Inschriftenkatalog: Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 67: Stadt Passau (2006)

Nr. 70 Domhof, Ortenburgkapelle (1366)

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domdekan Gundacker, an der Südwand in der östlichen Nische, untere Reihe. Rotmarmor. Im Mittelfeld schräggestelltes Wappen in Relief, darüber Ritzzeichnung des Verstorbenen im Superpelliceum, kniend mit zum Gebet erhobenen Händen nach links gewandt, unter einem Siebenpassbogen. Schrift umlaufend nach innen gerichtet zwischen vertieften Linien, an der oberen Schmalseite eine zweite Zeile. An den Rändern – wohl beim Versetzen – beschädigt, ausgebessert, teilweise mit Buchstabenverlust. Standort 1863 in der Andreaskapelle1), nach mehrmaligem Standortwechsel seit 1960 am heutigen Platz.

Maße: H. 227 cm, B. 105 cm, Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. + GVNDACHARVS / · DECANVS · PATAUIENSIS · OBIIT · ANN/O · DOMINI · Mo · CCCo /[· L]a) X · VI · DOMINICA · POST · FESTV(M) · CORPO/RIS · CHRISTIb) ·

Übersetzung:

Gundacker, Dekan zu Passau, starb im Jahre des Herrn 1366 am Sonntag nach dem Fest Fronleichnam.

Versmaß: Zur Schrift vgl. Einleitungskapitel S. XXXVII; zum Inschriftenträger bzw. zur Inschriftenart vgl. Einleitungskapitel S. LIX.

Datum: (1366) Juni 07.

Wappen:
unbekannt2).

Kommentar

Nach Krick ist dieser Gundacker Sohn des Passauer Stadtrichters Johann Gundacker, vielleicht war sein Vorname ebenfalls Johannes. Urban Gundacker, der Stifter des Heilig-Geist-Spitals3), wäre dann sein Bruder. Gundacker ist urkundlich 1331–1365 belegt, war Scholaster, 1341 Dompfarrer und wurde um 1349 Domdekan. Er war außerdem Domherr in Prag4) und Olmütz5), Pfarrer in Albrechtsberg6) (1350) und Kirchberg am Wagram7) (1356) sowie apostolischer Protonotar8).

Textkritischer Apparat

  1. Zerstört, mit rot gefärbtem Mörtel unter Zeichenverlust ausgebessert, Ergänzung nach Krick, ebenso Cgm 1730, Cgm 1730 und StBP Hist. eccl. 130 VII gr.
  2. Zeile an der oberen Schmalseite unter der Anfangszeile; Worttrenner in Form eines Punktes auf der Zeilenmitte.

Anmerkungen

  1. Erhard, Geschichte II, 66.
  2. Schräggespalten, oben ein sich aufrichtender Hund, unten ein Schrägbalken. Gleiches Wappen wie Nr. 68, jedoch spiegelverkehrt.
  3. Vgl. Nr. 68.
  4. Praha (Prag)/Tschechische Republik, Kathedrale St. Veit.
  5. Olomouc (Olmütz)/Tschechische Republik, Kathedrale St. Peter.
  6. Welches Albrechtsberg gemeint ist, war nicht zu ermitteln, evtl. Albrechtsberg a.d. Großen Krems, Pol. Bez. Krems/NÖ. Vgl. Zinnhobler, Bistumsmatrikeln IV, 114.
  7. Kirchberg am Wagram, Pol. Bez. Tulln/NÖ., Pfk. St. Stephan.
  8. Zu Gundacker vgl. auch Krick, Domstift 11, 33, 1177 Nr. 97.

Nachweise

  1. Cgm 1730, fol. 21r; BZAR Gen. 1279, Heft 1 p. 18; SASR HV NL Wimmer 14b; ABP OA, Sammlung Stinglhamer/Krick 151, Nr. 77; StBP Hist. eccl. 130 VII gr, Nr. 77; Kdm Passau 170f., Fig. 116; Krick, Domstift 244, 253 Nr. 30; Fuchs, Standorte 325 Nr. 9.

Zitierhinweis:
DI 67, Stadt Passau, Nr. 70 (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di067m010k0007003.