Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 471† Worms-Neuhausen, Cyriakusstift 1559

Beschreibung

Grabinschrift des Kapitularkanonikers am Cyriakusstift Pallas Adrian Thomas aus Lüttich. Im Kreuzgang. Wahrscheinlich Grabplatte mit Umschrift (A) und mehrzeiliger Inschrift im Feld (B).

Nach Hertzog.

  1. A

    Anno domini m d lix obiita) x die Maij venerabilis ac nobilis dominus Pallas Adrianus Thomassin de Lutish canonicus capitularis huius ecclesiae cuius anima requiescat in pace

  2. B

    Nobilis in parvo hoc Pallantis membra sepulchroDefuncti in Christo contumulata iacent.Liber in astriferam delatus spiritus arcem,Praesens salvifici conspicit ora DeiAeternaque psallit iubila sancta Patri.

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1559, am 10. Tag des Mai, starb der ehrwürdige und edle Herr Pallas Adrian Thomas(sin) von Lüttich, Kapitularkanoniker dieser Kirche. Seine Seele ruhe in Frieden. – Des edlen Pallas, verschieden in Christo, Glieder liegen in diesem kleinen Grab bestattet. Der Geist (= die Seele), frei zum gestirnten Himmel getragen, (dort) gegenwärtig gewahrt er die Gestade des heilbringenden Gottes und singt die ewig heiligen Preislieder des Vaters.

Kommentar

Obwohl Hertzog die beiden Inschriften als „Grabschrifft“ und „Epitaphium“ voneinander trennt, darf man nicht modernem Sprachgebrauch folgend daraus zwei Inschriftenträger vermuten. Mit „Epitaphium“ meinte er nichts anderes als die der Sterbenachricht beigefügte Spruchinschrift, wohl in Form einer im Feld der Platte abgesetzten Tafel.1)

Der Verstorbene, Sohn des Hubert Thomas aus Lüttich gen. Leodius, Biograph und Sekretär des pfälzischen Kurfürsten Friedrich II.,2) wurde am 15. Juli 1520 geboren und ist schon 1536 als Geistlicher in Neuhausen und später am Allerheiligenstift in Speyer nachgewiesen.3) Sein individueller Totenspruch in zwei elegischen Distichen und einem zusätzlichen Pentameter drückt schon die Heilsgewißheit der Gott schauenden Seele aus.

Textkritischer Apparat

  1. So die unübliche Reihenfolge nach Hertzog.

Anmerkungen

  1. So etwa beim Köbelschen Stein in Oppenheim, vgl. DI XXIII (Oppenheim) Nr. 150. Von der Wormser Stiftsgeistlichkeit sind aus der Mitte des 16. Jh.s verhältnismäßig wenig Grabinschriften überliefert, geschweige denn erhalten; ein vergleichbares Denkmal hatte wohl der gelehrte Domkanoniker Georg Jung aus Augsburg, ebenfalls 1559 gestorben, vgl. folgende Nr., erhalten.
  2. Böhn, Totenbuch 90 Anm. 35; zum Vater vgl. auch K. Hartfelder, Art. Leodius, in: ADB 18 (1883) 295f. Zu Grabsteinen des Hubert (†1556) und weiterer Angehöriger vgl. DI XII (Heidelberg) Nr. 283a, 296a, 298.
  3. Fabry, Cyriakusstift 80 (Hadrian Pallas) zu 1534, 1536 nach Villinger, Beiträge Neuhausen 64 (Adrian Pallas) gemäß Toepke I 558 Anm. 6; Hertzog.

Nachweise

  1. Hertzog, Beschreibung I 1 fol. 94.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 471† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0047105.