Inschriftenkatalog: Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 67: Stadt Passau (2006)

Nr. 54 Niedernburg, Klosterkirche/Dombauhütte 1360

Beschreibung

Drei Fragmente der Wappengrabplatte für den Stadtrichter Oswald Pucher. Fragment 1 in der St. Erasmus-Kapelle der Klosterkirche von Niedernburg an der Südwand im westlichen Joch, neben dem Eingangsgitter, Fragmente 2 und 3 im Lapidarium der Dombauhütte. Herkunft unsicher, zu Zeiten von Cgm 5620 in der ehemaligen St. Wolfgangskapelle1) in Niedernburg, zu Zeiten von ABP OA, Sammlung Stinglhamer/Krick 151 und StBP Hist. eccl. 130 VII gr 1881 befanden sich die Bruchstücke noch in der Parz-Kapelle2). Rotmarmor. Fragment 1 umfasst einen Teil der rechten Längsseite, Fragment 2 die untere Schmalseite, Fragment 3 einen Teil der linken Längsseite. Schrift umlaufend, nach innen gerichtet, zwischen zwei vertieften Linien. Auf Fragment 3 Reste eines Vollwappens in Ritzzeichnung: die obere Langseite des gelehnten Wappenschildes, das Visier eines Topf- oder Kübelhelmes mit den Resten einer ehemals inkrustierten Helmzier.

Text ergänzt nach Cgm 5620.

Maße: H. 32 cm, B. 75 (Fragment 1), H. 34 cm, B. 95 cm (Fragment 2), H. 90 cm, B. 55 cm (Fragment 3), Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/3]

  1. [ANNO DOMINI MCCCLX OBYT OSW]ALDVS DICT(VS)a) PV//HERb) · / JVDEX · PAT(AVIENSIS)a) · FE[RIA TERTIA PROXIMA]c) POST · FESTV(M) · O(MN)I(V)Md) [SANCTORVM]e)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1360 starb Oswald, genannt Pucher, Richter zu Passau, am nächsten Dienstag nach dem Fest Allerheiligen.

Datum: 1360 November 03.

Kommentar

Zur Schrift vgl. Einleitungskapitel S. XXXVII.

Oswald Puchers Bruder Heinrich war ebenfalls Stadtrichter3). Nach Angaben der Zettelkartei Schmid soll Oswald mit einer Diemut, der Tochter des Friedrich Hofmeister, verheiratet gewesen sein4). Erhard und Loibl nennen Oswald Pucher nicht in ihren Stadtrichterlisten5).

Textkritischer Apparat

  1. Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  2. Wechsel von Fragment 1 zu Fragment 2, Cgm 5620 bietet Pucher.
  3. Übergang von Fragment 2 auf Fragment 3; genaue Stelle des Fragmentwechsels unsicher.
  4. Kein Kürzungszeichen erkennbar; von M nur der linke geschlossene Teil erkennbar, rechter Teil mit Mörtel ausgefüllt?
  5. Worttrenner in Form eines Punktes auf der Zeilenmitte.

Anmerkungen

  1. Die ehemalige Wolfgangskapelle schloß südlich an die ehemalige Marienkirche an. Sie ist jetzt in ein Treppenhaus umgebaut. Vgl. Mader, Vergessene Kirchen 31.
  2. SASR HV NL Wimmer, ABP OA, Sammlung Stinglhamer/Krick 151, und auch StBP Hist. eccl. 130 VII gr fanden nur noch Bruchstücke vor, die dort anhand einer schematischen Zeichnung wiedergegeben sind. Daraus wird ersichtlich, dass damals zusätzlich zu den heute vorhandenen Fragmenten ein weiteres Stück vorgelegen hat, das einen Teil der Datierung umfasste: – – –]INI / M · CCC · LX[– – –.
  3. Siehe Nr. 62†.
  4. SAP Zettelkartei Schmid, Kasten 3, nach den dortigen Angaben könnte es sich bei dem Ehemann der Diemut auch um einen Ruger Oswald gehandelt haben.
  5. Erhard, Geschichte II, 156, Loibl, Passaus Patrizier 96.

Nachweise

  1. Cgm 5620, p. 698 Nr. XXXI; SASR HV NL Wimmer 14d; ABP OA, Sammlung Stinglhamer/Krick 151, Nr. 278; StBP Hist. eccl. 130 VII gr, Nr. 278.

Zitierhinweis:
DI 67, Stadt Passau, Nr. 54 (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di067m010k0005409.