Inschriftenkatalog: Landkreis Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 88: Landkreis Hildesheim (2014)

Nr. 326† Lamspringe, kath. Klosterkirche St. Hadrian u. Dionysius 1614

Beschreibung

Glocke. Die Originalglocke wurde 1965 durch einen Neuguss ersetzt,1) für den der Schmuck und der Inschriftentext von der Vorgängerin übernommen wurden. Die Inschrift des Neugusses ist in zwei Zeilen zwischen drei Riemenstegen ausgeführt, darunter zwei weitere Riemenstege. Vor Beginn des Textes drei Sternchen, eines nach der Invokationsformel, vor MARGARETA ein Kreuz.

Inschrift nach Mithoff.

  1. · · · IN HONOREM SANCTAEa) ET INDIVIDVAE TRINITATIS . IN DIE VISITATIONIS MARIAE2) . ANNO / MILLESIMO SEXCENTESIMO DECIMO QVARTO . + MARGARETA LVDERS DOMINA . ETb) IONAS BVRCHTORFc) PRAEPOS(ITVS)

Übersetzung:

Zur Ehre der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Am Tag der Heimsuchung Marias im Jahr 1614. Domina Margareta Lüders und Propst Jonas Burchtorf.

Kommentar

Die ursprüngliche Glocke ist in der Zeit entstanden, als das Benediktiner-Nonnenkloster Lamspringe nach der Einführung der Reformation im Jahr 1568 bis zum Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II. im Jahr 1629 evangelisch war. Die Verwaltung oblag zu dieser Zeit dem weltlichen Beamten Jonas Burchtorf, der das Amt von 1592 bis 1629 innehatte. 1629 wurde er im Rahmen des Restitutionsedikts abgesetzt und durch Henning Ploscher, einen Priester und Konventualen des Benediktinerklosters St. Godehard in Hildesheim, ersetzt.3) 1631 nahm Burchtorf nach dem Sieg Gustav Adolfs von Schweden in der Schlacht bei Breitenfeld sein Amt wieder auf. Er starb 1635 und wurde in Lamspringe begraben. Näheres zu seiner Biografie s. im Kommentar zu Nr. 273. Margarete Lüders amtierte von 1608 bis 1629 als evangelische Domina.4) Waack zählt diese Glocke zu den Arbeiten des Hannoveraner Gießers Joachim Schrader.5)

Textkritischer Apparat

  1. Die von Mithoff und Kdm. als Ligatur wiedergegebenen AE wurden im Neuguss als unverbundene Buchstaben ausgeführt.
  2. ET] Fehlt Kdm.
  3. BVRCHTORF] BORCHTORP Kdm.

Anmerkungen

  1. Vgl. die Inschrift am Schlag: NEU GEGOSSEN VON DER GLOCKENGIESSEREI MONASTERIUM, MÜNSTER I. W. 1965. Darüber OPUS 1277.
  2. 2. Juli.
  3. Vgl. Hans-Georg Aschoff, Die Durchführung des Restitutionsediktes im östlichen Niedersachsen. In: Jahrbuch für Geschiche und Kunst im Bistum Hildesheim 74 (2006), S. 1–75, hier S. 25.
  4. Biografische Daten zu Jonas Burchtorf und Margarete Lüders nach Germania Benedictina XI, S. 345–348; s. a. Niedersächsisches Klosterbuch, Teil 2, S. 908 (Dylong).
  5. Gießerkartei Waack, s. v. ‚Schrader, Joachim‘. Näheres zu Schrader s. Nr. 310.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale Fürstenthum Hildesheim, S. 194.
  2. Graff, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 545.
  3. Kdm. Kreis Alfeld I, S. 211.

Zitierhinweis:
DI 88, Landkreis Hildesheim, Nr. 326† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di088g016k0032608.