Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 221 Stadtmuseum, aus Magnuskirche 1429

Beschreibung

Grabplatte der Frau des Klasmann/Nikolaus zum Reiff. Im Hof, vor den Steinen an der alten Stadtmauer, 1970 beim Kellerausbau in der Magnuskirche gefunden.1) Hochrechteckige Platte aus grauem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, oben und rechts in der zweiten Reihe fortgesetzt; Feld leer. Fragmentarisch überliefert in zwei Bruchstücken, ein kleineres Bruchstück heute verloren. Oben rechts und unten links mit Schriftverlust ausgebrochen, Rand bestoßen, abgetreten, starke Ausblühungen.

Maße: H1. 73,5, B1. 84, H2. 103, B2. 68,5, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, spät.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. +a) AN(NO) · D(OMI)NI · M / CCCC · XX[IXo]b) [·] [I]P(S)Ac) · DIE · VISITAT(I)O/NI(S)d) · M[ARIAE / O(BIIT) ......]EL · VXOR / CLASEN / · ZVM [· R]EIFF · EI(VS) A(N)I(M)AR(EQVIES)C(AT)e)

Datum: 2. Juli 1429.

Kommentar

Die für Worms im 15. Jahrhundert typischen gotischen Majuskeln lassen nur wenige Einzelheiten erkennen, fügen sich aber in das aus besser erhaltenen Inschriften gewonnene Bild.2)

Ein Klasmann/Nikolaus zum Reiff ist zwischen 1426 und 1442 dreimal urkundlich erwähnt;3) bei seiner 1438 erwähnten Frau Anna könnte es sich um seine zweite Gattin gehandelt haben.4) Ein „Clas zum Reiffe der junge“ fungierte im Jahre 1400 als Zeuge in einem Notariatsinstrument über den Streit zwischen St. Paul und dem Müller des Eisbaches.5) Möglicherweise gehörte das Haus des „Clas zum Reiffe“, das 1367 und 1384 erwähnt wird,6) seinem gleichnamigen Vater. Es lag demnach an der Neubrücke von Neuhausen nach Worms. Der Grabstein findet sich nicht in dem Verzeichnis des Johann Friedrich Reuß.7)

Textkritischer Apparat

  1. Andreaskreuz.
  2. Ergänzt nach Foto im StA Worms Neg.Nr. M 12523.
  3. Unsicher zu lesen.
  4. Kürzungen sind auf dem beschädigten Rand nicht zu erkennen.
  5. Ab EIVS eine kontinuierliche Buchstabenfolge ohne Worttrenner und Kürzungszeichen, zwei Worte sogar ligiert. Die ungewöhnliche Form ist möglicherweise durch das relativ späte und unregelmäßige Einsetzen entsprechender Vota in Worms zu erklären.

Anmerkungen

  1. So Bemerkung zum Foto, wie Anm. b.
  2. Vgl. oben S. LXII.
  3. Wormser Urkunden Nr. 275, 389, 442.
  4. Ebd. Nr. 389.
  5. Boos, UB II 705 Nr. 1062.
  6. Ebd. 417 Nr. 643 u. 558 Nr. 855.
  7. Nach Hüther, Geschichte der Magnuskirche 381f.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 221 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0022101.