Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 173a† Liebfrauenstift 1390?

Beschreibung

Verlorene Grabplatte einer unbekannten Person. Ehemals im südlichen Seitenschiff zwischen den Platten Finco und Morschheim. Hochrechteckige Steinplatte mit Umschrift zwischen Linien. Auf Foto wegen totaler Abwitterung nur Buchstabenreste der rechten oberen Ecke erkennbar.

Nach Foto.1)

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. [anno domini] mo · ccc · / xca) · p(ro)xi[ma ... / ..... / ..... .....]

Kommentar

Der Plattenrest ist schriftgeschichtlich wegen des schlechten Erhaltungsgrades und ungünstigen Lichteinfalls kaum zu datieren; die heute zugänglichen Informationen können daher täuschen und die Voraussetzungen für eine Entscheidung zwischen 1390 und 1490 verfälscht haben. Wenn nicht doch vom ungünstigen Licht verursacht, könnte das x der Jahreszahl unten eine Brechung nach links aufweisen, wie sie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nicht mehr üblich ist, während beim Einsetzen der Minuskel die Stärken von Rechtsbrechung und Sporn nach links noch nicht konsequent unterschieden werden.2) Ein zweites x zeigt jedoch diese Linksbrechung möglicherweise nicht! Auch die Lage der Platte im zweiten Langhausjoch von Osten zwischen zwei Platten des 14. Jahrhunderts3) ist kein eindeutiges Indiz für eine frühe Entstehung. Außer der wenig aussagekräftigen Tatsache, daß mit dieser Inschrift dann der früheste Wormser Beleg einer gotischen Minuskel gegeben wäre, lassen sich kaum Argumente für die alternative Datierung auf 1490 beibringen; eher gegenteilig sinkt die Zahl der Verwendungen römischer Jahreszahlen stark ab; auch neigen die x am Ende des 15. Jahrhunderts oft zu schrägen oder zu unsymmetrisch am Schaft angebrachten Querstrichen sowie zu weit gespreizten Füßen.

Textkritischer Apparat

  1. Davon sicher lesbar nur xc.

Anmerkungen

  1. StA Worms Neg.Nr. M 9789, Repro von 1957, Zustand vor 1911.
  2. Beispiele für fehlende Dominanz einer Rechtsbrechung aus schlecht dokumentierter Zeit wären DI II (Mainz) Nr. 61; DI XXIII (Oppenheim) Nr. 43; DI XXV (Ludwigsburg) Nr. 52; DI XXVII (Würzburg) Nr. 109, 135, 170.
  3. Zwischen Nr. 89 (1309) u. 164 (1381); zum Problem originaler Lage vgl. oben Kap. 2.2.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 173a† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k00173a3.