Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 313 Stephanskirche 1645

Beschreibung

Schrifttafel. Holz. Die Schrifttafel ist an der Rückseite des Kanzelaltars aufgehängt. Die weißen Inschriften sind auf eine schwarze Grundierung gemalt. Die Inschrift (A) vor der tabellarischen Reihung der Pfarrernamen (Inschrift C). Dazwischen, als Spaltenüberschriften, Inschrift (B). Eine zweite, ganz ähnlich gestaltete Tafel, die Jahre 1707–1775 umfassend, hängt darunter.1) Die Tafel ließ Pastor Gottfried Lobecke im Februar 1645 zum Preis von zwei Talern, sechs Groschen setzen.2) Sie soll an der Kanzel (vermutlich seitlich oder hinten) befestigt gewesen sein. Bei dem Abbruch der alten Stephanskirche 1741 wurde die Tafel abgenommen und im Neubau wieder hinter der Kanzel befestigt.3) Die auf Lobecke folgenden Namen sind nachträglich, vielleicht auf Veranlasssung des Pastors Christoph Sonntag (1706–1714), angebracht worden.4) Der nachträgliche Farbauftrag ist unverkennbar. Da die alte Tafel keinen weiteren Platz bot, fertigte man – sicher gleichzeitig – die zweite, darunter hängende Tafel an.

Maße: H. (innen) 36 cm; B. (innen) 63 cm; Bu. 1,8 cm und 1,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis und humanistische Minuskel (A, B, C), Fraktur mit Versalien (C).

BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/2]

  1. A

    CHRISTO SPONSO / ET / ECCLESIAE SPONSAE / in aede haca) / S(ANCTI) STEPHANI / post / expurgatum (h)oc loco Papismum / inde ab ANNO / M . D . XL . / servierunt / MINISTRISb) / Sequentes

  2. B

    Exordium / ministerii // Exodium / eiusdem

  3. C
    A(nn)o 1540 . MATTHIAS Baum5) .
    AMBROSIVS Stange6) 
    A(nno) 1550 . VALENTINVS Schneider7) . ob(iit) 1556 
    A(nn)o 1558 . LAVRENTIVS Behem8) . Abiit . nach / lobaß 
    A(nn)o 1563 . MICHAëL Ölßner9) .
    OSWALD Hilliger10) . 
    Abiit nach Sa-/litz . 1565
    Ob(iit) 1574 
    A(nn)o 1574 . M(agister) LVCAS Martini11) . Fit Pastor ad / S(ancti) Nicolai /
    A(nn)o 1576 
    A(nn)o 1577 . M(agister) MICHAëL Storch12) . lips(iensis) Abiit nach Hela / bey Dantzig 
    A(nn)o 1578 M(agister) NICOLAVS poller13) . ob(iit) A(nn)o 1609 . 
    A(nn)o 1609 . M(agister) GEORGIVS Zeißler14) . Abiit nach Geußnig / A(nn)o 1622 
    A(nn)o 1622 . M(agister) IOHANNES Sense15) . ciz(ensis) Fit past(or) ad / S(ancti) niicolai
    A(nn)o 1628 
    A(nn)o 1628 . MATTHAEVS Rhost16) . ciz(ensis) ob(iit) A(nn)o 1640 . 
    A(nn)o 1640 . GOTTFRID Lobecci(us)17) .  
    A(nn)oc) 1647 . M(agister) DAVID Teubner18) . Ciz(ensis) ob(iit) 1682 . 
    A(nn)o 1683 . JOH(ANNES) ERNEST(VS) . Teubner19) .
    Fil(ius) 
    obiit 1696 . 
    A(nn)o 1697 . M(agister) CHRISTIAN(VS) Köber ,
    Gerav(iensis) 
    ob(iit) 1706.d) 

Übersetzung:

Christus, dem Bräutigam, und seiner Braut, der Kirche, haben in dieser Kirche des heiligen Stephan nach der Reinigung dieses Ortes vom Papismus vom Jahre 1540 an die folgenden Diener gedient: (A)

Anfang des Dienstes. Ende desselben. (B)

