Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 145 Dom, innen 1364

Beschreibung

Grabplatte des Domkustos Reinbold/Reimbold Beyer von Boppard. Eingemauert in der Ostwand des südlichen Querhauses, unter der jüngeren Orgelempore, ursprünglich unweit vor dem Clemensaltar im südlichen Querhaus.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, in den Ecken erhaben ehedem vier Ahnenwappen; im Mittelfeld unter erhabener gotischer Architektur mit krabbenbesetztem Maßwerkbogen und Fialen Figur des Verstorbenen in Halbrelief, auf Löwen stehend, den Kopf auf ein Kissen gebettet. Die Figur hält mit ihrer rechten Hand ein Buch vor den Leib, über dem linken angewinkelten Arm liegt eine Manipel. Abgetreten und bestoßen, oben und unten links die Ecken abgebrochen.

Ergänzt nach Hertzog und Helwich.

Maße: H. 255, B. 132, Bu. 10,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. [+] AN(N)O · D(OMI)NI · M · CCC · / LXIIII · TERCIO · KALENDAS · OCTOBRIS · O(BIIT) / REINB[OLDVSa) · BAYER · / DE ·] BOPARDIA · CVSTOS · HVI(VS) · ECC(LESI)E

Datum: 29. September 1364.

Wappen:
Beyer von Boppard, verloren2); Waldbott? (zwölffach geständert), unkenntlich (vielleicht Mühl/Miehlen von Difflich)3).

Kommentar

Die große und kunstvolle figürliche Platte lag nach Aussage Hertzogs im Boden vor dem Clemensaltar – trotz ihres verhältnismäßig starken Reliefs, denn die zur Datierung konformen schlanken Majuskeln rahmen eine erhabene Architektur und eine nahezu vollplastische tiefgelegte Figur ein. Der Verstorbene trägt in seiner rechten Hand ein Buch, über dem linken Arm eine Manipel, wohl ein Zeichen dafür, daß er nur die Diakonsweihe erhalten hatte.4)

Reinbold/Reimbold Beyer von Boppard, angeblich Sohn des dortigen Schultheißen Simon und der Elisabeth von Rhens,5) Bruder des seinerzeit amtierenden Wormser Bischofs Dietrich, war unter anderem auch seit 1353 Domherr in Trier und besaß eine Provision für Speyer.6)

Mit der verbreiteten Abstammungslinie ließen sich die von Hertzog abgezeichneten Wappenbilder nicht vereinbaren; vielmehr ist aus dem mütterlichen Wappen oben rechts auf dem Stein eine Waldbott, vielleicht von Waldmannshausen, und eine Großmutter väterlicherseits aus der Familie Mohr von Leun/Lünen (a.d.L.) zu erschließen.7) Das Wappenbild unten rechts, das anscheinend auf dem Kopf stand, für die Großmutter mütterlicherseits enthielt nach Hertzog eine Rose und wäre daher mit dem der Mühl/Miehlen von Difflich zu identifizieren; eine Irmentrud von Miehlen soll immerhin die Großmutter des Vaters Simon gewesen sein.8) Die widersprüchlichen Angaben aus den Wappenzeichnungen waren nicht zu entwirren; die Differenz zu anderwärtigen Informationen für die Stammfolge mag in der Tatsache begründet liegen, daß es sich bei dem vorliegenden Denkmal um eines der frühesten nichtbischöflichen mit einer vierteiligen Ahnenprobe handelt.9)

Textkritischer Apparat

  1. REINBALDUS Hertzog, BEINBOLDUS BEYER Helwich, REINPOLDUS BEYER Schannat.

Anmerkungen

  1. Helwich: zusammen mit dem Denkmal des Thomas Print von 1607 „in sacello S. Clementis“; Hertzog: „Im Thumb in dem neben Chor, bei dem oberen Chor wie man uf der seitten von St. Johann die Staffeln hinauf, da des Glockners Cammer ist, gehet, vor dem altar ligt ein Stein.“ Damit kann nur das Portal am südlichen Querhaus gemeint sein.
  2. Zeichnung bei Hertzog: geteilt, oben schreitender? Löwe, unten Gitter; siehe auch bei Anm. 7; bei Helwich, Opus genealogicum I fol. 73v ebenso u. Vermerk: „sicut Schenk von Schweinsberg“.
  3. Zeichnung bei Hertzog: im rechten Obereck Rose; Zeichnung bei Helwich, wie Anm. 2: Ankerkreuz.
  4. Böcher 54.
  5. Möller, Stammtafeln AF I Taf. XX; ebenso Europäische Stammtafeln NF IX Taf. 4f. u. Fouquet, Speyerer Domkapitel II 344.
  6. Kisky, Domkapitel 170, ausführlich Fouquet.
  7. So Möller, Stammtafeln AF III, Nachträge zu Tafel XX; die in der Großvatergeneration bezeugte Ehe mit einer Montabaur wird dort einem weiteren Heinrich zugeschrieben; das Wappen Montabaur ist für das Denkmal bei Helwich, wie Anm. 2 u. 3, überliefert; zum Wappen der Mohr von Leun vgl. Humbracht Taf. 219: in goldenem Schildhaupt ein schwarzer Löwe, darunter statt dem Gitter wie in Anm. 2 in gold drei schwarze Rauten. Die bildliche Nähe der Wappenpaare Rhens-Mohr und Montabaur-Mühl trägt sicher zur Verwirrung bei, umso mehr da in den gängigen Stammtafeln die Grundlage einzelner Zuweisungen gewöhnlich nicht genannt ist.
  8. Europäische Stammtafeln NF IX Taf. 4.
  9. Von den beiden nächsterreichbaren Steinen zum Jahre 1377 gehörte einer dem Heinrich zum Jungen, der andere Reinbolds Vetter Heinrich, vgl. DI II (Mainz) Nr. 765 u. 49.

Nachweise

  1. Hertzog, Beschreibung I fol. 229v u. II 4 fol. 234.
  2. Helwich, Syntagma 6.
  3. Schannat, Hist. ep. Worm. I 86.
  4. Kdm. Worms 197.
  5. Kranzbühler, Nachrichten 16.
  6. Kautzsch, Dom Taf. 148a.
  7. Schmitt, Bildwerke 331.
  8. Böcher, Alte Wormser Grabsteine Abb. 24.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 145 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0014506.