Inschriftenkatalog: Landkreis Luwigsburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 25: Lkr. Ludwigsburg (1986)

Nr. 201 Marbach am Neckar, ev. Pfarrkirche St. Alexander 1510

Beschreibung

Grabplatte des Johannes Kretz. Im nördlichen Seitenschiff, an der Ostwand der vierten Seitenkapelle von links. Rechteckige Sandsteinplatte mit umlaufender Randinschrift zwischen eingehauenen Linien. Im Mittelfeld ist oben ein aus Bronze (?) gefertigtes Flachrelief eines Kelches eingelegt, unten sind die Umrißlinien eines Wappenschildes eingehauen. Die Inschrift ist zweisprachig; der deutsche Teil beginnt oben auf der rechten Randleiste, der lateinische rechts unten. Die Schriftfläche der Kopfleiste liegt tiefer als die der übrigen Leisten. Der Stein wurde bei einer Renovierung im Jahre 1928 aus dem Fußboden gehoben, er ist an den Rändern beschädigt; untere Leiste teilweise weggebrochen und mit Zementmörtel ergänzt (Buchstabenverlust).

Ergänzung nach Fiechter.

Maße: H. 178, B. 89, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. iara) · ischt · ourden gemacht diser stainb) · an[no / 1510 pr]idie k(a)l(endas) /· ianuarii · obiit · d(omi)n(u)s · johan(n)es · kretz · p(ri)missari(us) · ad / s(an)ct(um) · wendal(in)um ·

Übersetzung:

Im Jahr 1510, am Tag vor den Kalenden des Januar (31. Dezember), starb Herr Johannes Kretz, Frühmeßpriester an Sankt Wendelin.

Wappen:
Kretz

Kommentar

Die Wendelinskapelle beim Oberen Torturm wurde im Jahre 1433 von dem Marbacher Bürger Hans Schmied dem Reichen und seiner Ehefrau Beta (Elisabeth) Vischer gestiftet und mit einer Frühmeßpfründe ausgestattet, die bis zur Reformation bestand.1

Die deutschsprachige Inschrift dürfte ursprünglich auf der Kopfleiste mit einer Jahreszahl begonnen haben, welche die Anfertigung des Steines bezeichnete.2 Als sich zeigte, daß der Platz für das lateinische Formular nicht ausreichte, hat der Steinmetz die Zeile der Kopfleiste ausgeschabt und neu (mit dem Ende des lateinischen Textes) gemeißelt. So erklärt sich die Tieferlegung der Kopfzeile und die Verstümmelung des deutschen Textes. Die Anbringung des Bronzereliefs läßt auf Verwandtschaft mit nr. 199 schließen.

Textkritischer Apparat

  1. Die Inschrift beginnt mit der rechten Randleiste. – ourden für anordnen, bestellen? Oder worden?
  2. Ende des deutschsprachigen Teils.

Anmerkungen

  1. WürttReg. nrr. 10712, 10714, 10715.
  2. Vermutlich 1511 oder später.

Nachweise

  1. Fiechter, Grabungsakten Alexanderkirche Marbach, Nr. 9.

Zitierhinweis:
DI 25, Lkr. Ludwigsburg, Nr. 201 (Anneliese Seeliger-Zeiss und Hans Ulrich Schäfer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di025h009k0020101.