Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

G1, Nr. 33a† Brunshausen, Klosterkirche St. Bonifatius 1553

Beschreibung

Totenschild für Johann Stopler. Der in der Überlieferung als Tafel bezeichnete Totenschild zeigte neben der Inschrift noch das Wappen des Verstorbenen genau wie die im selben Kontext überlieferten Schilde für Cord von Gremsleben (Nr. G35a) und für Christoph von Hamstedt (Nr. G50a).1)

Inschrift nach StAW 2 Alt Nr. 15047.

  1. Anno Dom(ini) 1553 Montags nach Catharina2) ist in Gott verscheden der Ehren-vest und Hochgelahrte Johann Stopler, der Rechten Doctor und zu Wülüenbüttel in unser lieben Frauen-Kirche begraben, dem Gott Gnad.

Wappen:
Stopler3)

Kommentar

Johann Stopler4) wurde um 1495/1500 in Heidelberg geboren, studierte dort und wurde 1524 zum Magister und 1529 zum Lizentiaten der Rechte promoviert.5) Im Jahr 1533 wurde er Kanzler in Diensten des altgläubigen Herzogs Heinrichs d. J. von Braunschweig-Lüneburg. Stopler führte ganz wesentlich den publizistischen Streit des Herzogs mit der evangelischen Partei, vertreten durch Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen und Landgraf Philipp den Großmütigen von Hessen. Nach dem Sieg des Schmalkaldischen Bundes 1542 ging Stopler mit dem Herzog außer Landes nach Bayern und kehrte 1547 mit ihm zurück nach Wolfenbüttel. Auf ihn gehen die Modernisierung und systematische Ordnung des Wolfenbütteler Kanzleibetriebs zurück. 1553 wurde er mit dem Rittersitz Binder (heute Lkr. Wolfenbüttel) belehnt, dessen letzter Lehnsinhaber, ein Angehöriger der Familie von Linde, in der Schlacht bei Sievershausen gefallen war. Mit der Belehnung Stoplers hatte der Herzog allerdings seinen langjährigen Kammersekretär Johann von Hamstedt (vgl. den Kommentar zu Nr. G50a) übergangen, weil dieser, anders als Stopler, während der Verbannung des Herzogs nach dem Sieg des Schmalkaldischen Bundes 1542 in Wolfenbüttel verblieben war und dort mit den neuen evangelischen Herren zusammengearbeitet hatte. Daraus resultierte ein langanhaltender Streit um das Besitzrecht zwischen der Familie Stopler und den Erben des Johann vom Hamstedt.6) 1550 wurde Stopler fürstbischöflicher Kanzler in Hildesheim, blieb aber dem Herzogshof weiterhin verbunden. Er starb am 27. November 1553 in Wolfenbüttel und wurde dort in der Kirche Beatae Mariae Virginis begraben.

Johann Stoplers Karriere ist nicht untypisch für einen aus dem Bürgertum stammenden promovierten Juristen, der am Herzogshof wie ein Adliger behandelt wird, mit einem Rittersitz belehnt und damit informell in den Adelsstand erhoben wird.

Verheiratet war Stopler mit Margarete von Gremsleben, bei der es sich wahrscheinlich um die Schwester des 1561 verstorbenen Cord von Gremsleben (Nr. G35a) handelt, dessen Totenschild ebenfalls in der Kirche in Brunshausen aufgehängt war.

Anmerkungen

  1. StAW 2 Alt Nr. 15047, S. 5. – Den Hinweis auf diese Überlieferung verdanke ich meinem Kollegen Dr. Jörg Lampe.
  2. 27. November.
  3. Wappen Stopler (Rosette, überwölbt von einem Halbmond). Vgl. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Nr. 325 u. Nr. 458.
  4. Zum Folgenden vgl. Art. Johann Stopler in: Braunschweigisches Biographisches Lexikon, S. 680 (G. Drewes).
  5. Matrikel Heidelberg http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/matrikel1386/0001 (zuletzt benutzt: 21.10.2015): S. 522 Immatrikulation eines Johann Fabri (Stopler) Heidelbergensis am 14. April 1520, S. 554. Johann Stopler ist im Wintersemester 1532/33 Rektor der Universität Heidelberg und wird folgendermaßen tituliert: Johannes Stopler Rektor artium magistri et iurium licentiati.
  6. Vgl. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 267.

Nachweise

  1. StAW 2 Alt Nr. 15047, S. 5.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, G1, Nr. 33a† (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di096g017g10033a0.