Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 695 Ernstkirchen, kath. Pfarrkirche, aus Worms, Martinsstift? 1636

Beschreibung

Initialen, Allianzwappen und Jahreszahl im Sinne eines Stiftervermerkes auf Hostienschale und zwei Meßkännchen aus Weißsilber. Kirchenschatz der katholischen Kirchengemeinde. Achteckige Schale mit zwei hostienartigen Erhebungen und Inschrift mit Jahreszahl (A) und Wappen auf dem glatten Rand; dasselbe jeweils auf der Wandung zweier Meßkännchen, deren Griffen Karyatiden aufgesetzt sind und die auf den Deckeln jeweils einen großen Buchstaben tragen (B). Als Beschauzeichen Wormser Schlüssel,1) Monogramm des Meisters (C).

Maße: H.(Platte) 30, B. 22,5, H.(Kännchen) 10, B. 10,5, Bu. 0,4 (A), 1,8 (B), 0,1 (C), Beschauzeichen 0,35 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. A

    A(GNES) C(ÄMMERER) V(ON) D(ALBERG) G(EBORENE) V(ON) H(OHENECK)1636

  2. B

    A(QVA) / V(INVM)

  3. C

    G(EORG) C(HRISTOPH) C(HRISTIAN)

Wappen:
Kämmerer von Worms gen. von Dalberg-Hoheneck.

Kommentar

Das in Worms von dem dort mehrfach nachweisbaren Meister Georg Christoph Christian2) geschaffene Meßgerät kam möglicherweise über die Flüchtung der Wertgegenstände des Stiftes St. Martin durch den Stiftsherrn Paul Mittnacht nach Aschaffenburg und von da in den Besitz der katholischen Kirchengemeinde Ernstkirchen, in deren Archiv sich auch ein Kopialbuch jenes Stiftes befindet. Bei der Feststellung der Silbergeräte anläßlich der Stiftsauflösung 1802 war das Meßgerät jedenfalls in Worms nicht mehr vorhanden.3)

Hinter Allianzwappen und Initialen verbirgt sich der Name der Stifterin (Maria) Agnes (Catharina) Kämmerer von (Worms gen. von) Dalberg geb. von Hoheneck, Tochter des Johann Philipp und der Anna Wolff gen. Metternich zur Gracht, die 1628 den 1634 in Herrnsheim bestatteten Wolff Johann Kämmerer geehelicht hatte;4) daß mit dem C der Name Catharina gemeint gewesen sein könnte, ist unwahrscheinlich, da der alleinstehende Dalberg-Name erst später üblich wurde und vorher dem Wappennamen vorbehalten blieb, jedoch schon auf dem Grabstein des Wolff Friedrich (†1621) auf den Zusatz „von Worms“ verzichtet worden war.5) Auch andere Angehörige der Herrnsheimer Linie hatten sich, wie die Wahl des Bestattungsortes zeigt, kriegsbedingt dem Stift St. Martin in der Stadt zugewandt.6)

Anmerkungen

  1. Rosenberg III Nr. 4921; Meisterzeichen Nr. 27.
  2. Zum Meister vgl. Scheffler u. Nr. 705 (1652) u. 709 (1658).
  3. Como, Kollegiatstift St. Martin 57 u. 63.
  4. Humbracht Taf. 16 u. 76, dort auch zu weiteren Verbindungen der beiden Familien; zu Wolff Johann vgl. Nr. 683.
  5. Vgl. bei Nr. 653.
  6. Vgl. Nr. 664 (1626), 699 (1639), 702 (1647).

Nachweise

  1. Die Kunstdenkmäler von Unterfranken und Aschaffenburg 16. Bezirksamt Alzenau, bearbeitet von K. Gröber und H. Karlinger (Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern III 16) München 1916, 43.
  2. Rosenberg III Nr. 4931.
  3. Scheffler, Goldschmiede Hessen 765 Nr. 29b.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 695 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0069509.