Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 25† Dom, innen vor/um 1181?

Beschreibung

Sarkophagdeckel für den Wormser Bischof Burchard I., hier genannt Buggo. In der Krypta im Westchor unmittelbar vor dem Laurentiusaltar heller Sarkophag, dessen halbrunder oder wulstiger Deckel mit einer Inschriftenzeile beschrieben war.

Nach Helwich.

Schriftart(en): Romanische Majuskel.1)

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. HIC · IACET · BVGGO · QVONDAMa) · ISTIVS · LOCI · EP(ISCOPV)S ·

Übersetzung:

Hier liegt Buggo, einst dieses Ortes Bischof.

Kommentar

Die nach Auskunft des einzigen Augenzeugen, Georg Helwich, seinerzeit verschmutzte und im Dunkeln liegende Inschrift war offenbar in kapitalen Formen geschrieben; das legt jedenfalls seine Nachbildung nahe, die Ligatur, Kürzung, eingestellte Cauda des Q und inseriertes N wiedergibt. Die Nachbildung bei Schannat imitiert wohl nur Helwich, nähert sich freilich vorgotischen Buchstabenformen.

Ausweislich der Bestattungsnachrichten für Wormser Bischöfe kann es sich hier nur um den Grabplatz Bischof Burchards I. (†1025) gehandelt haben.2) Helwich und ihm folgend Kranzbühler wiesen die Inschrift Bischof Burchard II. (†1149) zu, für den allein der Name Buggo in Fremd- und Selbstzeugnissen gängig war; jener lag aber zweifellos in seiner Zisterziensergründung Schönau bei Heidelberg begraben, weshalb Helwich in seinem Syntagma eine erste und später wohl wegen der Namengebung und einer ihm bekannten Translation3) zurückgenommene Identifizierung mit Burchard I. gab. Wegen der Überführung Burchards I. in den Hauptchor und der seinerzeit im Westchor vorhandenen Platte mußte Helwich eine nicht bezeugte Überführung der Gebeine Buggos/Burchards II. von Schönau nach Worms annehmen.4) Für die Übertragung von Gebeinen Buggos/Burchards II. aus Schönau böte allenfalls die Auflösung des Klosters in der kurpfälzischen Reformation Anlaß, aber danach hätte Helwich die Inschrift kaum mit „vetustis literis“ beschrieben. Vielmehr dürfte es sich um das Ergebnis einer im Zuge der Westchorerneuerung vorgenommenen Umbettung Burchards I. gehandelt haben, dessen Grabbehältnis wohl erst damals eine Inschrift begegeben wurde; so jedenfalls erklärt man gewöhnlich das QVONDAM.5) Bei einer solchen nachträglichen Kennzeichnung wird auch die Übernahme der Namensvariante seines Namensvetters verständlich. Den zeitlichen Ansatz wird man daher vor oder um das Datum der Weihe von 1181 suchen müssen.6) Ein angebliches Epitaph Burchards I. ist nichts anderes als ein den Namen etymologisierendes Zitat aus der Bischofschronistik.7)

Burchard von Worms, Erneuerer des Domes, Bauherr und geistlicher Organisator in Worms, erlangte an seinem Wirkungsort, obwohl nie kanonisiert, schon früh heiligmäßige Verehrung.8)

Textkritischer Apparat

  1. Nach Helwich Cauda des Q und N eingestellt.

Anmerkungen

  1. Nachempfindung bei Helwich; allerdings fragliche Nachzeichnung mit Stilisierung von Buchstaben bei Schannat, dem Kranzbühler wohl mit Recht mißtraute. Helwich, Syntagma: „In crypta sub praedicta ara S. Laurentii est sarcophagus lapideus coloris albi, in cuius operculi sive tegimenti, quae rotunda est, superficia in longum unius lineae est haec vetustis literis inscriptio, quam ipsemet abstersis pulveribus adhibito lumine, quoniam locus ille tenebrosus est, legi.“
  2. Chronicon Wormatiense saeculi XV 32 u. Bischofschronistik nach Zorn, Chronik bei Arnold 40.
  3. Translation der Gebeine Burchards I. nach Helwich, Prodromus 22f., auch in der Bischofschronistik nach Boos, Quellen III 32. Helwich sah noch eine Tafel, „chartamque appositam legi his verbis inscriptam: Heu heu charissimi magnum festum decens esset obtinere de Burckardo tertia die ante festum nativitatis Mariae Virginis propter passionem praesul Burckardus huc non est canonisatus huius fundator templique reaedificator“, vgl. auch unten bei Anm. 8.
  4. Helwich, Prodromus 27. Begräbnis in Schönau nach Bischofschronistik auch bei Zorn, Chronik bei Arnold 50 u. Schannat 354; zur nicht zweifelsfrei bezeugten Grabinschrift vgl. DI XII (Heidelberg) Nr. 3.
  5. Haupt.
  6. Vgl. zur Baugeschichte oben S. XVIIf.
  7. Brusch, Epitomes I fol. 112v, Zorn, Chronik bei Arnold 40 u.v.a.
  8. Vgl. oben Anm. 3 sowie die Vita S. Burchardi episcopi Wormatiensis bei Boos, Quellen III 97-126; K. Börschinger, Burchard I., Bischof von Worms 1000-1025, in: Wormatia Sacra. Beiträge zur Geschichte des ehemaligen Bistums Worms. Worms 1925, 1-7; H. Schmitt, Bischofs Burchards Verehrung, ebd. 45-51; W. Metz, Zur Herkunft und Verwandtschaft Bischof Burchards I. von Worms, in: Hess. Jb. f. Landesgeschichte 26 (1976) 27-42.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 7.
  2. Ders., Prodromus 27.
  3. Schannat, Hist. ep. Worm. I 334 u. Abb. Taf. III, 3 (Nachzeichnung).
  4. Gallia Christiana V 673.
  5. Kraus, Christliche Inschriften II 78 Nr. 166.
  6. Kranzbühler, Bischofsgräber 17 Nr. 3.
  7. Ders., Nachrichten 9 Nr. 6.
  8. Weckerling, Bischöfe von Worms 58 Anm. 30.
  9. Haupt, Gräber im Dom 353.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 25† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0002503.