Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 137† Murrhardt, Kloster St. Januarius, neue Abtei (1528)

Beschreibung

Glasfenster und Wandmalereien mit Darstellung von Klosterstiftern und –wohltätern und mit erläuternden Beischriften1, nähere Ausführung nicht bekannt; offenbar mindestens drei verschiedene Szenen.

Wortlaut nach dem Roten Buch des Klosters Murrhardt.

  1. Carolus Magnus, parens huius fundatoris primus est Germanus Imperator Augustus ordinatus Anno 800.Hildegardis uxor ejus ex Prosapia Suevorum.

    Ludovicus pius Caesar Augustus Creatus anno Christi 8152) Beato Walterico Eremitaa) Locum hunc Murrhart fundavit Anno 817. Privilegiis et censibus dotavit.Juditha uxor eius ex Gwelphoneb) familiac).

    Anno Christi 906 Nobilis Matrona nomine Deddida Comitissa, Sancto Januariod) praedium Bottwar cum pratis et agris et omnibus censibus cum omni jure praebuit.

Übersetzung:

Karl der Große, der Vater dieses Stifters, ist als erster zum deutschen Kaiser geweiht worden im Jahr 800. Hildegard, seine Frau aus schwäbischem Geschlecht. – Ludwig der Fromme, zum Kaiser gekürt im Jahr Christi 815, hat dem seligen Einsiedler Walterich diesen Ort Murrhardt gegründet im Jahr 817. Er hat ihn mit Privilegien und Einkünften ausgestattet. Judith, seine Frau aus der Familie der Welfen. – Im Jahr Christi 906 hat eine edle Dame namens Deddida, eine Gräfin, dem hl. Januarius das Gut Bottwar mit Wiesen, Äckern und allen Einkünften mit aller Verfügungsgewalt überlassen.

Kommentar

Die Malereien scheinen – folgt man den Angaben des Roten Buchs des Klosters Murrhardt – im gleichen Jahr entstanden zu sein wie das Wappenfenster in der alten Abtei (nr. 136 †). Den Beischriften zufolge dürfte es sich um einen Zyklus von mehreren Stifter- bzw. Stiftungsbildern gehandelt haben.

Karl der Große hatte keine näheren Beziehungen zu Murrhardt, er erscheint hier lediglich als Vater des Klosterstifters. Ludwig dem Frommen, der in enger Verbindung mit dem Gründerabt Walterich stand3, wurde in der Klosterkirche ein Stiftergrab errichtet (vgl. nr. 25).

Die als Stifterin aufgeführte Deddida, die sonst in den Quellen Dedda genannt wird, gehört offenbar in den Umkreis der Sippe Waltriche4. Die Schenkung vom 19. August 906 ist auch in den Murrhardter Traditiones überliefert5. Dedda ist am 6. September desselben Jahres gestorben und wurde in der Marienkirche auf dem von ihr gestifteten Gut Bottwar (Großbottwar, LKr. Ludwigsburg) beigesetzt6.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Wohl verschrieben für Gwelphonis oder Gwelphonum.
  3. Der folgende Hinweis: Mentio etiam fit Annae, Ludovici pii uxoris ist sicherlich keine wörtliche Wiedergabe der Inschrift.
  4. Der folgende Einschub: scilicet huius Monasterii patrono sicher erst eine Zufügung des Kopisten.

Anmerkungen

  1. Rotes Buch des Klosters Murrhardt 21: in Fenestris et parietibus Monasterii picta sunt in der vorigen Abtey. Demnach war ein Teil der Bilder auf die Wand, ein Teil auf die Fenster oder auf die Fensterlaibungen gemalt, das gleiche gilt für die Inschriften.
  2. Statt 814.
  3. Vgl. Fritz, Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter 37–40.
  4. Ebd. 54.
  5. Ebd. 122, 125f.
  6. Grabschrift kopial überliefert, vgl. ebd. 54 Anm. 247 sowie ausführlich DI 25 (Ludwigsburg) nr. 1 † ; der zumindest teilweise spätmittelaterliche Text des Stiftergrabes macht aus Dedda eine Stauferin. Vgl. dazu auch das „Stauferwappen“ auf dem Stiftergrab Ludwigs des Frommen in Murrhardt (nr. 25).

Nachweise

  1. Rotes Buch des Klosters Murrhardt 20v–21.

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 137† (Harald Drös, Gerhard Fritz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0013703.