Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 612† Johanniskirche nach 1604

Beschreibung

Epitaph der Anna von Gottfarth geb. von Morschheim. In die Mauer unmittelbar rechts neben dem Haupteingang eingelassener Stein mit Figur der Verstorbenen und 42zeiliger Inschrift.

Nach Wickenburg.

  1. Anna gebohrne Morscheimina)Richt ihr thun und Lassen dahin,Das Sie treulichen Gott erzeigtIhres Lebens die gantze ZeitRecht, Lob, Ehr und Schuldigen dienstUnd Christo seinem Sohn anhingMit glauben und vertrauen steifDurch ein geben des H. GeistNach des Herren wort und willenGeschrieben in der Bibelen.Christoff Von Gottfart ihrem MannLeist Sie Treu, Lieb und gehorsam.Daher entsprang ein grose scharIhrer werthen tugend fürwahr,Dann glaub ist nit ein blosser schein,Wie ihr dan viel halten zu sein,Noch Gottes wort ein Leerer schal,Sondern in den glaubigen all,Schafft grose ding und gute werck,Dadurch sie Leuchten vor der Welt.Weil dann Christus Annam nicht fandOhn glaubenöl in ihrer handWie die thoren Jungfern funf,So aus der rechten glaubigen ZunfftUnd dem Himmelreich geschlossenMit Spott, Schand und mehrem grossen,Hat ihr Seel hinauf genommenIn die Ewige freud und wonne.Allda wart des fleisches auferstehungUnd aller thränen abwisschung,Alsdan würden erest VollkommenDes Himmels possess genom(m)enAller gerechten Seel und Leib,Wie unser glauben gewiß aufweist.Sie hat auch nach S. pauli LehrKinder mit grossem schmertzen gebährt,Ein Sohn Hans Christoph wohl bekant,Die Tochter Kunigundis genandt.Den Gott Schenk sein seegenZu wandern auf seinen wegenUnd wolle nach dem Kurtzen LebenDie wohnung des Himmels geben.

Kommentar

Die Grabinschrift der Anna von Gottfarth geb. von „Flersheim“ in 21 teils holprigen deutschen Reimpaaren befand sich anscheinend auf einem schon früh verstümmelten Denkmal, dem Angaben zum Todestag fehlten; das bemerkte schon Wickenburg. Eine Datierung ist nur über die Identifizierung der Personen zu erreichen: In der Wormser Magnuskirche steht ein Grabdenkmal des Johann Christoph von Gottfarth (†Okt. 1616),1) der aber mit Amalia Horneck von Weinheim verheiratet war und dessen Denkmal kein Flersheimer Wappen aufweist. Bei der Taufe seiner Tochter Anna Maria am 28. Februar 1604 wird als erste Taufzeugin und Vatermutter die Witwe Anna von Gottfarth geb. von Morschheim angeführt.2) Dieser Information entspricht die Position des Wappens Morschheim auf dem erhaltenen Gottfarth-Denkmal. Anna war also die Mutter jenes 1616 verstorbenen Johann Christoph von Gottfarth, der laut vorliegender Inschrift einen Namen seines Vaters trug. Ihr Todesjahr ist unbekannt, doch wird es kaum lange nach 1604 liegen, da sie danach nicht mehr als Taufzeugin bemüht wurde, während das für ihre Kinder und andere Personen ihres Standes in reichem Maße zutraf.

Da Anna in der katholischen Johanniskirche, ihr Sohn aber zusammen mit seiner Frau Amalia in der zumindest für das lutherische Bekenntnis beanspruchten Magnuskirche begraben wurde, war zwischenzeitlich möglicherweise eine konfessionelle Veränderung in der Familie eingetreten.

Textkritischer Apparat

  1. Lesefehler: Flörsheimin, vgl. Anm. 2.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 640.
  2. StA Worms, Städtisches Taufbuch I fol. 3v Nr. 36.

Nachweise

  1. Wickenburg II 137f.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 612† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0061200.