Inschriftenkatalog: Stadt Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 86: Halberstadt (Stadt) (2014)

Nr. 20(†) Liebfrauen 1394

Beschreibung

Abguß einer Inschriftenplatte; ohne Inventarnummer und Herkunftsangabe, Original im Nordwestturm der Liebfrauenkirche unzugänglich; Blei; gut erhalten; querrechteckige Platte, darauf zweizeilig zwischen Linien eingegraben (graviert) die Historische Nachricht als Bauinschrift.

Maße: H. 6,9 cm, B. 37,2 cm, T. 0,6 cm, Bu. 0,4–0,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien aus der gotischenMajuskel.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Hans Fuhrmann/Marion Gronemann) [1/1]

  1. Sub an(n)o d(omi)nia) mo ccco lxxxxiiijob) hinrico de Bardorp decano hui(us) Ecc(les)ie f(a)c(tu)m est tectu(m) isti(us) t(ur)ris per Joh(anne)m Witten · / Anno d(omi)ni precede(n)te tettac) est t(ur)ris versus meridie(m) circa cho(rum) Anno v(er)o d(omi)ni illu(m) precede(n)te tettac) est t(ur)ris in oppo(s)itu(m) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1394 ist unter dem Dekan dieser Kirche, Heinrich von Bardorp, das Dach dieses Turmes durch Johannes Witten gemacht worden. Im vorangehenden Jahre des Herrn sind die Dächer des Turms gegen Süden zum Chor hin gedeckt worden, in dem jenem aber vorausgehenden Jahr des Herrn ist der gegenüberliegende Turm gedeckt worden.

Kommentar

In den Schriftformen schlägt deutlich die Schreibschrift durch. Schaft-, Balken- und Bogenenden sind nur leicht gebrochen. Statt dessen zeigen die Buchstabenformen immer auch noch Rundungen. So das a, dessen rechtes unteres Schaftende nach rechts umgebogen ist. Auch der rechte obere Abschnitt entspricht noch eher einer Rundung, die noch nicht durch Brechungen aufgelöst wurde. Ähnliche Neigungen weisen auch e oder o auf. Das c wirkt eher umgeknickt als gebrochen. Die Fahne des r besteht aus einem losgelösten Quadrangel. Das s ist hier und dort geschlossen, besonders in seinem oberen Verlauf. Die Majuskelbuchstaben A und S sind durch ihre Rundungen deutlich der gotischen Majuskel verhaftet. Als Zeilentrenner verwendete man Blattranken. Die Schrift entspricht derjenigen der Nummer 23.

Über Reparaturen an den Dächern der Türme wissen wir ausschließlich durch Inschriftenquellen. So wissen wir heute, daß in den Jahren 1392 bis 1394 zunächst die südlichen Türme geflickt oder neu gedeckt wurden. Abschließend wurde der Nordwestturm gedeckt, in dem sich das Original der Bleiplatte auch heute noch befindet. Heinrich von Bardorp ist seit 1376 zunächst als Stiftsherr, später bis zu seinem Tode 1402 als Dekan an Liebfrauen nachweisbar.1) Siehe zu ihm auch Nr. 26. Eine Familie Witten kommt in Halberstadt im 14. und 15. Jahrhundert zwar vor, jedoch kein Mitglied, das auf den Namen Johannes hörte.2)

Textkritischer Apparat

  1. domini] Kürzungszeichen fehlt.
  2. mo ccco lxxxxiiijo] Die ersten beiden hochgestellten o jeweils mittig über den Zahlzeichen angeordnet.
  3. tetta] Sic! Für tecta.

Anmerkungen

  1. Vgl. UBHH Bd. 4, Register S. 652; UB Stadt Halberstadt Bd. 2, Register S. 528.
  2. Vgl. ebd., Register S. 512.

Zitierhinweis:
DI 86, Halberstadt (Stadt), Nr. 20(†) (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di086l005k0002000.