Im Jahr 1540 Matthias Baum. Ambrosius Stange. Im Jahr 1550 Valentin Schneider, er starb 1556. Im Jahr 1558 Laurenz Behem, er ging nach Lobas. Im Jahr 1563 Michael Ölßner, er ging nach Salsitz 1565. Oswald Hilliger, er starb 1574. Im Jahr 1574 Magister Lukas Martini, er wurde Pastor zu St. Nikolai 1576. Im Jahr 1577 Michael Storch aus Leipzig, er ging nach Hela bei Danzig. Im Jahr 1578 Magister Nikolaus Poller, er starb 1609. Im Jahr 1609 Magister Georg Zeisler, er ging nach Geußnitz 1622. Im Jahr 1622 Magister Johannes Sense aus Zeitz, er wurde Pastor der Kirche St. Nikolai 1628. Im Jahr 1628 Matthias Rost aus Zeitz, er starb 1640. Im Jahr 1640 Gottfried Lobeccius (Lobeck). Im Jahr 1647 Magister David Teubner aus Zeitz, er starb 1682. Im Jahr 1683 Johann Ernst Teubner, der Sohn, er starb 1696. Im Jahr 1697 Magister Christian Köber aus Gera, er starb 1706. (C)

Textkritischer Apparat

  1. Über dem a ein Circumflex.
  2. Zu erwarten wäre MINISTRI.
  3. Diese und die folgende Zeile wurden – an Farbe und Schriftduktus deutlich erkennbar – gemeinsam nachgetragen.
  4. Die letzte Zeile wurde – deutlich erkennbar – extra nachgetragen.

Anmerkungen

  1. Gemalt, weiß auf schwarz. B. mit Rahmen 75,5 cm; H. mit Rahmen 102,7 cm. – Kapitalis mit Versalien, Fraktur: CHRISTO SPONSO / ET / ECCLESIAE SPONSAE / in aede hac / S(ANCTI) STEPHANI / post / expurgatum hoc loco Papismum / inde ab ANNO / M . D . CCVII . / servierunt / MINISTRIS / sequentes

