Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 161 Andreasstift 1379 o. davor o. 1381/1380/1?/1401

Beschreibung

Grabplatte des Goszo/Goszewin gen. Karlebecher und in Nachbestattung zweier Verwandter, seiner Tochter Katherina und seines Sohnes(?) Eberzo/Eberhard. Nördliche Platte im Boden des Kreuzgangwestflügels, wahrscheinlich aus dem Denkmalbestand des Andreasstiftes. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien (A); im Spiegel oben Wappen, darunter dreiseitig umlaufend 2. Inschrift (B) und ebenso 3. Inschrift (C), in einer liniengerahmten Zeile über die Mitte der Platte längs fortgesetzt. Oberer Rand beschnitten, Oberfläche stark bestoßen und abgewittert.

Maße: H.(erh.) 219, B. 121,5 Bu. 9,5 (A), 10,5 (B), 7-9 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A, B), gotische Majuskel, spät (C).

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. A

    [............ ..]I · INa) · VIGILIA · MICHAHELIS · ARCHA(N)G/ELI · O(BIIT) · GOSZO · D(I)C(T)/VS · KARLEBECHER · CIVIS · WOR(MATIENSIS) ·b)

  2. B

    + AN(N)O · D(OMI)NI · Mo · CCC[o] · LXXXc) · I(N)d) · DIE / SEVERI · O(BIIT) · KA/TH(ER)I(N)A · FILIA · GOZO(N)IS · D(I)C(T)I · KAR//LEBEC[HER]b)

  3. C

    + AN(N)O · D(OMI)NI · M[o] · CCCCo · Io · IN · DIE · / KILIANI · / O(BIIT) · EBERTZO · KARLEBECH(ER) / · CIVIS · WORM(ATIENSIS) ·

Datum: 28. September (1379)?; 21. Oktober 180/1; 8. Juli 1401.

Wappen:
Karlebecher (Schrägfluß, mit 2 Fischen? belegt).

Kommentar

Trotz der starken Oberflächenschäden sind bei allen drei Schriften genügend Formen erkennbar, um gerade auch Entwicklungen sichtbar zu machen. Die durchweg großen und kräftigen Buchstaben der äußeren Umschrift gehören in die Mitte der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und lassen sich in Konturen und Proportion am besten mit denen auf der Grabplatte des 1372 verstorbenen Johannes gen. Partenheimer vergleichen.1) Die Formen der auf 1380/1 datierten sind in höchstem Maße ähnlich; einer gleichzeitigen Entstehung entspräche auch die Fortsetzung dieser zweiten Inschrift in dem freigelassenen Teil der ersten, die offenbar nur soweit wie irgend nötig ausgeführt und schon mit der Silbe WOR für WORMATIENSIS trotz des in der äußeren Zeile ausreichenden freien Raumes beendet wurde; möglich wären also auch Lesungen zweier Jahreszahlen zu 1381, in B dann LXXX · I · DIE, oder die Entstehung beider Umschriften erst unter dem Datum von B.2) Die wechselnde Proportion der dritten Inschrift von 1401 ist dem vorhandenen Raum stark angepaßt und daher in der dritten Längszeile niedriger, spät sind wie bei den vorangehenden die Einzüge der Bögen des E; auf ältere Formen greifen die geraden, geschwellten Abstriche des R zurück.

In wechselnden Schreibweisen kommt Goszo/Goszewinus gen. Karlebecher in Wormser Urkunden zwischen 1356 und 1367 vor, vielleicht auch noch 1372 mit einer zweiten Frau;3) da Katherina ausdrücklich als seine Tochter bezeichnet wird, könnte man den 1391 unter den geistlichen Richtern des Hofes zu Worms genannten Eberzo/Eberhard als seinen Sohn ansehen.4) Als ursprünglicher Standort kommt das Andreasstift in Betracht, da die Platte nicht in älteren Fundberichten auftaucht, wie das auch für andere Bodenplatten zutrifft.

Textkritischer Apparat

  1. SI Mus.Inv.; zahlreiche Verlesungen nicht mehr gekennzeichnet.
  2. Die Silben LEBEC[HER] der zweiten Inschrift in den noch freien Raum der ersten geschrieben.
  3. XXXX Mus.Inv.
  4. Keine Kürzung erkennbar, bei anderen sicheren (N) jedoch auch nicht, Alternative vor Anm. 2.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 153.
  2. Vgl. oben S. X, CI, CVIII.
  3. Boos, UB II 330 Nr. 498, 334 Nr. 507, 373f. Nr. 583, 380 Nr. 593, 414 Nr. 638 u. 436 Nr. 677.
  4. Ebd. 627f. Nr. 958.

Nachweise

  1. Mus.Inv. MG Nr. 9.
  2. Fuchs, Wormser Inschriften Abb. 46.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 161 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0016106.