Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 114 Andreasstift 1326

Beschreibung

Gedenkinschrift für einen Sarkophagfund und Stiftung eines Jahrtages. Außen über dem Sockel auf der Nordseite des Nordturmes in ca. 2,30 m Höhe. Vierzeilige linierte Inschrift auf mehreren Quadern aus gelbrotem Sandstein. Stark bestoßen und verwittert, schon im vergangenen Jahrhundert schwierig zu lesen.1)

Maße: H. 60, B. 230, Bu. ca. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. AN(N)O · D(OMI)NIa) · Mo · CCCo · XXVIob) · POST · JOH(ANN)IS · BAPT(ISTAE) · EXHVMA/TI · SV(N)T · H(IC) · I(N) CYMITERIOc) LXX · SARCOFAGId) · CV(M) OSSIB(VS) MOR/TVOR(VM) · QVE · REPOSITA SV(N)T · IN HAC · CRIPTA · ET / EOR(VM) AN(NIVERSAR)IVS · I(N) · VIG(ILIA) · JOH(ANN)IS · BAPT(ISTAE) · P(ER)AGITVR ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1326, nach (dem Fest) Johannes‘ des Täufers, wurden hier auf dem Friedhof 70 Sarkophage mit den Gebeinen Verstorbener ausgegraben, die in dieser Krypta wieder beigesetzt wurden. Ihr Jahrgedächtnis wird an der Vigil Johannes‘ des Täufers begangen.

Datum: 23. Juni 1326.

Kommentar

Die gotischen Majuskeln mit starken Schwellungen und Abschlußstrichen entsprechen den Schriftformen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts; durch die Zerstörung der Inschrift sind Einzelheiten freilich nur noch schwach zu erkennen. Besonders beim Datum sind nur noch undeutliche Reste erhalten. Die Jahreszahl wird man wegen der noch gerade erkennbaren Ordnungszahl über dem zweiten X als 26 lesen müssen; die I ist nicht zu POST zu ziehen. Mit der oben vorgeschlagenen Datierung wird ein größerer Zeitraum angesprochen, der für die Bergung der Sarkophage angemessener ist als ein Tagesdatum.

Die Gebeinfunde auf dem alten Friedhof zwischen Andreas- und Magnuskirche, d.i. der heutige Weckerlingplatz, wurden laut Inschrift in einer Krypta in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft beigesetzt. Unter dem benachbarten hochgelegenen Chor fand sich nur eine vielleicht doch erst spätere Gruft, keine Krypta im herkömmlichen Sinn.2) Die Frömmigkeit der Zeit veranlaßte außer der Umbettung auch die Festlegung von Seelenfeiern auf den Vorabend des vorangegangenen hohen Heiligentages. Über das Schicksal der Särge und damit über eine eventuelle Datierung der Gräber ist nichts bekannt.

Textkritischer Apparat

  1. I überschrieben.
  2. MCCXXXVI Mone, Kdm., Böcher.
  3. in hoc cimiterio Zorn-8; cymitherio Schannat; coemiterio Mone.
  4. sacrofagi Mone.

Anmerkungen

  1. Nach Kdm. u. Kraus.
  2. So Böcher 3 u. 5. Metzler, Wiederherstellung 283 datierte die Gruft unter dem Chor ohne Begründung später als die Inschrift und gibt das in den Putz gehauene Jahr 1610 an, vgl. Nr. 568.

Nachweise

  1. Schannat, Hist. ep. Worm. I 128.
  2. Zorn-8 fol. 100v.
  3. Zorn-Meixner fol. 43v.
  4. Mone, Kunstnachrichten Sp. 57.
  5. Kdm. Worms 153.
  6. Kraus, Christliche Inschriften II 77 Nr. 164.
  7. E. Kranzbühler, Eine Krypta in der Wormser Andreaskirche?, in: Vom Rhein 2 (Worms 1903) 13 Anm. 2.
  8. Böcher, St.-Andreas-Stift 5.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 114 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0011403.