Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 687 Andreasstift 1635

Beschreibung

Grabstein oder -platte des Mainzer Domkapitelfaktors in Gernsheim, Heinrich Nagel. Inschrift auf der Rückseite des ersten mittelalterlichen Steines in der Mitte des Kreuzgangwestflügels, im rechten Winkel zur Wand aufgestellt, die ältere Seite auf dem Kopf stehend.1) Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein, auf der Rückseite unten 10zeilige Inschrift (A), darüber Wappenmedaillon in Beschlagwerk und Initialen (B), Hintergrund punziert. Am Rand ausgebrochen, Bruch in der Mitte geflickt.

Maße: H. 196, B. 75, Bu. 4,7 (A), 14 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    A(NN)o. 1635a) · DE(N) · 25 · MART(II) / IST IN GOTT VER = /SCHIEDEN DER EHRN = /VESTEb) HERR HENRICH / NAGELL DES HOCH = / WŸRDIGEN THVMCAP = /ITTELS MAINTZ FACT = /OR IN GERNSHEIM / DEREN SEEL GOTT / GENADE AMEN ·

  2. B

    H(EINRICH) N(AGEL)c)

Wappen:
Nagel (Faden, begleitet von je 3 Nägeln und 3 Sternen, gegenläufig 2:1).

Kommentar

Heinrich Nagel versah die Gernsheimer Faktorei, die das Mainzer Domkapitel nach der durch die Vakanz von 1328 begünstigten Okkupation erzbischöflicher Einkünfte geschaffen hatte. Aus den Kirchenrechnungen, die für 1635 keine Einnahmen verzeichnen, geht die große Bedrückung der Stadt von 1634 bis 1636 besonders deutlich hervor; eine Generalplünderung vor Michaeli 1634 hatte die Lebensgrundlagen weitgehend zerstört.2) Diese Sachlage mag der Grund für die Flucht des Verstorbenen ins linksrheinische Worms gewesen sein, das vielen Vertriebenen Aufenthalt bot.3)

Textkritischer Apparat

  1. 1625 Mus.Inv.
  2. Ehrenwerte ebd.
  3. Fehlt ebd.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 93.
  2. Vgl. J.K. Dahl, Historisch-topographisch-statistische Beschreibung der Stadt und des Amtes Gernsheim im Großherzoglichen Fürstentum Starkenburg. Darmstadt 1807, 15f. u. 77f.; A. Schuchert (Hg.), Gernsheim im Mainzer Kulturraum, in: Handbuch des Bistums Mainz 2 (1947) 99-130.
  3. Vgl. weitere Inschriften von 1634/35 und besonders Nr. 693.

Nachweise

  1. Mus.Inv. MG Nr. 6.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 687 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0068701.