Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 196 Wachbach (Stadt Bad Mergentheim), ev. Pfarrkirche (1565/66), 1585, 1600

Beschreibung

Epitaph für Georg Sigmund von Adelsheim und seine ersten beiden Frauen Dorothea geb. von Heßberg und Ursula geb. von Hutten. An der Chorostwand. Hohe schmale Ädikula aus rotem Sandstein. Im pilastergerahmten Giebelfeld drei Vollwappen, auf den Pilastern die vier Ahnenwappen Georg Sigmunds; in der von Pilastern eingefaßten Hauptzone oben Gnadenstuhl-Relief, darunter fast lebensgroß im Gebet kniend links auf einem liegenden Löwen der Ritter im Harnisch, hinter ihm der offene Helm, rechts die beiden Frauen; der Hintergrund ist als Brokatmuster gestaltet; auf den Pilastern je vier Ahnenwappen untereinander: heraldisch rechts die der Dorothea von Heßberg, links die der Ursula von Hutten. Im von Voluten eingerahmten Sockel befinden sich die – vermutlich eingehauenen – Sterbeinschriften (A, B, C). Reste farbiger Fassung; unteres Gesims teilweise abgebrochen; Sockel mit Inschrift durch das Gestühl unzugänglich verdeckt.

Wortlaut nach Schönhuth, Freiherren von Adelsheim1.

Maße: H. (ohne den verdeckten Sockel) 265, B. 120 cm.

Schriftart(en): Fraktur?

  1. A

    Anno 1600 den · 3 · Januarij starb der Edel und Vesta) Georg Sigmundtb) von Adelzheim der Seel Gott gnad Amen

  2. B

    Anno 1564 den 25.c) Augusti starb die edel und tugendhafftd) Fraw Dorothea von Adelzheime) geborne von Heßberg der Seel Gott gnad Amenf)

  3. C

    Anno 1585 den [. . .]g) verschied die edel und tugenthaftd) Frawh) Ursula von Adelzheime) geborne von Hutten der Seel Gott gnad Ameni)

Datum: 13. Januar 1600 n. St.

Wappen:
in der Mitte Adelsheim, rechts Heßberg, links Hutten;
Ahnenwappen oben:
AdelsheimGebsattel
RüdtStiebar von Buttenheim;
Ahnenwappen rechts: Heßberg, Crailsheim, Seckendorff, Seckendorff;
Ahnenwappen links: Hutten, Selbitz2, Ebersberg gen. Weyers3, Lichtenstein4.

Kommentar

Georg Sigmund von Adelsheim ist der älteste Sohn Stefans d. J. von Adelsheim zu Wachbach aus der ersten Ehe mit Barbara von Gebsattel. Er war 1558–1594 würzburgischer Amtmann zu Röttingen und Reichelsberg5. Auf ihn geht der Schloßneubau in Wachbach zurück (vgl. nr. 290). Georg Sigmund war viermal verheiratet. Das Grabmal entstand nach dem Tod der ersten Frau; die Todesdaten oder die gesamte Sterbeinschrift Georg Sigmunds und seiner zweiten Frau (A, C) sind erst nachträglich eingefügt worden. 1586 heiratete der Adelsheimer Christina Knebel von Katzenelnbogen († 1588) und 1589 schließlich Maria Reiprecht von Büdingen († 1602). Die Wappen aller vier Frauen sind am Schloßportal (nr. 290) und auf der Grabplatte Georg Sigmunds (nr. 322) abgebildet.

Ausführender Bildhauer war Veit Baumhauer aus Würzburg. Der Akkord vom 2. Juli 1565 für das Epitaph und für die Grabplatte der Dorothea von Heßberg (nr. 195) ist abschriftlich überliefert6.

Textkritischer Apparat

  1. Ernvest Bauer.
  2. Sigmund Bauer.
  3. 27 Bauer.
  4. Tvgenthafft Bauer.
  5. Adeltzheim Bauer.
  6. Amen fehlt Bauer.
  7. den fehlt Bauer; zwischen 1585 und verschied Lücke für 4–5 Buchstaben.
  8. Fraw fehlt Bauer.
  9. A(men) Bauer.

Anmerkungen

  1. Varianten nach der Zeichnung von B. Bauer in Schönhuth, Grabmal Georg Sigmund’s (zit. als „Bauer“).
  2. Hier 3mal statt 4mal geteilt. Die Zuordnung ist aber eindeutig. Ursula von Hutten war eine Tochter Wilhelms von Hutten zu Birkenfeld (Lkr. Haßberge) aus dessen zweiter Ehe mit Anna von Selbitz, nicht, wie Biedermann, Baunach, tab. LXXXIII behauptet, aus erster Ehe mit Eva von Heßberg; vgl. auch den in Anm. 6 zitierten Akkord sowie die Ahnenwappen auf der Grabplatte für Ursulas Tochter Amalia Helena von 1629 in Rentweinsdorf: DI 17 (Haßberge) nr. 396 mit Richtigstellung der Angaben bei Biedermann.
  3. Lilie.
  4. Stammsitz Lichtenstein, Stadt Ebern, Lkr. Haßberge; Wappen: im Zahnschnitt geviert.
  5. Biedermann, Ottenwald, tab. CXC; Bengel, Wachbach 57.
  6. OrtsA Wachbach, 1/1, 66 (freundlicher Hinweis von Frau Anita Bengel, Wachbach): „… Nemblich soll gedachter Veitt Paumhauer … vff den auffgerichten grabstein machen die heylig Trinitet, ein knieende Mansperson mit einem Kiras, vnnd vff der anndern seitten zwai weibsbilder, zu der hindern ein kleins kindlein, welches ein Kneblein sein soll. Auch zu jder (!) frauen ein kleins schilltlein, zu der fordern das Huttisch vnd zu der hindern das Heßbergisch wappen. Auch vff baiden seitten deß Steins baider frauen vier Annaten. Nemblich vff der Rechten oben Heßberg, Crailsheim, Seckhendorff vnnd wider Seckhendorff, vnnd vf der linckhen seitten Hutten, Selwitz, Weyhers vnnd Liechtenstein. Dann auch oben im Pogenstückh mitten innen drey wappen, als vornnen an Heßberg, inn der mitt Adeltzheim, vnnd hinden Hutten mit Schildt vnd Helm. Vnnd dann vff die bede Seyl gedachts Pogenstückhs Mein Jorg Sigmundts Vier Annatten, nemblich vff der rechten Adeltzheim, Rüd, vnnd vff der linckhen seitten Gebsatel vnnd Stieberisch wappen …“. Die Vorgaben des Vertrags wurden von Baumhauer mit geringfügigen Abweichungen umgesetzt.

Nachweise

  1. Schönhuth, Freiherren v. Adelsheim 36f.
  2. Ders., Grabmal Georg Sigmund’s 128–130 (m. Abb.: Zeichnung von B. Bauer).
  3. OAB Mergentheim 753 (nach Schönhuth).
  4. Bengel, Ev. Kirche 14 (nach Schönhuth), 15 (Abb.).
  5. Dies., Wachbach 196 (nach Schönhuth), Abb. 7.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 196 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0019604.