Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 804 St. Johannis 1609

Beschreibung

Grabplatte des Ludolph von Dassel. Der hochrechteckige Stein wurde im 19. Jahrhundert bei Grabungen in der Dasselschen Familienkapelle gefunden und ist heute an deren Nordwand angebracht.1) Er ist stark abgetreten, daher dürfte es sich um eine im Boden liegende Grabplatte und nicht um ein Epitaph gehandelt haben. Der Stein trägt ein großes ovales Medaillon mit einem im Relief gehauenen Vollwappen darin, um das Medaillon herum vier liegende Figuren, oben links eine Figur mit Fackel, rechts eine bärtige Gestalt, unten wohl ein Engel mit einem Blasinstrument sowie ein Gerippe mit Sense, auf dem Rand des Medaillons die zweizeilige Inschrift A in erhabenen Buchstaben in vertiefter Zeile. Unten auf dem Stein eine querrechteckige Rollwerktafel mit der weitgehend abgetretenen Inschrift B in erhabenen Buchstaben im vertieften Feld. Auf dem unteren Rand der Tafel ist die jüngere Nummerierung C eingehauen.

Inschrift B ergänzt nach Büttner.2)

Maße: H.: 112 cm; B.: 72 cm; Bu.: 2 cm (A, C), 2,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Sabine Wehking) [1/3]

  1. A

    2. TIMOTH · 4 · BONVM CERTAMEN CERTAVI CVRSVM CONSVMAVI FIDEM SERVAVI POSTHACa) REPOSITA EST / [.............]TICIAEb) QVAM REDDET [ – – – ]TVSc) IVDEX ·3)

  2. B

    AMPLISSIMVS ET PRVDENTISSI=/MVS [VIR DOMINVS LVDOLPHVS A] DAS/SEL [CONSVL LUNAEBVRG(ENSIS) NATV]S / E[ST ANNO CHR(IST)I 1539 DIE 17] FE:/BRVAR[II OBIIT A]NN[O 1609] DIE 26 IVLII / VIXIT ANNOS · 70 MENSES 5 DIE(S) 6 ·

  3. C

    NRO 80

Übersetzung:

Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt. Danach ist für mich die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, die mir der Herr an jenem Tag geben wird, der gerechte Richter. (A) Der hochangesehene und sehr kluge Mann, Herr Ludolph von Dassel, Lüneburger Bürgermeister, ist im Jahr Christi 1539 am 17. Tag des Februar geboren, er starb im Jahr 1609 am 26. Tag des Juli. Er lebte 70 Jahre, fünf Monate und sechs Tage. (B)

Wappen:
Dassel4)

Kommentar

Ludolph III. von Dassel, der Sohn des Christoph von Dassel und der Anna Kroger, ist seit 1568 als Sülfmeister nachzuweisen, im Jahr 1573 wurde er in den Rat gewählt, 1592 zum Bürgermeister.5) Vermutlich war er der Bauherr des Hauses Neue Sülze 31 (vgl. Nr. 562). Verheiratet war er mit Ilsabe Dithmers.6) Die vier Söhne des Ehepaars starben bereits in frühem Kindesalter (vgl. Nr. 612), die Tochter Ilsabe heiratete Leonhard Töbing (vgl. Nr. 847). Für die Öffnung des Grabes in der Dasselschen Kapelle zur Beisetzung des Bürgermeisters am 29. Juli 1609 wurde die Gebühr von einer Mark erhoben.7)

Textkritischer Apparat

  1. Nach dem Bibeltext in reliquio.
  2. Zu [MIHI CORONA IVS]TICIAE zu ergänzen.
  3. Zu [MIHI DOMINVS IN ILLA DIE IVS]TVS zu ergänzen.

Anmerkungen

  1. Dassel, Stammesgeschichte 1893, S. 46.
  2. Für Ludolph von Dassel gibt es auch eine von Marcus Mylius verfasste literarische Versgrabschrift, vgl. Anhang 2.
  3. 2. Ti. 4,7f.
  4. Wappen Dassel (Balken, daraus nach oben zwei Efeublätter, nach unten ein Efeublatt hervorwachsend). Vgl. Büttner, Genealogiae.
  5. Stahl, Ratslinie, Nr. 309, S. 183.
  6. Büttner, Genealogiae, Stammtafel Dassel II.
  7. SKA Lüneburg, Kirchenrechnung St. Johannis I,5, fol. 183v.

Nachweise

  1. Büttner, Genealogiae, Stammtafel Dassel II (B).

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 804 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0080403.