Inschriftenkatalog: Stadt Helmstedt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 61: Stadt Helmstedt (2005)

Nr. 55† St. Ludgeri um 1556

Beschreibung

Glasmalerei. Wappenbeischriften in einem Fenster der Südwand der Kirche1), nach Behrends „im Fenster der Sakristei hinter dem Hochaltar“2), also im östlichen Teil der Südwand. 1942 beim Brand der Kirche zerstört.

Inschriften nach Meier.

Schriftart(en): Breite der Glasmalerei: 59 cm.

  1. A

    r(everen)dusa) d(omi)n(u)s Hermannus imperialium monasteriorum Werdinensis ac Helmstadensis d(ei) g(ratia) abbas

  2. B

    dei gracia Heinricus eius nominis iunior dux Brunswicen(sis) et Luneborgens[is]a) et c(etera)a)

Übersetzung:

Der ehrwürdige Herr Hermann, von Gottes Gnaden Abt der kaiserlichen Klöster Werden und Helmstedt. (A)

Von Gottes Gnaden Heinrich der Jüngere dieses Namens, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg etc. (B)

Wappen:
Kloster Werden und Helmstedt3), Heinrich der Jüngere Herzog zu Braunschweig und Lüneburg4)

Kommentar

Die Inschriften stammen aus der Zeit des Wiederaufbaus der Klosterkirche um 1556 unter Abt Hermann von Holte. Da die Zerstörung von Kirche und Kloster 1553 ausgelöst worden war durch eine militärische Präventivmaßnahme des katholischen Braunschweiger Herzogs Philipp Magnus (vgl. Nr. 53), bestand für dessen Vater, den regierenden Herzog Heinrich den Jüngeren, eine gewisse Verpflichtung, die Wiederherstellung der Klosterbauten zu fördern. Tatsächlich hat Heinrich der Jüngere 1554 eine direkte Schadensersatzforderung des Helmstedter Konventes zwar abgelehnt, sich aber gleichzeitig für den Erhalt des Klosters ausgesprochen5), erhoffte er sich doch eine tatkräftige Mithilfe des Konvents vor Ort bei seinen Bemühungen, die Stadt Helmstedt zu rekatholisieren6). Die Stiftung eines Glasfensters ist ein Zeichen dafür, daß Heinrich der Jüngere seinem Interesse am Weiterbestand des Klosters auch einen sichtbaren Ausdruck gegeben hat.

Textkritischer Apparat

  1. Klammern so bei Meier.

Anmerkungen

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 27; danach auch die übrigen Angaben einschließlich der Wappenbeschreibung.
  2. Behrends, Diplomatarium, S. 218ff.
  3. Wappen Kloster Werden und Helmstedt: quadriert durch Kreuz, Herzschild gekreuzte Abtsstäbe. Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 1, 5. Abt., 2. Reihe, ND Bd. 8, S. 26.
  4. Wappen Heinrich der Jüngere Herzog zu Braunschweig und Lüneburg: quadriert 1. Braunschweig (zwei Leoparden), 2. Lüneburg (Löwe), 3. Everstein (Löwe), 4. Homburg (Löwe). Vgl. Siebmacher, Wappenbuch, Bd. 1, 1. Abt., ND Bd. 1, S. 26ff.
  5. Stubbendiek, Stift, S. 168 mit Anm. 79.
  6. Stubbendiek, Stift, S. 169.

Nachweise

  1. Meier, Kunstdenkmäler, S. 28.
  2. Behrends, Diplomatarium, S. 218ff.

Zitierhinweis:
DI 61, Stadt Helmstedt, Nr. 55† (Ingrid Henze), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di061g011k0005501.