Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 367 Andreasstift 1502/kurz nach 1502

Beschreibung

Grabplatte des Vikars an St. Andreas Jakob Hennel von Pfeddersheim und in Zweitverwendung einer unbekannten Person. Südlicher Stein im Boden der 2. Nische des Kreuzgangsüdflügels, zwischenzeitlich im großherzoglichen Kreisamt, der alten Dompropstei.1) Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien (A), innen eine weitere Umschrift (B) und im Feld oben ein Wappen. Die Schrift weitgehend abgeplatzt, das Wappen unkenntlich.

Ergänzt nach Mus.Inv. u. altem Foto.2)

Maße: H. 222, B. 111, Bu. 9-10 (A), 9-10 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskeln, sehr spät, mit Kapitaliselementen (A,B).

  1. A

    [ANNO ·] D(OMI)NI · XVCa) · II / [DIE VERO] XX [ME(N)SIS · FEBR(VARII)b) · OBIIT .. / ......IACOBVS / HENEL PFE]DERSHEI(M)c) · C(VIVS) · A(N)I(M)A · REQ(VIESCAT) · I(N) PA[CE]

  2. B

    AN(N)O DOMI(NI) XVCa) / [.........ABOAIEd).... / ........ / .. PEDELd)] · CVI(VS) · A(N)I(M)A · REQ(VIESCAT) · IN · PACE

Wappen:
unkenntlich.

Kommentar

Wörner erwähnte die Grabplatte des Jakob ‘Henel‘ von Pfeddersheim und seiner Gattin von 1500 im Großherzoglichen Kreisamt. Der alte Aufstellungsplan des Stadtmuseums verzeichnet die Platte Mus.Inv. MG Nr. 18 unter der alten Nr. 79 als aus der Stadtbibliothek stammend.1)

Die wenigen Namensreste sprechen für die vorgenommene Identifizierung, ohne daß man etwa Wörners Lesung voll vertrauen könnte. Es ist kaum möglich, daß die innere Inschrift der Frau des Jakob ‘Henel‘ gehört, wenn bisher in Worms ein Jakob Hennel aus Pfeddersheim nur 1496 als Vikar des Andreasstiftes und Pfarrer an St. Rupertus „residens apud S. Andream“ bekannt ist.3) Verwandtschaft oder wenigstens Kollegialität der beiden Verstorbenen muß aber wohl wegen der zeitlichen Nähe der Inschriften angenommen werden.

Auf den geringen zeitlichen Abstand weisen die nahezu identischen Schriftformen zweier äußerst später gotischer Majuskelschriften mit ausgeprägten, aber nicht der klassischen Form entsprechenden Kapitalisbuchstaben hin. Bei den zugegebenermaßen dürftigen Resten lassen sich als gotische Formen die unzialen N und M der Anno Domini-Formel eben noch erkennen; in den etwas besser erhaltenen Segenswünschen stehen unziale, aber wohl offene E und geschwellte Bögen bei O und R neben klassischen spitzen und auch beinahe quadratischen A mit großer Trabs. Die Bögen dieser E und der C als Hundertermultiplikatoren sind nur schwach gekrümmt und gleichen in hohem Maße den Buchstaben von ebenso späten noch gotischen Inschriften aus den Jahren 1488 und 1491 sowie der Ladenburger von 1502.4) Die Buchstaben dieser beiden bedauerlicherweise stark beschädigten Grabinschriften stellen das gesuchte Bindeglied im Übergang von gotischer Majuskel und Kapitalis dar.5)

Textkritischer Apparat

  1. C undeutlich, aber nicht kleiner hochgestellt.
  2. FEBRA Mus.Inv., nicht nachprüfbar.
  3. IACOBVS HENEL ergänzt nach Identifizierungshypothese, es fehlt möglicherweise ein DE, aber Mus.Inv. hatEL PFEDERSHEI.
  4. Mus.Inv., nicht mehr nachprüfbar.

Anmerkungen

  1. Kdm. Worms 267; Aufstellungsplan mittelalterlicher Grabsteine Nr. 18, ebenso Alte Aufzeichnungen Nr. 79.
  2. Foto im StA Worms Neg.Nr. F 1763/31.
  3. Gemeiner Pfennig fol. 6v u. 11v.
  4. Vgl. Nr. 312 u. 324 sowie DI XVI (Rhein-Neckar 2) Nr. 91.
  5. Vgl. oben S. LXIII u. Fuchs, Wormser Inschriften 97.

Nachweise

  1. Mus.Inv. MG Nr. 18.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 367 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0036704.