Inschriften: Santa Maria dell’Anima

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 3: Santa Maria dell’Anima, Rom (2012)

Nr. 60† Santa Maria dell’Anima (1507), 1514

Beschreibung

Grabplatte für den Propst und Rotanotar Dr. Eberhard Kadmer aus Hollfeld, ehemals im Boden vor dem Eingang zum Chor1), heute verschollen. Zwischen der vierten und fünften Zeile von unten war ein Wappen eingefügt.

Nach Gualdi.

  1. D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) / EBERARDO KADMERa) IVRIS CONS(VLTO) / S(ANCTI) GANGOLPHIIb) BAMBERGEN(SIS) / PREPOSITO ET AVGVSTEN(SIS) ECCLES(IARVM) / CANONICO A NOTANDIS GESTIS / SCRIBENDISQ(VE) ET DICTANDIS / LITERIS APOST(OLICIS) CVI MVLTVM / ROMA PLVS DEBET NORIMBERGA / DOLENTES AMICI POSVERE / VIXIT AN(NOS) LXV M(ENSES) X D(IES) XX / OBIIT AN(NO) MDVII D(IE) I IAN(VARII) // EXECVTORES TEST(AMENTI) EX EDE / DIVI PETRI OSSA EXHVMATA / HVC TRANSTVLERE AN(NO) MDXIIII D(IE) XXX / M(ENSIS) IVL(II)

Übersetzung:

Dem besten größten Gott (geweiht). – Für den Rechtsgelehrten Eberhard Kadmer, Propst von St. Gangolf bei Bamberg und Domherrn von Augsburg, Notar, Schreiber und Verfasser von apostolischen Briefen, dem Rom viel und Nürnberg mehr schuldet, haben die trauernden Freunde (dies) setzen lassen. Er lebte 65 Jahre, zehn Monate und zwanzig Tage. Er starb im Jahr 1507 am 1. Januar. – Die Testamentsvollstrecker haben seine Gebeine aus der Peterskirche exhumieren und hierher überführen lassen im Jahre 1514 am 30. Tag des Monats Juli.

Wappen:
Kadmer2).

Kommentar

Eberhard Kadmer3) wurde am 29. Februar 1441 in Hollfeld (Lkrs. Bayreuth) geboren. Von 1488 bis 1493 als Notar an der Rota nachweisbar und ab 1495 als „decretorum doctor“ bezeichnet, fungierte er ab 1498 als päpstlicher Kanzleischreiber und Abbreviator. Kadmer war Mitglied der Bruderschaft und und hinterließ der Anima eine bestimmte Summe für sein Begräbnis. Er verstarb 1507, wurde aber zunächst in Alt-St. Peter beigesetzt und erst im Jahr 1514 (nachdem im Jahr 1512 das Geld ausbezahlt worden war) nach Fertigstellung der neuen Kirche aus seinem vorläufigen Begräbnis exhumiert und über den Campo Santo Teutonico in die Anima überführt4). Die Anspielung auf seine Verdienste für Nürnberg bleibt dunkel. Ein zweites Grabdenkmal für den Verstorbenen, ein Kenotaph mit einer Pietà-Darstellung, befindet sich im Westflügel des Augsburger Domkreuzgangs5). Neben seinen inschriftlich genannten Würden besaß er zahlreiche weitere Pfründen, etwa Vikarien zu Würzburg und Bamberg sowie die Propstei St. Paul zu Halberstadt.

Textkritischer Apparat

  1. KADMEN Galletti.
  2. GANDOLPHI Forcella.

Anmerkungen

  1. Lib. Mort. fol. 5v.
  2. Springender gehörnter Ziegenbock auf einer Wiese (so Gualdi).
  3. Vgl. zum Folgenden Lib. Confr. 89f., Noack, Deutschtum 2, 296, Kist, Matrikel Nr. 3097, Frenz, Kanzlei Nr. 615 und Schuchard, Rotanotare 812 Anm. 43.
  4. Vgl. dazu Schmidlin 344.
  5. Vgl. dazu Chevalley, Dom zu Augsburg 479f. mit Abb.711.

Nachweise

  1. Chacon, Romanas Epitafios fol. 218.
  2. Schrader, Mon. Italiae fol. 146v-147r.
  3. Galletti Nr. 147.
  4. Gualdi (B) fol. 367r-v.
  5. Forcella 3 Nr. 1070.
  6. NN., Inschriften fol. 336.

Zitierhinweis:
DIO 3, Santa Maria dell’Anima, Rom, Nr. 60† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0006003.