    Exordium / euisdem // Exodium eiusdem         
    A(nn)o 1707M(agister) IOHAN CHRISTOPH Son(n)tagDiac(o)n(us) S . / michaelis . 1714
    A(nn)o 1714 .M(AGISTER) CHRISTIAN WILHeLM Halaob(iit) 1721 .
    Pastor aus deschwitz / .
    A(nn)o 1721
    M(AGISTER) IOHANN CASPAR WeIDEMANDiac(o)n(us) S . / MICHAELIS . 1726 .
    A(nn)o 1726M(AGISTER) IOHANN EHR(HARD) Watzerobiit 1731 .
    Pastor aus Spora / A(nn)o 1731 .M(AGISTER) PAVL CHRISTIAN Mitternacht .Diac(o)n(us) S . / michaelis 1736
    Pastor aus osterfeldt / .
    A(nn)o 1736
    M(AGISTER) THOMAS Liebner  Diac(o)n(us) S . / michaelis 1739
    Pastor aus Zorba / .
    A(nn)o 1739
    M(AGISTER) IOHANN GOTTLIEP Vorsatznach pötewitz / 1744
    Pastor aus Oßig / .
    A(nn)o 1744
    M(AGISTER) Gottfried abraham SCVLTEtVSob(iit) 1752
    Zum PfarreAmpte
    berufen A(nn)o 1752 .
    M(AGISTER) IOHANN CHRISTIAN PHILIP .ad . S . Stephan
  2. Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 20. Gottfried Lobeck (geboren 11.5.1610 in Gleina, gestorben 7.11.1673 in Droyßig) war der Sohn von Martin Lobeck und Elisabeth Weiße aus Zeitz. Er besuchte die Schulen in Zeitz und Schulpforta und studierte in Leipzig. 1631 war Lobeck Rektor in Nebra/Thüringen. Durch unglückliche Umstande geriet er (erneut Student) in schwedische Gefangenschaft und wurde Soldat, bald aber bis 1640 (dem Jahr seiner Berufung als Pfarrer zu St. Stephan) Feldprediger in schwedischen Diensten. 1647 ging er als Pfarrer nach Droyßig. Seine zweite Ehefrau war Margarethe Sachse (gestorben 1658), die Tochter von Pfarrer Rudolf Sachse (Anhang 1, Oberer Johannesgottesacker, Alter Teil 1639). Seine dritte Ehefrau war Anna Margaretha, Tochter von Rittmeister Friedrich Blume. Zu Lobeck vgl. Möller, Verzeichnis der ... Künstler, Gelehrten und Schriftsteller, S. 61. Nach Möller wurde Lobeck auf eigenen Wunsch zu St. Stephan in Zeitz unter dem Altar beigesetzt.
  3. Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 20.
  4. Christoph Sonntag wurde am 19.11.1704 Pfarrer zu St. Stephan und 1714 Diakon bei St. Michael, starb aber im selben Jahr (Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 23).
  5. Als erster lutherischer Prediger zu St. Stephan bezeichnet (Zader/Grubner III, S. 253, und Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12).
  6. 1547 Pfarrer zu St. Stephan (Zader/Grubner III, S. 253, und Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12).
  7. Auch Valerius genannt (Zader/Grubner III, S. 253, und Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12).
  8. 1538 aus Hildburghausen gekommen, ging er 1562 nach Lobas und später nach Zipsendorf (Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12). 1548 ist ein Laurenz Behem in die Matrikel der Universität Jena eingetragen, vgl. Matrikel Universität Jena, Bd. 1, S. 15.
  9. Gestorben 1565 (Zader/Grubner III, S. 253, und Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12). Nach einer Eintragung in die Matrikel der Universität Jena von 1553 stammte er aus Neustadt (nicht näher bezeichnet), vgl. Matrikel Universität Jena, Bd. 1, S. 228.
  10. Vor ihm 1565–1568 Johannes Strödter, der 1568 nach Naumburg ging (Stephanskirche, S. 281).
  11. Lukas Martin war 1572–1573 Diakon an St. Michael, 1574 Pfarrer zu St. Stephan, 1576 Pfarrer zu St. Nikolai und ging 1581 von Zeitz nach Nordhausen an die dortige Nikolaikirche, wechselte 1590 nach Braunschweig als Koadjutor und wurde nach sechs Jahren Superintendent in Braunschweig (Zader/Grubner III, S. 241, 246, 253). Abweichend: 1572 Pastor in Draschwitz, 1573 Diakon an St. Michael zu Zeitz, alle anderen Daten gleich (Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12). 1566 studierte Martin in Jena, vgl. Matrikel Universität Jena, Bd. 1, S. 198.
  12. Michael Storch kehrte später nach Zeitz zurück und starb am 7.12.1585 an der Pest (Stephanskirche, o. S.).
  13. Gestorben am 3.3.1609 mit 63 Jahren (Zader/Grubner III, S. 253, und Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 12).
  14. 1605 studierte Zeißler in Jena, sein Geburtsort war Köstritz, vgl. Matrikel Universität Jena, Bd. 1, S. 373.
  15. Gestorben am 8.11.1633 mit 40 Jahren (Zader/Grubner III, S. 246, 253), vgl. Nr. 294.
  16. Rost 1618 als „vertriebener Pfarrer aus Oesterreich“ (Zader/Grubner III, S. 254) bezeichnet.
  17. Auch Lobecck(e). Zu ihm vgl. Anm. 2.
  18. David Teuber (geboren 1615) war 1639 Konrektor der Stiftsschule Zeitz und wurde 1648 Pfarrer zu St. Stephan (Zader/Grubner III, S. 254, 264). Er war verheiratet mit Magdalena, der Tochter des Enkels von Martin Luther, Johann Ernst Luther (Stephanskirche, o. S., und vgl. Nr. 304).
  19. Johann Ernst Teuber, der Sohn von David (geboren 14.4.1649 in Zeitz), wurde 1676 Substitut des Vaters und 1683 Pfarrer zu St. Stephan, er starb 1696 (Stephanskirche, o. S.).

Nachweise

  1. Stiftsarchiv Zeitz, Catal. pag. 51, Nr. 10, S. 20f.

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 313 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di052b007k0031308.