Inschriftenkatalog: Stadt Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 86: Halberstadt (Stadt) (2014)

Nr. 84 Klein-Quenstedt 1520

Beschreibung

Glocke; ev. Pfarrkirche „Zum Heiligen Berge Gottes“; Bronze; gut erhalten, in einem hölzernen Bockstrebenstuhl befindlich; unter einem Öhr von sechs Henkeln mit viereckigem Umriß, abgesetzter Kronenplatte, zur Schulter hin sanft abfallend, die Schulter begrenzt von einem Blattfries, dem eine Hohlkehle folgt, umgeben von jeweils je zwei Graten, erhaben umlaufend die Jahresangabe samt Gießersignatur, abschließend darunter ein hängender Blattfries, über dem Wolm drei Grate. Auf dem Mantel unterhalb des Beginns der Inschrift ein Meisterzeichen, auf der gegenüberliegenden Seite eine Inschrift des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts aufgemalt. Am Mantel unterhalb des Beginns der Inschrift das Gießerzeichen.1)

Maße: H. 75 cm (ohne Krone), 16 cm (Krone), D. 89 cm, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien ingotischer Majuskel.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Karina Viehmann) [1/6]

  1. Anno · millenoa) · quingentenoq(ue)b) · viceno · Clavs · becker · dextra · me · rexerat · intus · et · extra · · · 

Übersetzung:

Im eintausendfünfhundertzwanzigsten Jahr hatte Claus Becker mich glücklich (durch/mit Glück als Glückbringende/ Gnädige?) von innen und außen richtig aufgerichtet.

Versmaß: Zwei Hexameter, zweisilbig rein leoninisch gereimt.

Kommentar

Das A rührt aus der gotischen Majuskel her. Das Majuskel-C entstand aus den vergrößerten Umrissen des Minuskel- c mit einem links angefügten Halbrund, das links eine leichte Bogenschwellung aufweist. Die Brechungen der Gemeinen sind nur stumpf ausgeführt, die Unterlängen sehr knapp. Der obere Verlauf des c ist waagerecht gestaltet. Der Bogen des g ist nach links waagerecht umgeknickt. Aus einem Schaft und einem Quadrangel für den oberen und einem gerade verlaufenden unteren Schrägschaft besteht das k. Der Balken des t verläuft nur an der rechten Seite des Schafts. Das v wird vom u unterschieden. Aus dem linken Schaft und einem in der Mitte verlaufenden Balken besteht das x, dessen rechter Schaft oben aus einem Quadrangel besteht, dessen Verlängerung dünn und schräg verlaufend Schaft und Balken kreuzt. Die Kürzung für que besteht aus zwei oben breit beginnenden sich verjüngenden Bögen nach rechts.

Die Glocke trägt das Gießerzeichen des Nicolaus oder Claus Becker, einem Sohn des Halberstädter Gießers Hinrik Becker, deren beider Güsse ohne diese Zeichen nicht leicht von einander zu scheiden sind.2) Er hatte in der Gegend um Halberstadt, in Anhalt, in der Börde und im Mansfelder Land zwischen 1505 und 1525 etliche Glocken gegossen, zu einer Zeit eben, als auch sein Vater Glocken, eine davon im Jahr 1496 für die Halberstädter Liebfrauenkirche (Nr. 59 †), in diesem Raum goß.3) Eine Glocke für Sandersleben (Kreis Mansfeld-Südharz), die von Nicolaus Becker gegossen wurde, weist ähnlich wie die für Klein-Quenstedt einen versifizierten Text und eine ausgeschriebene Jahreszahl auf.4)

Textkritischer Apparat

  1. milleno] millesimo BKD.
  2. quingentenoque] quingentesimo BKD.
  3. viceno] vicemo mit einem Kürzungsstrich über dem e wohl für vicesimo BKD.

Anmerkungen

  1. Siehe Taf. 62 Nr. 6. Siehe auch Hartmann 1964, S. 218 f. Nr. 2.
  2. Eichler 2003, S. 39 f.; Walter 1913, S. 688 f.; BKD, S. 113.
  3. Eichler 2003, S. 39 f.; Walter 1913, S. 688 f.; BKD, S. 113.
  4. Schubart 1896, S. 440 f.; Büttner 1892, S. 206 samt dem Gießerzeichen.

Nachweise

  1. BKD, S. 113.

Zitierhinweis:
DI 86, Halberstadt (Stadt), Nr. 84 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di086l005k0008404.