Inschriftenkatalog: Landkreis Calw

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 30: Landkreis Calw (1992)

Nr. 6 Hirsau, St. Peter und Paul, Lapidarium 1156

Beschreibung

Grabplatte des Abtes Volmar (1120–56). An der Nordwand, zweiter Stein von Westen; ursprünglich ‚in maiori ecclesia‘, 1897 im Bibliothekssaal (noch in unzerstörtem Zustand)1. Bruchstück eines Grabsteins aus rotem Sandstein, umlaufende Inschrift zwischen Linien, Beginn in der Mitte der Kopfzeile. Der untere Teil der Platte ist verloren.

Ergänzung nach Parsimonius.

Maße: H. 89, B. 71, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Romanische Majuskel.

© Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Karlsruhe [1/2]

  1. + DOR/MIT · IN · HOC · TUMV[LO MONACHORUM GEMMA PIORUM ABBAS VOLMARUS VIRTUTUM] · CULMINE · CLA/RVS

Übersetzung:

Unter diesem Stein ruht die Zierde frommer Mönche, der Abt Volmar, leuchtender Gipfel aller Tugenden.

Kommentar

Die Schrift des Steins ist eine nahezu reine Kapitalis und entspricht in ihrer Ausführung der des Gedenksteins für Herzog Bertold und seine Frau Richwara2. Abweichend ist lediglich das Vorkommen von runden (unzialen) U neben V. Die Umschrift zeigt keinerlei Abbreviaturen oder Ligaturen; vermutlich verhinderte das die Versinschrift, die korrekt lesbar sein mußte.

Die in zwei Hexameter gefaßte Inschrift ohne Angabe des Todestages beschränkt sich auf ein Elogium über die Verdienste des Abtes, das zweifellos nicht nur ein Topos ist. Auch in der Abtsreihe des Codex Hirsaugiensis werden seine Verdienste um das Kloster gewürdigt und seine hervorragenden Fähigkeiten hervorgehoben3. Die Formel läßt sich auch in anderen Epitaphien der Zeit belegen4. Sein Todestag war der 28. Januar 11565.

Anmerkungen

  1. Paulus, Schwarzwaldkreis S. 60 (irrtümlich 1175 als Todesjahr).
  2. Vgl. nr. 5 und Neumüllers-Klauser, Zum Zähringer-Denkmal in Kloster Hirsau S. 35. Gleiche Werkstatt ist sehr wahrscheinlich.
  3. Codex Hirsaugiensis fol. 8v: ‚vir magne prudencie et clare eloquencie‘.
  4. Vgl. Walther, Initia Carminum I/1, 4739, 4739a, letzteres belegt die Formel in einem Epitaph von 1145 (Frankreich).
  5. Codex Hirsaugiensis fol. 8v ‚quinto kalendas Februarii, prima vigilia noctis‘. – Über die Bestattung bringt der Codex Hirsaugiensis die präzise Ortsangabe ‚tumulatur in maiori ecclesia ante altare Michaelis‘.

Nachweise

  1. Parsimonius fol. 124 sq.
  2. Bach, Grabdenkmale S. 120.
  3. Weizsäcker, Baugeschichte S. 33.

Zitierhinweis:
DI 30, Landkreis Calw, Nr. 6 (Renate Neumüllers-Klauser), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di030h010k0000608.