Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 697 Stadtmuseum, aus Magnuskirche 1638

Beschreibung

Grabplatte des Pfarrers Jakob Daniel Fabritius. Mitten an der Ostwand des Kreuzgangsüdflügels, aus der Magnuskirche.1) Hochrechteckige Platte aus gelbgrauem Sandstein, mit roten Einschlüssen und Umschrift (A) in vertiefter Leiste; im Feld oben Jahreszahl (B), darunter vertieft Allianzwappen und 19zeilige Inschrift (C). Bestoßen und leicht abgetreten.

Maße: H. 219,5, B. 105, Bu. 4,4 (A), Z. 9 (B), 1,9-3,3 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    A(NNO). C(HRISTI). M.D.XC. XXXI. AVG(VSTI) NAS(CITVR) ILGELSHEIMII.a) / IN COMIT(ATV) GRVMBACH(ENSE) REV(ERENDVS). ET CLAR(VS). D(OMI)N(VS). M(AGISTER). IACOBVS DANIEL FABRITIVS. DENASCITUR / WORMATIAE PER XIII FERME ANNOS ECCL(ESI)AE / MINISTER ORTHODOXVS AN(NO). C(HRISTI).b) M.DC.XXXIIX.c) IX. APRILIS AET(ATIS). XLVIII. TRISTE DESIDERIVM SVI RELINQVENS.

  2. B

    16 / 38

  3. C

    NIL ROBVSTA VALENT CONTRA VIM CORPORA MORTISd)NIL HONOR, OFFICIVM, NIL GENVS, ARS ETe) OPESIMMITES PARCAE COeCO VELV[T] INPETE QVOSVISCVM SENIBUS JVVENES SVB SVA SCEPTRA TRAHVNTFABRITJVM TOLLVNT NOSTRVM VELVT ABSQ(VE) PVDOREABRIPIVNT TERRIS, ABRIPIVNT CATHEDRAE.FIDVS ERAT SERVVS CHRISTI PROBITATIS IMAGOVERA, GREGEM CONSTANS PASCERE CVRA FVIT.DVPLICIS ID TEMPLI NOBIS SVBSELLIA MONSTRANT,CIVICA TVRBA PROBAT, GENS PEREGRINA PROBAT.SERVIRE VLTERIVS POTVISSET DOGMATE PLEBI:SED IESV CHRISTO SIC PLACVISSE VIDES.SPIRITVS IN COeLIS EXVLTET OVANSQ(VE)f) TRIVMPHETET SOCIVM EXPECTET CORPVSg) AB INDE SVVM.POSVIT / COLLEGAE DILECTISSIMO P(IAE) M(EMORIAE) / M(AGISTER) MICHAEL WENCELIVS HAGENOëNSIS / ALSATVS P(ASTOR) W(ORMATIENSIS) S(ENIOR) ET G(YMNASII) V(ISITATOR)

Übersetzung:

Im Jahre Christi 1590 wurde am 31. August in Ilgesheim in der Grafschaft Grumbach geboren der ehrwürdige und berühmte Herr Magister Jakob Daniel Fabritius; er starb in Worms, nachdem er beinahe 13 Jahre lang der rechtgläubige Diener der Kirche gewesen war, im Jahre Christi 1638 am 9. April, im Alter von 48 Jahren, das traurige Verlangen nach ihm zurücklassend. – Nichts vermögen starke Körper gegen die Macht des Todes, nichts Ehre, Amt, Herkunft, Kunstfertigkeit oder Reichtümer. Die grausamen Schicksalsgöttinnen zwingen wie in blindem Ansturm jedweden jungen Menschen mit den Alten unter ihr Zepter. Unseren Fabritius nahmen sie hinweg ohne jede Scheu, rafften ihn von der Erde, rafften ihn von der Kanzel hinweg. Ein treuer Diener Christi war er, ein wahres Abbild der Rechtschaffenheit, eine stete Sorge war ihm, die Herde zu hüten. Das zeigen uns die Kirchenbänke des zweigeteilten Gotteshauses, das bestätigen der große Haufen der Bürger und das auswärtige Volk. Er hätte weiterhin dem Volk durch seine Lehre dienen können, doch du siehst, so hat es Jesus Christus besser gefallen. Seine Seele möge im Himmel jauchzen und jubelnd triumphieren und von dort des ihr verbundenen Körpers harren. – Dies stellte dem hochgeliebten Kollegen frommen Angedenkens Magister Michael Wenzel aus Haguenau im Elsaß, ältester Pfarrer von Worms und Inspektor des Gymnasiums.

Wappen:
Fabritius-? (gespalten: drei Beileisen, halbes Mühlrad).

Kommentar

Die Grabplatte für Jakob Daniel Fabritius ist mit einer kunstvollen, sehr schlanken Kapitalis beschrieben, die bei V, OR- und Oe-Ligaturen fremde, dekorative Elemente aufgenommen hat und zahlreiche überhöhte Versalien aufweist.

Die Sterbeinschrift weicht in der Reihenfolge der Informationen, in der Angabe des Geburtsortes und in der abschließenden Klage vom Üblichen ab. Die Laudatio des Kollegen Michael Wenzel aus sieben Distichen, der auch ein Grabgedicht für seine Kinder verfaßt hatte,2) reflektiert über die Unausweichlichkeit des Todes, seinen willkürlichen Zugriff auf den Menschen und die Verdienste des Verstorbenen; der Heilswunsch am Ende thematisiert die körperliche Auferstehung.

Der Verstorbene stammte aus Ilgesheim (wüst im Gutsbezirk Baumholder, Lkrs. Birkenfeld) und war 1624-1625 Pfarrer in Herrnsheim gewesen, wurde durch die Rekatholisierung vertrieben und dann noch 1625 Rektor und Pfarrer in Worms.3) Zwischen 1630 und 1634 ist er als Taufzeuge belegt.4)

Textkritischer Apparat

  1. Sic; ILGESHEIMII Wörner, Mus.Inv.
  2. Zu ANO zusammengezogen Wörner; zweitrangige Lese- und Schreibfehler im weiteren nicht mehr berücksichtigt.
  3. Sic; IIX für 8.
  4. Hochgestelltes S über kleinem I, nicht MORTE wie Mus.Inv.
  5. Ein S später(?) eingeritzt.
  6. TONANSQUE Wörner.
  7. Fehlt Mus.Inv.

Anmerkungen

  1. Wörner; erw. bei Reuß, Grabsteine, vgl. Hüther, Geschichte der Magnuskirche 382 Nr. 15.
  2. Vgl. Nr. 682; dort auch zur Person Michael Wenzels.
  3. Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch Rheinhessen 430.
  4. KB-PSR Bd. 26.

Nachweise

  1. Wörner, Mittelaltrige Grabmäler 102f.
  2. Mus.Inv. MG Nr. 56.
  3. Hotz, Magnuskirche 32 (nur Auszug) u. Abb. S. 31.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 697 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0069709.