Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 71 Dom, innen A.14. Jh.

Beschreibung

Grabplatte eines ungenannten Geistlichen aus der Familie von Schönberg, früher mit Dompropst Otto von Schönberg identifiziert. Heute Altarmensa des Walburgisaltars, früher des Magdalenenaltars.1) Ehemals hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien (A) und Monumentalbuchstabe (B) in der Mitte. Kleine Kreuze und das quadratisch ausgeschnittene Reliquiengrab sowie Beschneidungen oben und wohl rechts stammen aus der Zeit der Zweitverwendungen.

Maße: H.(erh.) 220, B.(erh.) 93, (geschätzt) ca. 124, Bu. 10 (A), 28 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A), gotische Majuskel, spät(?) (B).

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    + ANN[O ........ / .................. / ......] · SCH/ONE(N)BVRG [...]a) · HVI(VS) · ECC(LESI)E

  2. B

    · F ·b)

Kommentar

Die von Wörner im Wormser Kunstdenkmalband vorgenommene und bisher nicht angezweifelte Identifizierung des Verstorbenen mit Dompropst Otto von Schönberg, nach Schannat gestorben 1354,2) konnte zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen, widerspricht jedoch dem Schriftbefund. Zwar kann man das Fehlen von Abschlußstrichen bei C und E Beschädigungen der Plattenoberfläche anlasten, doch weisen auch quadratische Proportion vor allem der runden Buchstaben und die Ausbildung einzelner Buchstaben und ihrer Teile zum Anfang des 14. Jahrhunderts. In ihrer relativen Feinstrichigkeit sind die Buchstaben B und R denen auf dem Stein des Berzo (†1306) und auf Steinen der Jahrhundertwende aus dem Hochheimer Kloster Maria Himmelskron wesentlich näher als den mutmaßlich zeitnahen der Äbtissin Anna von Friesenheim (†1346) und der anderen Hochheimer Steine von 1355 bis 1357.3) Weder relativ geringe Schwellungsstärken an Hastenenden und Bögen noch Krümmungsradien und Proportionen lassen sich mit einer Datierung um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Einklang bringen.

Dem genannten Otto von Schönberg, wohl 1330 schon Propst des Paulusstiftes, als Sohn Ottos gen. von Strayzburch und der Agnes von Ulmen angesehen,4) kann die Grabplatte nicht gehört haben, wohl aber einem Arnold von Schönberg, als Kanoniker am Dom 1283 und 1301(!) urkundlich nachgewiesen.5) Eine Ergänzung der ausgeschnittenen Stelle zu CAN(ONICVS) ließe sich im vorhandenen Raum auch leichter unterbringen als ein abgekürztes PRAEPOSITVS.

Der Monumentalbuchstabe F gehört wegen seiner unsymmetrischen, sehr breiten Bogenschwellung wohl schon ins 15. Jahrhundert und diente als Grabmarkierung.6)

Textkritischer Apparat

  1. Raum für 3-4 Buchstaben, ein Kürzungszeichen auf dem Rand.
  2. Gegenüber dem Anfang der Umschrift auf dem Kopf stehend.

Anmerkungen

  1. Kdm. gemäß Zettel, der auf der Rückseite der im Holzrahmen eingefügten Schieferplatte angeklebt war, mit dem Text: „Consecratum est hoc altare in honorem sanctae Mariae Magdalenae in ecclesia Wormatiensi super mortem dedicatae dominica Reminiscere ao. Mo IIIIo XCVIII“; das Jahr hat wohl zu heißen „Mo IIIIc XCVIII“ für 1498. Der Maria Magdalena-Altar ist sonst nicht bekannt. Gemäß Chronicon Wormatiense saeculi XV 67 B* wurde der Walburgisaltar von Bischof Emerich von Schöneck (†1318) geweiht. Der heutige Altar stammt laut inschriftlicher Datierung von 1738.
  2. Schannat, Hist. ep. Worm. I 75.
  3. Vgl. Nr. 84 (1306), 73ff. (1301ff.), 128 (1346), 139ff. (1355-1357).
  4. Vgl. Boos, UB II 166f. Nr. 236; Möller, Stammtafeln AF I 98.
  5. Boos, UB II 730 Nr. 410* u. II 1f. Nr. 2.
  6. Zum Problem der Grabmarkierung vgl. oben S. XCVIIf.

Nachweise

  1. Kdm. Worms 189.
  2. Schmitt, Bildwerke 331.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 71 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0007107.