Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 649 Worms-Herrnsheim, kath. Pfarrkirche (1559/1561)/1618

Beschreibung

Gedenkstein des Eberhard Kämmerer von Worms gen. von Dalberg in Form eines Grabdenkmales oder Epitaphs. Am Pfeiler in der Nordwestecke des südlichen Grabkapelle. Hochrechteckiges Denkmal aus hellgelbem Sandstein mit Figur des gerüsteten Ritters in einer Rundbogennische, bewaffnet mit Schwert und Streitkolben, zu seinen Füßen Federbuschhelm und liegender Hund. In den Ecken befinden sich vier Ahnenwappen, unten eine querovale Rollwerkkartusche mit siebenzeiliger Inschrift flankierend. Leicht bestoßen.

Maße: H. 237, B. 105, Bu. 1,4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/2]

  1. PRAENOBILI AC STRENVO DOMINOa) EBERHARDO CAMERARIO / A DALBERG BENEFACTORI GENTILITIAE FAMILIAE SVAE QVI ANNO / DOMINI 1561 PIE OBIIT ABSQVE LIBERIS ET IN HOC SACELLLO / SEPVLTVS EST GRATIAE MEMORIAE ERGO POSVERVNT ANNO DO(MINI) / 1618 WOLFGANGVS FRIDERICVS, IOANNES GEORGIVS ET WOLF = /GANGVS THEODORICVS CAMERARII VANGIONES A DALBERG TRES HVI[V]S / PROSAPIAE HOC TEMPORE CVM FILIIS SVIS PRO VOLVNTATE DEI SVPERSTITES / PATRV/ELESb)

Übersetzung:

Dem hochgeehrten und wackeren Herrn Eberhard Kämmerer von Dalberg, dem Wohltäter seiner Familie, der im Jahre des Herrn 1561 ohne Leibeserben fromm verschied und in dieser Kapelle beigesetzt ist, haben im Jahre des Herrn 1618 also in dankbarem Angedenken (dieses Denkmal) gesetzt, nämlich Wolffgang Friedrich, Johann Georg und Wolffgang Dietrich, Wormser Kämmerer von Dalberg, derzeit nach dem Willen Gottes mit ihren Söhnen die drei (einzigen) Nachkommen dieses Geschlechts auf Vaterseite/in männlicher Linie(?).

Wappen:
Kämmerer von Worms gen. von Dalberg, Flersheim; Vetzer von Geisspitzheim, Ingelheim.

Kommentar

Das Denkmal für den ausweislich zweier Grabplatten schon 1559 verstorbenen Eberhard Kämmerer1) verdankt seine Entstehung Eberhards kinderlosem Hinscheiden, durch das die anderen Familienzweige ein reiches Erbe antreten konnten. Durch weitere Todesfälle, namentlich derjenigen Eberhards 1614 und Wolffs 1616,2) konnte der Wallhausener Zweig der Dalbergischen Hauptlinie alle Ansprüche der Kämmerer-Familie auf sich vereinigen. Die Stifter sind 1616 erstmals urkundlich zusammen genannt im Lehensbrief des kurpfälzischen Erbtruchsessen Friedrich von und zum Hirschhorn auf Zwingenberg.3) Ein Jahr später verlieh ihnen Kurfürst Friedrich von der Pfalz das Oppenheimer Mannlehen der Familie.4) Für die Entstehung der Gedenkinschrift gibt der Tod von Wolff Dietrich, Mainzer Amtmann in der Grafschaft Rieneck, am 18. Juli 1618 einen Anhaltspunkt.5) Nur für den seinerzeit älte- sten Kämmerer, Wolff Friedrich (†1621), existiert noch eine Grabplatte.6) Der dritte Vetter Johann Georg starb 1634; ihr gemeinsamer Großvater war Friedrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg, zu Dalberg (†1574).7)

Textkritischer Apparat

  1. Danach CAMERARIO Kdm.
  2. Auf den Rand der Kartusche geschrieben.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 461 u. 473.
  2. Vgl. Nr. 634 u. 644.
  3. Dalberger Urkunden I Nr. 1429.
  4. Ebd. Nr. 1435.
  5. Humbracht Taf. 16 u. Dalberger Urkunden Nr. 1443 zum 17. August 1618.
  6. Vgl. Nr. 653.
  7. Vgl. Nr. 684 u. Europäische Stammtafeln NF XI Taf. 57.

Nachweise

  1. Abriß der herrschaftlichen Epitaphien.
  2. Ockhart fol. 141.
  3. Kdm. Worms 69.
  4. Schmitt, Herrnsheimer Dalberg 34f. u. Abb. X.
  5. Armknecht, Grabmäler der Dalberg 251 Nr. 8.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 649 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0064904.