Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 572† St. Michaelis 1586

Beschreibung

Grabplatte des Eberhard von Holle. Nach Gebhardi lag die hochrechteckige Grabplatte über dem ausgemauerten Grab des Abts, das sich im südlichen Seitenschiff vor dem Chor befand.1) Nach der Zeichnung Gebhardis2) zeigte die Grabplatte im oberen Teil ein großes von Beschlagwerk umgebenes Medaillon mit dem Vollwappen Eberhards von Holle im Relief, in den Ecken der Platte vier kleinere Medaillons mit Vollwappen. Im unteren Teil der Grabplatte die Inschrift.

Inschrift nach der Zeichnung bei Gebhardi.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. ANNO . D(OMI)NI M.D.LXXX.VI. / DIE . V . IVLII . HORA . VIII . VESPERT(INA) . / REVERENDISSIMVS . PRINCEPS / NOBILISSIMVS . DOMINVS . / EBERHARDVS . AB . HOLLE . EPISCOP(VS) / LVBECENSIS . ADMINISTRATOR / VERDENSIS . DOMIN(VS) DE . DOMO . / ET . ABBAS . IN . LVNEBVRGA . / AD . S . MICAELEM . OBIIT . AN(N)O . / AETATIS . LX.III . CLIMACT=/ERIO . HEROICO .

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1586 am 5. Tag des Juli zur 8. Abendstunde starb der hochehrwürdige Fürst und hochadlige Herr Eberhard von Holle, Bischof von Lübeck, Administrator von Verden, Herr vom Hause und Abt zu St. Michaelis in Lüneburg im 63. Lebensjahr, dem mythischen Stufenjahr3).

Wappen:
Eberhard von Holle, Administrator von Verden, Abt von St. Michaelis4)
Holle5)Münchhausen6)
Mandelsloh7)Frese8)

Kommentar

Zu Eberhard von Holle vgl. dessen Epitaphien Nr. 571 u. 573, zu den abweichenden Altersangaben für Eberhard von Holle ausführlich Nr. 571. Dass einer derart ausgesuchten Form der Altersangabe, wie sie hier in der Grabschrift vorliegt und durch die Zeichnung Gebhardis sicher belegt ist, eine falsche Zahl zugrundeliegen sollte, erscheint wenig plausibel.

Anmerkungen

  1. Lageplan Nr. 24, Gebhardi, Collectanea, Bd. 6, p. 381.
  2. Das aus Gebhardi, Collectanea, Bd. 6 stammende Blatt 529 mit den Zeichnungen der Grabplatte und des Epitaphs, liegt in Bd. 14 zwischen p. 688 u. 689.
  3. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Vorstellung, dass jedes siebte Jahr, besonders aber das 63. einen gefahrvollen Abschnitt im menschlichen Leben darstellt.
  4. Wappen Eberhard von Holle, Administrator zu Verden, Abt von St. Michaelis (Schild durch Nagelspitzkreuz (Verden) viergeteilt: 1. u. 4. Verden (schwebendes Kreuz), 2. u. 3. thronender Abt, im Herzschild Wappen Holle (drei Zipfelmützen)). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 9 u. Tafel 10 (Holle); zum Wappen Verden und Eberhard von Holle als Administrator Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 1, Abt. 5, Teil 1, S. 132 u. Tafel 193.
  5. Wappen Holle (drei Zipfelmützen). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 9 u. Tafel 10.
  6. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, Teil 1, S. 274 u. Tafel 325.
  7. Wappen Mandelsloh (umwundenes Jagdhorn). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 253 u. Tafel 303.
  8. Wappen Frese (Helm mit drei Straußenfedern). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 56 u. Tafel 131.

Nachweise

  1. Gebhardi, Collectanea, Bd. 14, p. 687, Zeichnung p. 688a (vgl. Anm. 2).
  2. Rikemann, Libellus, fol. 15v.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 572† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0057208.