Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 685 Stadtmuseum, vom lutherischen Friedhof 1634

Beschreibung

Grabdenkmal des Johannes Christoph Binnecker, Sohn des Johann Philipp. Linker Stein unten an der Wand der 4. Nische des Kreuzgangsüdflügels, vom lutherischen Friedhof.1) Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit achtzeiliger Sterbeinschrift auf Rollwerktafel im Sockel (B); darüber kleine Pilasterädikula mit einer Korbbogennische, in der vor einer Sonne und einem Wappen ein Jüngling betend niederkniet; über seinem Haupt schwebt ein Kreuz. Über dem Architrav eine Rollwerkkartusche mit ovalem Inschriftenmedaillon und fünfzeiligem Bibelspruch (A). In der Sonne hebräisches Tetragramm (C). Stark bestoßen und abgewittert, mit Schutzfarbe gestrichen.

Maße: H.(erh.) 110, B. 86, Bu. 2 (A), 1,6-2,1 (B), ca. 2 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A,B), Hebräische Schrift (C).

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    PSALM. 103. VERS: 15. V(ND) 16a)EIN MENSCH IST IN SEINEM LEBEN WIE GRAS / ER BLIET WIE EIN BLOM AVF DEM FELDE. WAN DER / WINDT DARIBR GEHET SO IST SIE NI(M)MER DA VND / IRE STETE KENET SIE NICHT MEHR

  2. B

    A(NN)O 1634b) · SON(N)TAG DEN 28.c) SEPTE(MBRIS) GLEICH NACH / 9d) VHRN IST IN DEM HERRN SEELIGLICH ALHIR ENTSCHLAFFEN / IOHANN CHRISTOFF BINNECKHER,e) HERN IOHANN PHILIPPS BIN(N)ECKHERe) / WOLADELI(G) BERLICHNIGISCHERf) VORMVNDTSCHAFFT VOCKTENg) ZVE IACKS = /HAVSEN EHLICHES SÖHNLEIN WELCHES A(NN)O 1630 EBENMESIG / DEN 28. SEPTE(MBRIS) IN DIE WELT GEBORN ALSO SEINES ALTER / GERADT 4. IAHR VND ETLICH STVNDT DESEN SELEN / GOTT GENADT.

  3. C

    יְהוֶה

Wappen:
Binnecker? (aufgehängter, schräglinksgestellter Pfeil).

Kommentar

Das Denkmal für den Sohn eines in Worms Fremden ist mit Liebe zum Detail gearbeitet, insbesondere was die Ausführung der Figur im Mantel, Wappen, Kissen und Schuhe betrifft. Schreibweisen des Bibelspruchs nach Luther2) und Sterbetext weichen auffällig vom Standard ab und folgen gesprochenen Vorlagen.

Während des Dreißigjährigen Krieges fanden in Worms verhältnismäßig viele Fremde ihr Grab.

Textkritischer Apparat

  1. Wortlaut fehlt bei Zorn-Meixner, Wörner, Mus.Inv.
  2. 1604 Wörner.
  3. 8 Wörner.
  4. 5 Zorn-Meixner; 8 Wörner.
  5. RIN(N)ECKHER Wörner.
  6. Sic. Verballhornt oder verhauen.
  7. VOGTMAN Zorn-Meixner; VORMVNDT VORMVNDTSCHAFTS VOGTEN Wörner; VOLCHEN Mus.Inv.

Anmerkungen

  1. Zorn-Meixner; in der Mitte der Friedhofswestmauer.
  2. Ps.(H) 103,15-16 nach Luther.

Nachweise

  1. Zorn-Meixner fol. 393v Nr. 34.
  2. Wörner, Mittelaltrige Grabmäler 99f.
  3. Mus.Inv. MG Nr. 52.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 685 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0068503.