Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 313 Stadtmuseum, aus Domkreuzgang 1488

Beschreibung

Schlußstein mit Stifterinschrift des Speyerer Domkantors und späteren Wormser Domherrn Georg von Gemmingen. Steinsammlung, früher oben in der Nordwand des Schillerturmes in Worms-Herrnsheim, nach Restauration 1986 ins Stadtmuseum Worms verbracht, aus dem Domkreuzgang.1) Runder roter Sandstein mit Umschrift; im vertieften Feld zwei Wappen. Auf dem Rücken sind vier doppelte kleine Rippenansätze erkennbar. Leicht bestoßen, abgewittert und von Efeu beschädigt, neuerdings restauriert. Die Inschrift beginnt unter den beiden Wappen.

Maße: Dm. 88, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. 1488 · · Georiusa) · de · gem(m)yngen · vtriusq(ue) · Juris doctor · Cantor · etb) · Canonicus · ecc(le)sie · Spiren(sis) ·

Übersetzung:

1488 Georg von Gemmingen, beider Rechte Doktor, Kantor und Kanoniker der Speyerer (Dom)kirche.

Wappen:
Gemmingen, Neuenstein.

Kommentar

Der abgesehen von den Wappen vergleichsweise schmuckarme Schlußstein des Georg von Gemmingen ist mit einer entwickelten gotischen Minuskel beschrieben, die als Versalien Majuskel-G und daneben schon modernere Formen benutzte, darunter ein frakturähnliches, schreibschriftliches S und C mit weit zum Bogen eingezogenem Pseudo-Abschlußstrich.

Georg von Gemmingen, Sohn Hans‘ des Armen oder Kecken und der Brigida von Neuenstein, war seit 1492 am Wormser Dom bepfündet und 1494 Dekan.2) Da er am 4. September 1488 als Speyerer Dompropst aufschwor und am selben Tage installiert wurde, könnte man die Entstehung wenigstens des Schlußsteintextes wegen der genannten Würden vor jenen 4. September datieren, gegebenenfalls auch vor die Wahl am 23. Juli.3) Er starb 1511; sein Grabstein in Speyer ist überliefert.4) Von 1515 stammt der Wormser Schlußstein seines Bruders Erpho.5)

Textkritischer Apparat

  1. Sic.
  2. vtriusque...et fehlt Schmitt.

Anmerkungen

  1. Schmitt.
  2. Stocker, Familienchronik 212; ebendort zu weiteren Würden, u.a. spätestens 1494 Domdekan, nicht wie bei Schannat schon 1483 Wormser Dompropst, vgl. auch Boos, Quellen III 367, 381 u. Eberhardt, Diözese Worms 15; 1477 in Speyer und 1492 in Worms bepfründet nach Hartmann, Domherren 156; seit 1487 Speyerer Generalvikar, später Propst am Dom und an St. Guido; zur Karriere v.a. Fouquet, Speyerer Domkapitel II 521f.
  3. v. Busch/Glasschröder, Chorregel I 143; dort auch weitere biographische Angaben; zur Wahl Fouquet.
  4. Helwich, Syntagma 54.
  5. Vgl. Nr. 390.

Nachweise

  1. Kautzsch, Dom Taf. 111c.
  2. Schmitt, Bildwerke 281f. Nr. 3.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 313 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0031308.