Inschriftenkatalog: Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 67: Stadt Passau (2006)

Nr. 17† Unterfreinberg, Bauernhof 1315

Beschreibung

Fragment eines Steins mit den Einträgen dreier(?) Familien, darunter die Ehefrau des Carl Craczer, Elisabeth, geb. Nothaft. In der Mitte des Steins Ritzzeichnung eines Mannes (Geistlichen) in segnender Haltung, oberer Teil des Steins mit Kopf des Mannes und Inschrift über dem Kopf verloren. Links der Eintrag der Elisabeth Craczer, rechts Eintrag des Christian Stockher von Utzenaich. Erhard überliefert nur die Inschrift der Ehefrau des Carl Craczer. Von Erhard im Hof des Bauers Straßer im Hofgang gefunden. Der Bauer gab an, die Steine wären 1811 erworben worden und stammten entweder aus dem Domkreuzgang oder vom Friedhof bei St. Paul. Kappel erwähnt, dass vor „wenigen Jahren“ (vor 1912) zwei „alte Monumente“ aus dem Domkreuzgang, die auf einem Bauernhof im „Dorf Freinberg“ zweitverwendet wurden, von einem namentlich nicht genannten Wiener Antiquar aufgekauft wurden. Dabei könnte es sich u.a. um dieses Objekt gehandelt haben1).

Text und Beschreibung nach Erhard, Topographie.

  1. Hic · leit · carls · des craczaer · havsfraw · ein · nothaftin · die · an · dem · abent · epiphanie · verschiet · anno mcccxv

Datum: 1315 Januar 05.

Kommentar

Erhard möchte den auf dem Denkmal abgebildeten Geistlichen mit Dietrich Westerburger identifizieren, für ihn ist allerdings ein anderes Grabdenkmal kopial überliefert (Nr. 16†). Erhard gibt, abweichend zu dieser Überlieferung und zum bei Krick angegebenen Todesdatum 06. Januar oder 09. April 13142), als sein Todesjahr 1322 an. Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass auf ein bereits benutztes, mit ihm und dem Domkapitel in keinerlei Beziehung stehendes Grabdenkmal eine Ritzzeichnung und eine Inschrift für Dietrich Westerburger angebracht wurde. Ebenso ist eine Beschriftung durch die Erstbenutzer am Rand des Denkmals kaum vorstellbar. Die Ritzzeichnung des Geistlichen muss sich daher auf einen vor Elisabeth Kratzer verstorbenen Kleriker beziehen. Selbst wenn man das bei Krick angegebene Todesdatum zu Grunde legt, ist eine Identifizierung mit Dietrich Westerburger wohl auszuschließen, da eine Beschriftung durch dritte, nicht dem Domkapitel Angehörige und eine Zweitbenutzung in so kurzem Abstand nach dem Tod des Erstverstorbenen in Passau ansonsten nicht überliefert sind.

Carl Cratzer war ein reicher Patrizier aus Regensburg. In erster Ehe war er mit Elisabeth, geb. Nothaft, verheiratet. Laut Erhard versetzte er mit seiner Ehefrau Elisabeth 1317 einen Werd an der Donau oberhalb der Steinernen Brücke an Herzog Rudolf I. von Bayern. Dies steht im Widerspruch zu dem in der Überlieferung angegebenen Todesjahr 1315. 1319 zog Carl Craczer mit seiner zweiten Ehefrau Gertraud, des Wachen Witwe, in ein von ihr erworbenes Haus in der Schrottgasse zu Passau3).

Anmerkungen

  1. Vgl. Kappel, Dom 160; unter dem Standort Unterfreinberg sind sechs Objekte überliefert (vgl. Nr. 8†, zusammen mit 292†, 16†, 17†, 18†, 26† und 250†. Drei davon werden von Krick erwähnt, der die Platten noch um 1920 vorgefunden hat (vgl. Nr. 8†/292†, 16† und 250†). Die restlichen drei (Nr. 17†, 18† und 26†) werden nur von Erhard aufgeführt. Dieser Umstand legt nahe, dass sich die von dem Wiener Antiquar vor 1912 aufgekauften Objekte unter den bei Krick nicht mehr erwähnten Grabschriften befanden. Allerdings berichtet Kappel nur von zwei „Monumenten“, von Erhard werden aber drei zusätzliche Grabmäler überliefert.
  2. Krick, Domstift 30.
  3. Vgl. Erhard, Topographie II,3 178.

Nachweise

  1. Erhard, Topographie II,3 177–179.

Zitierhinweis:
DI 67, Stadt Passau, Nr. 17† (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di067m010k0001706.