Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 634 Worms-Herrnsheim, kath. Pfarrkirche 1614

Beschreibung

Grabdenkmal des Eberhard Kämmerer von Worms gen. von Dalberg. An der südlichen Außenwand, 6. Stein von Westen, 1893 im Boden des Chores gefunden.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift in vertiefter Leiste, fortgesetzt in größerer Schrift auf dem Rundbogen und in der Rundbogennische, in der die Figur des Verstorbenen steht, barhäuptig, gerüstet, die Hände vor der Brust zum Gebet gefaltet. Zu seinen Füßen liegen rechts unten Handschuhe, links unten der Helm. In den Zwickeln des Bogens und unter den Ellenbogen Wappen mit Beischriften. Die Oberfläche stark verwittert, der Rand teilweise ausgebessert.

Maße: H. 212, B. 112, Bu. 2,5-3,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/3]

  1. ANNO DOMINI · 1614 ·a) DEN 17 IVLII. MORGENDS VOR 6 VHRN IST DER / WOLLEDEL GESTRENG VND VESTE EBERHARD CAMMERER VON WORMS CNANDEb) VON DALBVRGc) · SEINES ALTERS IM 41 IAR IN GOT SELIGLICH VERSCHIDEN DEN [19] CHRISTLICHEN BEGRABEN WOR/DEN LEBTE IM EHESTANDT FRIEDLICH VND WOL MIT DER WOLEDLEN EHREN VND VILTVGENTREICHE(N) FRAWEN · ANNA // CAMMERIN VON WORMBS GN(AND) / VON DALBVRG GEBORNEN VON SICKINGEN // · 15 · IHAR · DEMd) GOTT EIN FRÖLICHES / VFERSTEHEN VERLEIHE · AMEN.

Wappenbeischriften:
DALBVRG, HENDSCHVGSHEIM, GRONBE[RG]b), FLECKE[NSTEIN]; SICKINGEN, LVTZELBVRG, ANDLA[V], [LAND]SBVRGe).

Kommentar

Trotz der starken Verwitterung ist eine sehr regelmäßige Kapitalis zu erkennen. Wenn auch die Gestalt des Ritters als plump bezeichnet wurde, weist das Denkmal in Komposition und Einzelheiten künstlerische Feinheiten auf.

Eberhard Kämmerer, der letzte der lutherischen Linie in Herrnsheim, war der Sohn Philipps (†1590) und der Anna von Handschuhsheim.2) Wie bei Vater und Bruder sind jeweils genaueste Todesdaten gegeben, Ehe und ihre Dauer beschrieben; Eberhard war angeblich in Ladenburg gestorben.3) Eine Wappenreihe wurde für die Ahnen der Ehefrau benutzt;4) Anna von Sickingen (†1619) war die Tochter Johann Schweickards und der Beatrix von Lützelburg. Nach ihrer zweiten Ehe mit Reinhard Schütz von Holtzhausen fand sie ihre Ruhestätte in Oppenheim.5)

Textkritischer Apparat

  1. Bis dahin fehlend bei Armknecht, weitere Lücken nicht gekennzeichnet.
  2. Sic.
  3. R über V.
  4. DEN Weckerling; DEM eindeutig zu lesen und nur auf Eberhard bezogen.
  5. So ergänzt nach Armknecht u. Humbracht Taf. 72; vgl. auch Anm. 5.

Anmerkungen

  1. Weckerling.
  2. Vgl. Familienepitaph von 1591, Nr. 552.
  3. Ockhart fol. 149 nach Helwich, Epit. Dalb. 41.
  4. Vgl. Nr. 536 u. 541.
  5. Armknecht u. DI XXIII (Oppenheim) Nr. 264.

Nachweise

  1. Weckerling, Neu aufgefundene Grabplatten 328f. Nr. 5.
  2. Armknecht, Grabmäler der Dalberg 256 Nr. 21 u. Abb.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 634 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0063404.