Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 445 Stadtmuseum 1.H.16. Jh./2.V.16. Jh.

Beschreibung

Grabplatte eines oder einer Unbekannten und der Katherina Krafft geb. Marckert, Frau des Hans. Westlicher Stein im Boden der 3. Nische des Kreuzgangsüdflügels, früher im Paulusmuseum.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien (A); im Feld oben zwei Wappen, darunter in sieben Zeilen fortgesetzte Inschrift. Allseits beschnitten und stark verwittert. Ein Foto von 1956 läßt noch etwas mehr erkennen.2)

Maße: H.(erh.) 106, B.(erh.) 88, Bu. 9,1 (A), 7,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A,B).

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    [............./ ......]a) dag · des · m[o]ndes · [....../ ............./ .......................]

  2. B

    [............./]b) gestorbe(n) · die · Ersam / fraue · kath[a]rina / hans(en)c) mar[ck]arte(n)c) · / [des] alte(n) · burgemeis/[t]ersd) · dochter · hanse(n) · / kraffte(n)e) eliche husf/[ra]wef) · der · got [gnad]

Wappen:
unkenntlich.

Kommentar

Im chronologischen Register zum Museumsinventar wird dieser Stein dem Jahre 1539 zugeschrieben.3) Ein Indiz dafür ist nicht bekannt; deshalb dürfte es sich dort um eine Verwechslung mit dem Todesjahr der Barbara! Krapff, Ehefrau des Peter, oder der Barbara Klipstein handeln. Späte gotische Minuskel, Verwendung von Frakturversalien und die verwandtschaftliche Einbindung erlauben eine Datierung in die erste Hälfte und wahrscheinlich in das zweite Viertel des 16. Jahrhunderts. Der Vater Hans Markkert gehörte seit 1487 dem Gemeinen Rat an, war 1486 Schultheiß, 1499 und 1513 Bürgermeister,4) Hans Krafft wurde 1524 in den Gemeinen Rat gewählt und 1528 zum Zeugmeister bestellt.5)

Aus dem geringen Verhältnis von erhaltener Höhe zur Breite läßt sich annehmen, daß über den halb sichtbaren Wappen noch genügend Raum war für eine Inschrift auf der oberen Leiste und wohl auch für Zeilen über den Wappen im Feld. Wenn man von dem häufigen 2:1-Format der Grabplatten ausgeht, wären über den Wappen noch etwa 60-70 cm zu ergänzen. Daher ist es gut möglich, daß es sich hier um zwei Grabschriften vielleicht zweier Verwandter handelt, da auch das Tagesdatum der Umschrift sehr weit von dem logischen Anschluß der Zeileninschrift, bei gestorben, entfernt ist.

Textkritischer Apparat

  1. Das Aussehen der Inschrift vor dag ist nicht bekannt.
  2. Datum fehlt; Buchstabenreste von A sind nicht zuzuordnen.
  3. Fehlt Mus.Inv.
  4. Nach Mus.Inv.
  5. hause/frawe Mus.Inv., anscheinend Zeile verwechselt.
  6. tv/, dann bricht Mus.Inv. ab.

Anmerkungen

  1. Alte Aufzeichnungen Nr. 83.
  2. Foto im StA Worms Neg.Nr. F 1766/20.
  3. Mus.Inv., chronologisches Verzeichnis; s. a. Nr. 428 u. oben Kap. 9.2.
  4. Kraus, Quellen II 123; Boos, Quellen III 661f.
  5. Kraus, Quellen II 124.

Nachweise

  1. Mus.Inv. MG Nr. 23.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 445 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0044507.