Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 2 Stadtmuseum, von Friedhof(?) westlich der Mainzer Straße 5.-6. Jh.

Beschreibung

Grabstein angeblich eines Finolfus(?). 1937 bei einer Pfrimmbachregulierung gefunden. Fragmentarische hochrechteckige Platte aus rot-weißem Sandstein mit zweizeiliger, durch Linien abgetrennter Inschrift (A); darunter Christogramm in Kreis, flankiert von Buchstabenresten (B), rechts davon netzartige Schraffur. Oben, rechts und unten abgebrochen, zweite Zeile beidseitig beschädigt.

Maße: H.(erh.) 38, B.(erh.) 51,5, Bu. 2,5-3 cm.

Schriftart(en): Frühchristliche Schrift.

  1. A

    [.] HIC QVIESCIT IN PACE / [...G]ASa) NOMENE FL[.]OL[I]V[.]b)

  2. B

    [T.]T // PRc)

Übersetzung:

Hier ruht in Frieden [...] mit Namen Fl[...](?).

Kommentar

Der Grabstein angeblich des Finolfus wurde als einziger frühchristlicher Stein 1937 im nördlichen Worms westlich der Hauptstraße nach Mainz gefunden. Alle Wormser Grabsteine aus der nördlichen Vorstadt gehören einer frühen Phase an, nämlich dem 5.1) oder 5.-6. Jahrhundert2); diesem Ansatz entsprechen knappes Formular, Namenformen, Ornamentik und Schriftniveau,3) wobei Eingrenzungen nicht zu knapp vorgenommen werden sollten.

Der vorliegende Stein unterscheidet sich zwar von den anderen in der Mischung der Sonderformen durch V, nach links gekipptem M und teils linearen, sehr regelmäßigen Buchstaben, muß jedoch trotzdem in ihre zeitliche Nähe gerückt werden, da er in der Verwendung des „Zwei-Strich-Q“, hier nach unten auslaufend, und weitgehend im Typ mit ihnen übereinstimmt. Die Formel „hic quiescit“ mit ihren Varianten kommt sowohl am Mittelrhein als auch früher in Trier proportional besonders häufig vor.4)

Frühmittelalterlich belegt sind die Namenformen Finnold, Finnolf, Findolt und Flidulf.5)

Textkritischer Apparat

  1. (as Boppert; trotz Bogen vor A von Behrens zu INFA(N)S ergänzt. Der Bogen ist offener als bei C, daher im Vorschlag G, was zu einer Standesbezeichnung i.w.S. oder gar zu einem Namen zu ergänzen wäre. Bauer las: ..CASNOI..L.N.F...O....
  2. Die Lesung FINOLFVS läßt sich wegen deutlichem FL und zu geringem Raum für N nicht aufrecht erhalten; es ist nicht einmal unbestreitbar, daß der Name überhaupt nach NOMENE gesetzt wurde wie bei anderen mittelrheinischen Steinen, vgl. Boppert 70 zum Mainzer Munetrudis-Stein. Freilich nur zwei Trierer Steine haben den Namen vor NOMINE, vgl. Gose, Katalog der frühchristlichen Inschriften Nr. 437 u. 450 nach Verbesserung bei Krämer, Frühchristliche Grabinschriften Triers 93.
  3. Eine denkbare Ergänzung wäre [POSVIT TI]T[(VLVM)]P(ATE)R.

Anmerkungen

  1. So für andere Steine Bauer.
  2. Für 6. Jahrhundert Büttner, Frühes fränkisches Christentum 32 und zustimmend Boppert.
  3. Boppert 4 u. Bauer 9ff. Vgl. vorangehende Nr. zur paläographischen Datierung. In Trier diese Form des Christogrammes nach Gose (wie Anm. b) 129 eine der jüngeren.
  4. Boppert 6 u. für ausführliche Formularvergleiche Krämer (wie Anm. b) 31-33.
  5. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch I Sp. 507ff.

Nachweise

  1. W. Bauer, in: Mitteilungsblatt des Altertumsvereins Worms 8 (1937) 47.
  2. G. Behrens, Römische Steininschriften aus Mainz und Rheinhessen, in: MZ 33 (1938) 46f. Nr. 20 u. Abb. 34.
  3. Boppert, Frühchristliche Inschriften 159f. (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 2 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0000200.