Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 57† Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1449 oder kurz danach

Beschreibung

Fragment einer Grabplatte für Hans von Remchingen. Bis zur Kriegszerstörung 1945 in der Kapelle von 1487; Kriegsverlust. Gestaltung unbekannt. Vermutlich hochrechteckige Platte mit Umschrift. Im Feld Wappen.

Inschrift nach KdmBadenIX/6.

Maße: H. 180, B. 82 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. [– – –] hans [. . . . . . . / .] dez . altten . vogtz . sun . von . remchingen [– – –]

Wappen:
Remchingen.

Kommentar

Stammsitz der Remchingen war eine Burg bei Wilferdingen (Gde. Remchingen, Enzkreis)1. Die fragmentarisch überlieferte Inschrift sagt aus, daß es sich bei der verstorbenen Person um einen Hans von Remchingen handelte, der ein Sohn des alten (d. h. ehemaligen, nicht mehr im Amt befindlichen) Vogts gewesen sei. Unter dem „alten Vogt“ könnte hier Reinhard von Remchingen zu verstehen sein, der als Vogt von Pforzheim im Jahr 1395, 1399 und 1402 nachweisbar ist und der 1429 ebenfalls in der Schloßkirche bestattet wurde2. Reinhards Söhne Wilhelm und Hans müssen 1422 erwachsen und geschäftsfähig gewesen sein. Hans übernahm hohe politische Ämter; 1430 war er badischer Vogt und Amtmann zu Besigheim, 1432 und 1433 Hofmeister; er wird 1449 zum letztenmal erwähnt3. Von diesem Jahr an ist sein Schwiegersohn Johannes von Yberg († 1462) im Amt des Hofmeisters, also offenbar als sein Amtsnachfolger, bezeugt4. Die Identifizierung von Hans, dem Sohn des „alten“ Vogts, mit dem badischen Vogt zu Besigheim scheint eindeutig. Daraus ergibt sich für die Datierung des vorliegenden Fragments eine Ansetzung auf 1449 oder bald danach. In Pforzheim ist Hans von Remchingen urkundlich nicht nachweisbar, doch deutet die Bestattung in St. Michael auf seine enge Beziehung zum markgräflichen Hof und auf den mehrfach nachweisbaren Hausbesitz der Remchingen in dieser Stadt5. Da es sich um das Bruchstück einer Grabplatte handelt, ist auszuschließen, daß die Platte zuletzt in situ lag.

Anmerkungen

  1. Neu vergebener Gemeindename seit 1973; vgl. AmtlKreisbeschreibung V 576.
  2. Vgl. nr. 41, ferner Carl, Regesten Pforzheim 1998, 103 nr. 212.
  3. RMB I nrr. 3676, 4105, 4301, 4344.
  4. Johannes von Yberg durchlief eine glanzvolle Karriere in badischen Diensten bis zum Landhofmeister (1452) und Landvogt (1453); zu den einzelnen Stationen vgl. zahlreiche Einträge in RMB I, III, IV, Register (Stichwort Hans von Iberg). Zu seinem Grabmal vgl. DI 25 (Ludwigsburg) nr. 91.
  5. Zum Hausbesitz der Remchingen wechselnde Angaben: Lammstr. 3/5, Schulstr. 8, Reuchlinstr. 5; vgl. Trost, Adelssitze 1961, 107, 133f. – Haus am Viehmarkt; vgl. KdmBadenIX/6, 378. – Siehe zuletzt: Haag/Bräuning, Stadtkataster 2001, 130, 139.

Nachweise

  1. KdmBadenIX/6, 146 nr. 10.
  2. Trost, Schloßkirche 1962, 36, 74.
  3. Bickel, Remchingen 1993, 106, Stammtafel S. 56.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 57† (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0005708.