildet eine Leiste mit vergoldetem Rundstab. Die Innenseite ist durch einen ornamentierten Horizontalsteg in zwei gleich große vertiefte Felder geteilt, darin oben eine Kreuzigungsgruppe, über den Enden des Kreuzbalkens jeweils die Halbfigur eines Engels. Unter dem Kreuzbalken links und rechts die Inschriften B und C eingeschnitzt, zwischen den Engeln und dem Kopf Christi die senkrecht angeordneten Buchstaben der Inschriften D und E. Das untere Feld zeigt die Kreuzabnahme mit der eingeschnitzten Beischrift F oben links und rechts des Kreuzes.

Maße: H.: 22,8 cm; B.: 11,9 cm; Bu.: 0,4 cm (A), 0,3 cm (B, C), 0,2 cm (D, E), 0,25 cm (F).

Schriftart(en): Griechische Majuskeln.

Kestner-Museum Hannover Fotograf: Christian Tepper [1/1]

  1. A

    Ι(ΗCΟΥ)C // Χ(ΡΙCΤΟ)C // ΝΙ//ΚΑ

  2. B

    ΙΔΕa) Ο Υ(ΙΟ)C / CΟΥb)3)

  3. C

    ΙΔΟΥ Η Μ(ΗΤΗ)Ρ / CΟΥb)4)

  4. D

    ΜΙΧΑΗΛ

  5. E

    ΓΑΒΡΙΗΛ

  6. F

    Η ΑΠΟΚΑ//ΘΗΛΩCΙCc)

Übersetzung:

Jesus Christus siegt. (A)

Siehe, das ist dein Sohn. (B)

Siehe, das ist deine Mutter. (C)

Michael. (D)

Gabriel. (E)

Die Kreuzabnahme. (F)

Kommentar

Die Elfenbeintafel passt zu einer gleichartigen Tafel, die die Erscheinung Christi vor den Frauen und seine Höllenfahrt zeigt und sich heute in Dresden im Grünen Gewölbe befindet. Das Diptychon stammt aus Byzanz. Nach Goldschmidt/Weitzmann gehört es zu einer Gruppe von Elfenbeinskulpturen, die von ihnen als ‚Romanos-Gruppe‘ bezeichnet wird und in ihren Hauptstücken um die Mitte des 10. Jahrhunderts in Byzanz selbst entstanden ist.5) Stuttmann deutet als „verlockende“ Möglichkeit an, dass das Relief wie auch andere Gegenstände der Goldenen Tafel durch die Wallfahrt Heinrichs des Löwen 1170–1172 nach Lüneburg gekommen ist. Belegen lässt sich dies jedoch nicht.6)

Textkritischer Apparat

  1. Ιδου Marenholtz.
  2. Υ über Ο gestellt.
  3. αποκαθηλεισις Marenholtz, απουαθηλωσις Gebhardi.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. WM XXIa 44b.
  2. Zeichnung der gesamten Goldenen Tafel: Gebhardi, Collectanea, Bd. 6, p. 461.
  3. Io. 19,26.
  4. Nach Io. 19,27.
  5. Adolph Goldschmidt/Kurt Weitzmann, Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen des X.–XIII. Jahrhunderts. Bd. 2: Reliefs. Berlin 1934, S. 37, Nr. 40 u. 41.
  6. Stuttmann, Reliquienschatz, Nr. 1, S. 35–38.

Nachweise

  1. Gebhardi, Collectanea, Bd. 5, p. 210 (ergänztes Verzeichnis Marenholtz 1766, gedr. bei Stuttmann, Reliquienschatz, Anhang II, S. 117) (B–F).
  2. Marenholtz, Verzeichnis Güldene Tafel, p. 13 (B–F).
  3. Mithoff, Kunstdenkmale Fürstentum Lüneburg, S. 165 (B–E). – Adolph Goldschmidt/Kurt Weitzmann, Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen des X.–XIII. Jahrhunderts. Bd. 2: Reliefs. Berlin 1934, S. 37, Nr. 40 (F).
  4. Stuttmann, Reliquienschatz, S. 35f., Nr. 1.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 1 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0000101.