Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 144† Martinsstift 1363/1387?

Beschreibung

Grabplatte wohl des Ritters Johannes IV. Kämmerer von Worms, einer unbekannten Person und seiner Ehefrau Elisabeth geb. von Rodenstein. Im Boden des Kreuzgangwestflügels bei Bauarbeiten ab Dezember 1969 gefunden und dort dicht an der Nordwand belassen, verdeckt. Hochrechteckige Platte aus rotem marmoriertem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien (A), Wappenzone mit zwei oder drei Wappen, darunter zwischen Linien zweite Umschrift (B), links oben im verbleibenden Feld Monumentalbuchstaben (C), rechts darunter in der Form eines griechischen Kreuzes weitere Inschrift mit kleineren Buchstaben (D). Rechte Seite von Wand verdeckt, Oberfläche abgetreten und abgehoben.

Nach Reuter, ergänzt nach Ockhart.

Maße: H. 248, B.(erh.) 114 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A-D).

  1. A

    [ANNO DOMINI M CCC LXIII III NONAS MAII OBIIT JOANNES CAMERARIUS MILES FILIUS QUONDAM HENRICI] CAM[ERARII]

  2. B

    + ANNO · D[(OMI)NI ...../ ....... / ......... /]B ME(N)SE [......]

  3. C

    ER

  4. D

    [ANNO DOMINI M CCC LXXXVII IPSA DIE ASCENSIONIS OBIIT ELISABETHA DE RODENSTEIN UXOR JOANNIS CAMERARII]

Datum: 5. Mai 1363; 16. Mai 1387.

Wappen:
Kämmerer von Worms, Rodenstein, unbekannt.1)

Kommentar

Zwar wird man der Ockhartschen Überlieferung wenigstens hinsichtlich der Sachinformation vertrauen dürfen, doch ist die Identifizierung des Inschriftenträgers mit dem nicht mehr zugänglichen Stein zu erläutern. Peter Ruep verzeichnete mit den Markierungsbuchstaben ER die Grablege der Witwe Elisabeth Kämmerer von Worms geb. von Rodenstein;2) da sie ausweislich der Inschriften längere Zeit nach ihrem Gatten starb, könnte jenem die äußere Umschrift gehört haben. Der Text der zweiten Umschrift läßt sich nicht mit der für Elisabeth überlieferten Grabschrift vereinbaren, so daß diese hypothetisch in der kreuzförmig angeordneten Inschrift lokalisiert wird. Die unmittelbar danebenstehenden Monumentalbuchstaben wurden von Ruep nur zu dieser Inschrift gezogen, wenngleich er schon im nachfolgenden Eintrag mit obiger Information übereinstimmend einen Johannes, Sohn eines Heinrich, anführt; außer bei dem freilich schon vorher genannten Johannes Kämmerer gen. von Boppard kommt diese Namenskonstellation nur bei dem hier betroffenen Johannes IV. Kämmerer (†1363) vor.3)

Die beträchtlichen Ausmaße der Platte können leider nicht mehr nachkontrolliert werden; ein drittes Wappen kann sich nur im oberen Teil des Mittelfeldes befunden haben, ist jedoch auf der einzigen existierenden Fotografie nicht deutlich erkennbar.4)

Johannes IV. Kämmerer von Worms, Sohn Heinrichs d.J. und der Guda von Meckenheim, war verheiratet mit Elisabeth von Rodenstein, deren Sterbetag allerdings auch mit dem 30. April 1387 angegeben wird.5)

Anmerkungen

  1. Nach der Beschreibung Reuters: zweimal geteilt, die Rodensteinische Spaltung war wohl nicht mehr erkennbar; eine Verbindung zur Familie Flersheim ist erst ein Jahrhundert später bezeugt. Zum Problem des dritten Wappens unten bei Anm. 4.
  2. Ruep, Extractus anniversariorum [3].
  3. Ebd. [1] u.[3]; der Vermerk im Seelbuch, Liber animarum S. Martini fol. 32v, stimmt mit der Inschrift überein.
  4. StA Worms Neg.Nr. F 3019/10.
  5. Möller, Stammtafeln AF II Taf. LXV nach Liber animarum S. Martini fol. 32.

Nachweise

  1. Ockhart fol. 113 u. 118v (nach Helwich, Epit. Dalb. 4).
  2. Reuter, Grabsteine 74 Nr. 5.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 144† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0014407.