Die Inschriften des Landkreises Göppingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 41: Göppingen (1996)

Nr. 201 Süßen-Großsüßen, ev. Pfarrkiche (St. Ulrich) um 1515 (?)

Beschreibung

Drei Marienfiguren vom Heiligen Grab. Innen an der Langhaus-Ostwand, südlich vom Chorbogen in einer Nische aufgestellt. Ursprünglich außen an der Turm-Nordwand in einer Rundnische unter dem Ölberg; dort jetzt moderne Kopien1. Alle drei unterlebensgroßen Figuren aus rotem Sandstein. Die Frauen tragen langes Gewand, Mantel, Kopftuch und Haube und halten jeweils eine hohe becherförmige Pyxis in Händen; auf der Wandung der Salbgefäße zwischen Ritzlinien eingehauene Namenbeischriften. Die abgewitterten Figuren wurden in jüngerer Zeit restauriert, die Inschriften sind erheblich beschädigt.

Maße: H. 68 (I), 74 (II, III), Bu. 1,3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/4]

  1. I

    maria /salome

  2. II

    [ma]ria / makd[al]/ena) ·

  3. III

    maria / clefe2)

Kommentar

Die Oberlängen der Minuskel sind nur schwach ausgebildet. Auffällig ist das a, dessen oberer Bogen als feine Haarlinie weit nach links über die niedrige linke Haste hinausreicht und dessen Ende nach unten umbiegt, ohne die rechte Haste zu erreichen.

Die Figuren sollen von einem „bescheidenen Gehilfen“ der Adelberger Bildhauerwerkstatt stammen, die auch den Süßener Ölberg sowie die Ölberge in Adelberg und Börtlingen gefertigt hat3. Die Verbindung zu Adelberg erklärt sich dadurch, daß die Süßener Ulrichskirche (Patrozinium 1515 bezeugt) dem Kloster Adelberg seit 1346 inkorporiert war. Der Ölberg wird in die Spätzeit des älteren Meisters der Adelberger Werkstatt um 1515 datiert, die drei Marienfiguren dürften zur gleichen Zeit entstanden sein4.

Textkritischer Apparat

  1. Nach dem n folgt noch eine hochgestellte sehr kurze Haste. Die Stelle ist nicht zerstört, der Steinmetz hat also offenbar die Ausführung des letzten Buchstabens versäumt. Der abschließende Quadrangelpunkt ist durch Zierlinien paragraphförmig gestaltet.

Anmerkungen

  1. Grabchristus 1882 neu geschaffen.
  2. Kleophas.
  3. Vgl. Hummel, Adelberger Kunst 174. Noch strenger urteilt Deutsch, Adelberger Bildhauerwerkstatt 98, der im Bildhauer der drei Figuren „mit ihren linkischen Bewegungen und ihren dümmlichen Gesichtern“ eine „Aushilfskraft“ vermutet, „die es sicherlich nur der Auftragsfülle jener Jahre verdankte, daß man sie in der Werkstatt beschäftigte“.
  4. Hummel, Adelberger Kunst 174. Deutsch, Adelberger Bildhauerwerkstatt 80–82, 96f. hat zuletzt überzeugend entwickelt, daß dieser ältere Meister aus der Riemenschneider-Werkstatt hervorgegangen sein dürfte.

Nachweise

  1. Ziegler, Von Siuzun bis Süßen 47 (m. Abb.).
  2. Hummel, Adelberger Kunst 174.

Zitierhinweis:
DI 41, Göppingen, Nr. 201 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012k0020102.