Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 24† Dom, Kreuzgang 1170-1180 o. später

Beschreibung

Bibelspruch an einer Wand des romanischen Kreuzganges auf Spruchbändern. Wandmalerei.

Nach Vulgata.1)

  1. Quis est iste, qui venit de Edom, tinctis vestibus de Bosra? iste formosus in stola sua, gradiens in multitudine fortitudinis suae. Ego, qui loquor justitiam, et propugnator sum ad salvandum.

Übersetzung:

Wer ist dieser, der von Edom kommt, in geröteten Kleidern von Bosra, dieser prangend in seinem Gewande, einherschreitend in der Fülle seiner Kraft? Ich bin es, der ich Gerechtigkeit rede und Vorkämpfer bin zum Heile.

Kommentar

Zwar darf man Falk die korrekte Identifizierung des Bibelspruches zutrauen, jedoch nicht ohne weiteres eine genaue Umsetzung aus der Vulgata annehmen. Auch ist die Zeitstellung nicht zweifelsfrei klärbar: Der Gewährsmann erwähnt die Inschrift im Zusammenhang mit dem romanischen Kreuzgang des 12. Jahrhunderts;2) dessen Nordwand war jedoch auch nach dem gotischen Umbau noch zugänglich, außerdem wurden nicht alle Bauglieder auch in ihrer Entstehungszeit mit Wandmalereien geschmückt, so daß eine weit spätere Entstehung möglich und sogar wahrscheinlich ist. Zweifel an Zeitstellung und Originalität sind erst recht angebracht, wenn man bedenkt, daß außer dem Christophorus-Bild bis ins 19. Jahrhundert kaum größere Teile von alten Wandmalereien erhalten geblieben waren und der Spruch nicht in den Themenkanon von romanischen Kirchenausmalungen paßt.

Anmerkungen

  1. Hypothetische Textgrundlage zur Bemerkung bei Falk: „An der andern Malerei ist der ganze erste Vers des 63. Kapitels bei Isaias auf Spruchbändern geschrieben“ – Is. 63,1.
  2. Der Nordflügel datiert bei Hotz, Dom 107 auf um 1170, der Kreuzgang auf 1170 bis 1180.

Nachweise

  1. Falk, Bildwerke 26 Anm. 2.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 24† (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0002404.