Inschriftenkatalog: Landkreis Calw

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 30: Landkreis Calw (1992)

Nr. 32† Wildberg, Kloster Maria Reuthin 1356

Beschreibung

Grabschrift des Grafen Conrad von Hohenberg, in der Klosterkirche ‚in pariete pinguntur‘. Eine sichere Aussage über die Ausführung ist damit nicht gegeben; eine unmittelbar auf die Wand gemalte Gedächtnisinschrift ist kaum wahrscheinlich, eher handelte es sich um einen Totenschild.

Wortlaut nach HStAStuttgart.

  1. Anno domini 1356 o(biit) Conradus comes de Hohenberg miles 8. Idus Septembris

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1356 am 8. (Tag) vor den Iden des September (Sept 6) starb der Ritter Graf Conrad von Hohenberg.

Kommentar

Conrad, Herr zu Wildberg und Altensteig, erhielt bei der Teilung der Grafschaft 1355 Altensteig und ein Drittel von Wildberg; er war vermählt mit Margarethe von Hewen1. – Mit dem gleichen Wortlaut überliefert Crusius eine Inschrift aus Maria Reuthin, die er nach seinem Zeugnis 1591 von Oswald Gabelkover zugesandt bekam; da er sie nur als ‚epitaphium‘ bezeichnet und die Mehrdeutigkeit des Begriffs durchaus auch einen Totenschild einbezieht, dürfte es sich um den gleichen Inschriftträger handeln2. Die Möglichkeit von Grabplatte und Totenschild ist zwar nie auszuschließen, selten aber wird genau der gleiche Wortlaut für beide Inschriftträger verwendet. Ein Votum, wie es am Schluß zu erwarten wäre, haben die Überlieferungen – wie häufig – aus Platzgründen weggelassen, da es ihnen nur um genealogisch relevante Texte ging.

Eine Gedächtnisplatte für Graf Sigismund – den letzten des Geschlechtes der Hohenberg – soll nach der gleichen Quelle ebenfalls im Chor gelegen haben; bestattet wurde er nach Aussage des Schreibers des Textes in Ehingen († 1486). Das wird jedoch widerlegt durch eine andere archivalische Nachricht, die ausdrücklich belegt, daß 1486, Dez. 21 der Leichnam Graf Sigmunds von Hohenberg in die Klosterkirche Reuthin überführt und neben dem Fronaltar ‚mit helm vnd schilt‘ beigesetzt wurde3.

Anmerkungen

  1. Decker-Hauff, Genealogia Reuthinensis S. 131. – Schmid, Geschichte S. 305.
  2. Crusius, Annales Suevici, Lib. V partis III p. 265. – Danach OAB Nagold S. 269 (mit falschem Datum: Idus Februarii).
  3. Gand, Maria-Reuthin, Ungedruckte Regesten Bd. 1, S. 476. – Decker-Hauff (wie Anm. 1) S. 135, berichtet dagegen von einer Bestattung vor dem Marienaltar des Klosters Reuthin am gleichen Tag (nach der Wiener Handschrift des Haus, Hof- und Staatsarchivs 221, fol. 5r–36v, der auch die Nachricht von der Bestattung neben dem Hauptaltar enstammt).

Nachweise

  1. HStAStuttgart J 1 nr. 151 fol. 147v.

Zitierhinweis:
DI 30, Landkreis Calw, Nr. 32† (Renate Neumüllers-Klauser), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di030h010k0003208.