Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 104 Stadtmuseum, aus Worms-Hochheim, Maria Himmelskron 1321

Beschreibung

Grabplatte der Agnes, Ehefrau des Ritters Dirolf. Steinsammlung im Hof an der Stadtmauer, 6. Stein von Osten, aus Kloster Maria Himmelskron in Hochheim.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. In der Mitte in zwei Teile zerbrochen, Rand und Oberfläche bestoßen.

Maße: H. 264,5, B. 116,5, Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. + ANNO · D(OMI)NI · / Mo · CCCo · XXoIo · XVoa) · K(A)L(ENDAS) · MAII · O(BIIT) · D(OMI)NA · / AGNES · VXOR · / DO(MINI)b) · DYROLFI · MIL(ITIS) · PIA · FV(N)DAT(RI)X · H(VIVS) · LOCIc)

Datum: 17. April 1321.

Kommentar

Die mächtige Platte mit ebenso kräftigen Majuskeln ist an ihrer Oberfläche bestoßen, so daß man unter die Zeile reichende Cauden nur bei zwei A erkennen kann. Besonders bei A, M und N sind die Unterschiede zwischen Schatten- und Haarstrichen zugunsten eines dekorativen Kontrastes sehr groß gehalten; deutlich wird das bei dem anachronistischen kapitalen M in MAII, bei retrograden kapitalen N und dem spitzen A mit gebrochenem Mittelbalken und linkslastiger Trabs in DOMINA. Nicht durchgezogene Mittelbalken bei A und E waren ehemals wohl mit weiteren Zierstrichen versehen.

Agnes, Tochter des Conrad zum Rosenbaum,2) war in beider zweiter Ehe mit Ritter Dirolf von Hochheim vermählt. Der Stein nennt sie ausdrücklich als (Mit)gründerin des Klosters, wie es schon die bischöfliche Bestätigung der Gründung tat.3) Nach dem Tode Dirolfs erneuerte sie 1319 die frühere Schenkung.4)

Textkritischer Apparat

  1. Sic. Das X der XV darf nicht zum Jahr für 1329 gezogen werden, wie das Schannat, Würdtwein, Kemmerer und Böcher taten. Am Stein läßt sich das Jahr 1321 durch die Trennpunkte eindeutig belegen. Die Verlesung beruht mit auf einer Verschreibung des Kirschgartener Chronisten, Chronicon Wormatiense saeculi XV 60, der angibt „obiit 5. calend. maii“, freilich ergänzt „quae tunc erat in nocte parasceves“; von den möglichen Datierungsvarianten fielen aber nur die 15. Kalenden des Jahres 1321, wie oben gelesen, auf Karfreitag. Vgl. schon Gensicke, Ritter Dirolf. Mus.Inv. verlas V zu I. Der im Seelbuch, Liber animarum S. Martini fol. 29v, angegebene Tag des Anniversars, nämlich die 16. Kalenden des Mai (= 16. April), läßt sich mit durchaus häufigen geringen Differenzen zum Todesfall erklären, da für das Anniversar nicht selten die Vigil gewählt wurde.
  2. Fehlt Mus.Inv.
  3. OCI wegen Raummangel in kleinerer Schrift hochgesetzt.

Anmerkungen

  1. Mus.Inv., Schalk.
  2. Schalk; vgl. oben Nr. 55.
  3. Boos, UB I 247f. Nr. 384.
  4. Ebd. II 102 Nr. 148. Zu Dirolf vgl. Nr. 97.

Nachweise

  1. Schannat, Hist. ep. Worm. I 167.
  2. Würdtwein, Monasticon Wormatiense II fol. 223.
  3. Kemmerer, Beitrag.
  4. Mus.Inv. MGH Nr. 23.
  5. Böcher, Anfang und Ende 159.
  6. Schalk, Grabsteine 222 Nr. 15.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 104 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0010405.