Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 265 Magnuskirche 1468

Beschreibung

Grabplatte eines/r Unbekannten, wahrscheinlich aus der Familie Folkrack/Folkragt. Außen an der Wand des nördlichen Seitenschiffs, 2. Stein von Osten. Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit gelbbraunen Einschlüssen und roter Kante links, mit Umschrift zwischen Linien, oben von zwei erhabenen Wappen unterbrochen, unter den Wappen im Feld fortgesetzt. Untere Hälfte fehlt, linke untere Ecke zweimal gebrochen.

Maße: H.(erh.) 134, B. 60, Bu. 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, sehr spät.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. · AN(N)O · D(OMI)NI ·/ M · CCCC · LXVIII · P(RI)DI[Ea)../........./..M]ELSV(N)GEN · FOLKRACK / NACHFARb)

Wappen:
? (griechisches Kreuz über Tuchschererklammer);? (Brezel).

Kommentar

Der Grabstein mit später gotischer Majuskel des 15. Jahrhunderts läßt sich nicht eindeutig zuordnen. Die Wappenbilder kommen allerdings auf Grabsteinen der Magnuskirche mehrfach vor: griechisches Kreuz mit Wolfsangel oder anderen Objekten bei Johann (von) Frankfurt (†1448), Cles gen. Finck (†1483), seiner Frau Margarete († Ende 15. Jahrhundert), NN./Katharina Jungler (†1448/1479), Johann Jungler (†1483); die Brezel erscheint bei Katharina Diel (†1505) und Katharina zum Phil (†1514).1) Eine Grabinschrift zu 1468 wurde von Johann Friedrich Reuß nicht erwähnt.2)

Ein Heinrich Folkragt war 1460 Bürgermeister, 1461/62 Schöffe.3) 1501 gehörte Peter Volkrag zu den Schöffen der Stadt Worms, für 1492 ist ein Zinsgeschäft mit dem Martinstift beurkundet.4) 1476 ist ein Haus in der Speyerergasse „neben Volkragks Nachkommen“ erwähnt.5)

Die Anwendung der sehr späten gotischen Majuskel auf diesem verhältnismäßig kleinen Stein zeigt an, daß die Größenrelation von Inschriftenträger und Schrift nicht für die Wahl zwischen Majuskel und Minuskel ausschlaggebend war.6)

Textkritischer Apparat

  1. P und I sicher, von D linker Schaft auf dem Foto des StA Worms Neg.Nr. F 1775/43 erkennbar.
  2. Zur Buchstabenverbindung machte man sich den Abschlußstrich des F zunutze.

Anmerkungen

  1. Vgl. die Nrn. 234, 293, 351, 235, 294, 373, 385.
  2. So nach Inhaltsverzeichnis bei Hüther, Geschichte der Magnuskirche 381f.
  3. Boos, Quellen III 661, Wormser Urkunden Nr. 630f.
  4. Urk. vom 27. Juli 1501, StA Worms II/83, Regest bei Reuter, Johann Philipp Bandel 64 Nr.3; Wormser Urkunden Nr. 869.
  5. Wormser Urkunden Nr. 727.
  6. Vgl. zur besonderen Schriftgeschichte der gotischen Majuskel in Worms oben S. LXI-LXIII.

Nachweise

  1. Fuchs, Wormser Inschriften Abb. 48.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 265 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0026509.