Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 68 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1480

Beschreibung

Grabplatte für Angehörige der Bruderschaft oder Zunft der Weber. Ursprünglich im nördlichen Nebenchor im Boden unter dem Gestühl; nach 1945 am Chor außen auf der Südseite; 2002 Aufstellung im Westbau an der Nordwand geplant. Rechteckplatte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, beginnend links oben im oberen Drittel der Platte, endend auf der rechten Längsseite oberhalb der Mitte. Im Feld Wappen in Ritzzeichnung. Querlaufender Bruch mit Verletzungen, Oberfläche blättert ab.

Maße: H. 221,5, B. 94, Bu. 5–6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. Anno · d(omi)ni · / M · cccclxxx · begreb/nis · der weber ·

Wappen:
Zunftwappen der Weber1.

Kommentar

Offenbar handelt es sich bei der Grabplatte um die Deckplatte eines gemeinsamen Bestattungsortes für Angehörige der Zunft oder einer Bruderschaft der Weber2. Die Bruderschaft der Tucher und Weber ist seit 1469 in Pforzheim belegt3.

Die Inschrift ist also keine Sterbe-Inschrift für eine bestimmte Person, sondern eine Art Grabtitel für eine Handwerkergruppe.

Anmerkungen

  1. Kammlade über schräggelegtem Fachbogen als Handwerkszeug der Wollweber; vgl. dazu Azzola, Friedrich Karl, Der Fachbogen und die Kammlade auf Schlußsteinen im Kreuzgang der ehemaligen Dominikanerkirche St. Blasius als historische Handwerkszeichen der Regensburger Wollschläger und Tuchmacher. In: Verhandlungen des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 131 (1991) 67–71 mit Abb. 1–30.
  2. In Weil der Stadt lassen sich ähnliche Grabplatten für bestimmte Handwerkergruppen nachweisen; vgl. DI 47 (Böblingen) nrr. 49, 76, 109.
  3. Pflüger 1862, 160. – Daneben gab es die Bruderschaften der Bäckerknechte 1423, der Schneider 1410, der Weingärtner 1491, der Zimmerleute 1509 und der Schuhmacher 1529. Zur Tätigkeit und zu den Zielen spätmittelalterlicher Bruderschaften vgl. Olaf Schulze (wie unten) 15–68.

Nachweise

  1. Trost, Schloßkirche 1962, 68 nr. 15, 77.
  2. Schulze, Olaf, „Niemant ist berechtigt solche aufzuheben“. Die Geschichte der Löblichen Singergesellschaft von 1501. In: Ängste und Auswege 1, 2001, 27–29 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 68 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0006801.