Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 116† Dom, innen 1332

Beschreibung

Grabplatte? des Bischofs Gerlach Schenk von Erbach. Im nördlichen Querhaus vor dem ehemaligen Martinsaltar.1) Wohl Platte im Boden mit Wappen und Umschrift.

Nach Helwich.

  1. Anno D(omi)ni m ccc xxxii xv kalendas Januarii obiit dominus Gerlacus de Erbach electusa) episcopus et confirmatus Wormatiensis cuius anima requiescat in pace

Datum: 18. Dezember 1332.

Wappen:
Bistum Worms?; Schenk von Erbach.2)

Kommentar

Abgesehen von den angegebenen Textvarianten stellt sich die Überlieferungssituation sehr uneinheitlich dar: Während Hertzog zu Bischof Gerlach behauptet, „Von diesem findt man weitter nichts dan uff seinem grabstein den Reim“, freilich ohne ein Zitat zu geben,3) erklärt Zorn kurz und bündig: „... steht nichts denn sein Wappen auf dem Grab.“4) Trotzdem gibt es keinen hinreichenden Grund, an der Überlieferung Helwichs, auf der alle nachfolgenden beruhen, zu zweifeln.

Bischof Gerlach, Sohn Eberhards V. und der Agnes von Breuberg,5) vor seiner Wahl Kanoniker in Speyer,6) war 1329 der Kandidat Kaiser Ludwigs, der Stadt und der Mehrheit des Klerus, dem Papst Johannes XXII. seinen Kandidaten Salman Klemann (†1359) aus Mainz entgegensetzte; aus dem sich anschließenden Streit bis weit in die vierziger Jahre hinein erwuchs großer Schaden für Stadt und Klerus durch Verhängung mehrerer Interdikte.7)

Da die Wormser Bischofschronistik Gerlach nur teils als ordentlich erwählten und bestätigten Bischof, der freilich nicht ordiniert worden war, anerkannte,8) könnte die disparate Überlieferungssituation zur Inschrift auf deren zumindest teilweise Kaschierung zurückgehen.

Textkritischer Apparat

  1. Nach Helwich, Prodromus, danach Gallia Christiana; ders., Syntagma hat nur episcopus Wormatiensis, Schannat: electus et confirmatus Wormatiensis episcopus.

Anmerkungen

  1. Helwich und Chronicon Wormatiense saeculi XV 69; nach Haupt, Gräber im Dom 358 Grab Nr. 49 oder 50.
  2. So wohl zu verstehen Catalogus episcoporum Wormatiensium fol. 62v u. Zorn, Chronik bei Arnold 135.
  3. Hertzog, Beschreibung I 2 fol. 211; eventuell meinte er ein nicht überliefertes Epigramm der Bischofschronik, vgl. oben S. XLVf., nur in Catalogus episcoporum Wormatiensium fol. 47.
  4. Zorn wie Anm. 2.
  5. Möller, Stammtafeln NF I Taf. XIV.
  6. Boos, UB II 207 Nr. 311. Eine undatierte Speyerer Grabinschrift eines Georg Schenk von Erbach überliefert Helwich, Syntagma 51 mit einem Lesefehler von einem, so vermutet Röttger in Kdm. Speyer 403f., schon zu Lebzeiten angefertigten Grabstein Gerlachs; das stimmt aber nicht, denn die Inschrift gehört dem 1509 verstorbenen Georg Schenk, vgl. Fouquet, Speyerer Domkapitel II 774. Gerlachs Anniversar wurde in Speyer mit der inschriftlichen Überlieferung Helwichs konform am 17. Dezember begangen, vgl. v. Busch/Glasschröder, Chorregel I 666 mit reichen biographischen Angaben, – gegen den 18. Januar 1332 als leicht verlesener Todestag nach Zorn, Chronik bei Arnold 135.
  7. Vgl. Boos, UB II 163ff. Nr. 231ff. u. Schannat 394ff.
  8. Nach Chronicon (wie Anm. 1) und Zorn (wie Anm. 2); Jüngere Bischofschronik: „electus et confirmatus, non ordinatus.“

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 5.
  2. Ders., Prodromus 37.
  3. Schannat, Hist. ep. Worm. I 395.
  4. Gallia Christiana V 682.
  5. Weckerling, Bischöfe von Worms 58 Anm. 48.
  6. Kranzbühler, Nachrichten 12 Nr. 19.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 116† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0011601.