Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 463 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1630

Beschreibung

Grabplatte des Pfarrers Ulrich Junius. Im Langhaus, rechts neben dem Marienaltar im Boden. Roter Sandstein, ursprünglich mit Metallauflagen. Umschrift (A) zwischen Linien; im Feld oben eine querovale Schriftkartusche (B) mit Roll- und Beschlagwerkrahmen in hohem Relief; darunter die eingeritzten Umrißlinien eines Kelchs und eines winzigen Wappenschilds untereinander. Die früher hier mit zwei bzw. einem Dübel befestigten Metallauflagen fehlen. Das linke untere Viertel der Umschrift (A) und Inschrift (B) sind weitgehend abgetreten.

Ergänzungen in (B) nach dem Bibeltext der Vulgata.

Maße: L. 179, B. 87,5, Bu. 2,6 (A), 1,9 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    ANNO DOMINI · 1 · 6 · 30 · DIE · 30 · MENS(IS) / OCTOBR(IS) HORAM CIRCITER · 9 · MATVTINAM ANNO AETATIS · [. . .] · PLACID(E) OBDORMIVIT / REV(ERENDVS) ET DOCTIṢṢ(IMVS) VIR D(OMI)N(V)Ṣ [V]ḶṚ[ICV]Ṣ IṾNỊ[VS / . . . . . . . . . . . . . . .]ẠṬỊ P̣Ṛ[.]Ẹ[. . .]ẠṆṢa) ẠD ANNOS 27 C̣VSb) AETERNVM BENE SIT.c)

  2. B

    [– – –/ CO]ṆVER[TERE] Ạ[NIMA MEA IN / REQV]IEM [TVAM QVIA DOMINVS / BENEF]ECIT ṬI[B]I [Q]VI[A ERIP]VI[T / AN]IṂẠṂ MEAM DE MO[RTE OCVLOS / M]EOS A LACHRI[M]ỊṢ [P]ED[ES / ME]OS A LAP̣SV AMBV[L]AḄ[O / CO]RAM D[OMINO] IN [TER/RI]Ṣ VIṾ[ENTIVM]1)

Übersetzung:

Im Jahr 1630 am 30. Oktober gegen 9 Uhr morgens ist im Alter von (. .) Jahren sanft entschlafen der ehrwürdige und hochgelehrte Mann Herr Ulrich Junius (…), der 27 Jahre lang (…). Ihm möge es ewig gut gehen! – Beruhige dich wieder, meine Seele, denn der Herr tut dir Gutes. Denn er hat meine Seele dem Tod entrissen, meine Augen den Tränen und meine Füße dem Ausgleiten. Ich will wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebenden.

Datum: 9. November 1630 n. St.

Kommentar

Ulrich Junius (Jung) ist 1562 in Schwabach geboren2. Er studierte in Altdorf (imm. 1584), war zunächst Tertius, ab 1586 Kaplan in seiner Heimatstadt, wurde 1590 Vikar in Wallenrod3 und 1592 Hof- und Stiftskaplan in Ansbach, bevor er im August 1603 auf die Creglinger Pfarrei wechselte. In den Creglinger Kirchenbüchern wird er als Kapitelssenior bezeichnet4. Auch die Grabplatte seiner 1619 gestorbenen Frau Euphemia ist in der Herrgottskirche erhalten (nr. 426).

Textkritischer Apparat

  1. Vom Zusammenhang her würde PRAESTANS passen, was sich aber nur schwer mit den spärlichen Schriftresten vereinbaren läßt.
  2. So statt CVI?
  3. In der Fürbittformel sind keine Kürzungszeichen erkennbar. Der Sinn ist nicht eindeutig, vielleicht hat der Steinmetz versehentlich Teile des Textes weggelassen; vgl. nr. 495: CVIVS MEMORIA AETERNVM BENEDICTA SIT o. ä.

Anmerkungen

  1. Ps(G) 114, 7–8; Ps(H) 114, 9.
  2. Alle Angaben nach Pfarrerbuch Württ. Franken 2, 208f. nr. 1218.
  3. Wallenrod, Stadt Lauterbach (Hessen), Vogelsbergkreis?
  4. Mägerlein 313.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 463 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0046301.